Wie sich eine Flugzeug-Schießerei von einer Saloon-Schießerei unterscheidet
Seit ein paar Wochen wird die Sicherheit an Bord von Verkehrsmaschinen viel ernster genommen als früher. Ein gutes Dutzend arabischer Verbrecher hat bewiesen, dass man weder automatische Waffen noch Handgranaten für eine Flugzeugentführung braucht - Bosheit und Teppichmesser reichen.
Sky Marshalls in zivil sichern nunmehr die Airliner, sowohl die amerikanischen als auch viele Flugzeuge anderer Fluglinien (z. B. auch der Lufthansa). Zum Einsatz mussten sie Gott sei Dank vorerst noch nicht kommen. Doch wenn es zum Notfall käme, ist relativ unklar, wie man sich ihr Eingreifen vorzustellen hat. Denn normale Schusswaffen verbieten sich - ein Loch in der Flugzeugaußenhaut würde zu einem Druckabfall und damit höchstwahrscheinlich zur Katastrophe führen.
Will man die Schutzleute also mit mehr als Pfefferspray und Elektroschocker ausstatten, muss man neue Wege beschreiten. Der New Scientist meldet, dass das Department of Defence derzeit eine neue Sorte von Waffen erprobt.
Eine kalifornische Firma mit dem etwas allzu generischen Namen American Technology Corporation will ein Gerätlein namens Directed Stick Radiator zuliefern, das gezielten, extrem hohen akustischen Druck "verschießt". Der DSR ist ungefähr einen Meter lang und habe zwei Zentimeter Radius, also nicht gerade der Typ von Waffe, die der zivile Sky Marshal unerkannt in der Hosentasche mit sich führen kann.
Das Opfer wird mit 140 Dezibel getroffen, was sehr schmerzhaft wäre und es vorübergehend gehörlos machen würde. Doch ein Einwand drängt sich auf: Selbst dann, wenn man Schallwellen derart sauber auf eine kleine Stelle hin bündeln könnte - gäbe es denn keine Reflektionen des Power-Schalls innerhalb des Flugzeugs, sodass auch andere Menschen und eventuell gar der Feuernde betroffen wären? Auf dieses Problem wies im New-Scientist-Artikel auch Dr. Jürgen Altmann --- dort ein bisschen runterscrollen) hin, ein deutscher Experte für Friedensforschung und nicht-tödliche Waffen.
Interessant ist übrigens auch ein Blick auf American Technology Corporation. Nicht das Pentagon ging mit dem neuen Waffensystem an die Presse, sondern der kleine Tech-Hersteller. ATC ist beileibe keine Rüstungsfirma, sondern der vielleicht spacigste existente Audiohersteller. Schon 1997 gewann Firmengründer und -chef Elwood Norris einen Preis des Discover-Magazins für seine wichtigste Technologie, die mit Schallwellen im unhörbaren Bereich Lautsprecher obsolet machen will. Wer sich näher für HyperSonicSound interessiert, findet auf der ATC-Website entsprechende Informationen. Noch früher, 1996, war ATC bereits im New Scientist vertreten, und zwar mit einer Technologie, die es erlauben sollte, auf 200-300 Meter nur einem Menschen in einer Menschenmenge ein Tonsignal zukommen zu lassen.. Das klingt eigentlich exakt wie der Directed Stick Radiator, nur eben auf leise gedreht...
Der umtriebige Gründer und Chef von ATC, Elwood Norris, hat übrigens auch den Selbstversuch mit dem DSR (jedenfalls einer abgeschwächten Variante) nicht gescheut. Ehe er Audio-Gadget-Erfinder wurde, war er Spezialist für Atomwaffen. Heute soll vor allem die Kooperation mit dem Militär den ATC-Kurs nach oben treiben: Bereits vor dem 11. September wollte man HyperSonicSound an die Armee verkaufen, wenn DSR wirklich funktioniert, würde das weitere Märkte erschließen. Ob das Ganze hinhaut? Elwood Norris selbst setzt auf steigende Kurs, denn er kauft in den letzten paar Monaten zahlreiche Aktien seines Unternehmens nach.
Gruß
Happy End