Zalando wächst kräftig – aber nicht dort, wo die Börse hinschaut
Die About-You-Übernahme lässt Umsatz und GMV stark steigen, während das organische B2C-Geschäft an Tempo verliert und ausgerechnet B2B zum Ergebnistreiber wird.
Zalando liefert auf dem Papier Wachstumsraten von mehr als 20 %. Trotzdem hat die Börse nach den Halbjahreszahlen hart verkauft. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich auf, sobald die Übernahme von About You herausgerechnet wird. Dann zeigt sich ein Unternehmen, dessen strategische Verbreiterung funktioniert, dessen klassisches Modegeschäft aber deutlich weniger Dynamik entwickelt, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Zalando (DE000ZAL1111) steigerte das Bruttowarenvolumen im zweiten Quartal um 20,7 % auf 4,915 Mrd. Euro und den Konzernumsatz um 20,8 % auf 3,424 Mrd. Euro. Das bereinigte EBIT verbesserte sich um 10,4 % auf 204,8 Mio. Euro. Für sich genommen wären das Zahlen, die kaum einen Kurssturz erklären.
Die wichtigere Zahl steht deshalb in Klammern. Auf Pro-forma-Basis, also unter der Annahme, dass About You schon im Vergleichsquartal konsolidiert gewesen wäre, wuchs das GMV lediglich um 4,4 %. Beim Umsatz blieben 1,1 %. Genau diese Differenz zwischen gemeldetem und vergleichbarem Wachstum hat die Wahrnehmung verändert.
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Der Markt sieht Zalando seit der About-You-Übernahme nicht mehr nur als Modeplattform. Das Unternehmen will ein größeres europäisches E-Commerce-Ökosystem aus Endkundengeschäft, Logistik, Software, Werbung und Infrastruktur aufbauen. Die jüngsten Zahlen zeigen erstmals recht deutlich, warum diese Strategie attraktiv sein kann – und zugleich, warum sie das Problem eines vorsichtigen europäischen Konsumenten nicht verschwinden lässt.
Die 20 Prozent Wachstum erzählen nur die halbe Geschichte
Im klassischen B2C-Geschäft stieg der Quartalsumsatz gemeldet um 20,3 % auf knapp 3,1 Mrd. Euro. Die Kundenbasis erreichte konzernweit 62,5 Mio. aktive Kunden. Die durchschnittliche Warenkorbgröße legte auf 63,40 Euro zu und auch das GMV je aktivem Kunden erhöhte sich.
Doch der Q2-Faktencheck von Zalando zeigt gleichzeitig, dass sich die Profitabilität im B2C-Bereich verschlechterte. Das bereinigte EBIT sank dort von 173,7 Mio. auf 164,1 Mio. Euro. Die entsprechende Marge ging von 6,7 % auf 5,3 % zurück.
Im Halbjahresbericht nennt Zalando unter anderem das niedrigere Margenprofil von About You und höhere Fulfilment-Kosten als Belastungen. Hinzu kommt eine verhaltenere Nachfrage, besonders im Sneaker-Geschäft. Das ist für die Bewertung relevanter als das reine Konsolidierungswachstum: Der bestehende Handelskern beschleunigt derzeit nicht.
Zalando trifft damit auf ein weiterhin schwieriges Konsumumfeld. CFO Anna Dimitrova beschrieb die Kunden Anfang August als vorsichtig und preissensibel. Gleichzeitig belastet intensiver Rabattdruck Teile des europäischen Modemarktes. Der Reuters-Bericht zur Marktreaktion machte deutlich, dass gerade die schwächere zugrunde liegende B2C-Entwicklung den massiven Ausverkauf nach den Zahlen ausgelöst hat.
B2B wird vom Nebengeschäft zum Bewertungsargument
Interessanter ist deshalb derzeit der kleinere Unternehmensbereich. Im B2B-Segment stieg der Quartalsumsatz um 27,6 % auf 334,7 Mio. Euro. Das bereinigte EBIT sprang von 11,4 Mio. auf 40,7 Mio. Euro, die Marge von 4,3 % auf 12,2 %.
Dahinter stehen vor allem die Logistikplattform ZEOS und die durch About You hinzugekommene Commerce-Software SCAYLE. Im ersten Halbjahr wuchs der B2B-Umsatz auch auf vergleichbarer Pro-forma-Basis um 18,9 %. Damit entsteht ein Geschäftsbereich, dessen Entwicklung deutlich weniger von der Frage abhängt, ob Konsumenten gerade ein weiteres Paar Sneaker bestellen.
Genau hier liegt die strategische Chance der Übernahme. Zalando kann Infrastruktur, Software und Logistik zunehmend an andere Händler verkaufen und damit aus Fähigkeiten Geld verdienen, die bislang vor allem zur Unterstützung der eigenen Plattform dienten. Der Konzern wird dadurch breiter – und potenziell weniger abhängig von der Marge im klassischen Modehandel.
Für Anleger ist allerdings die Größenordnung entscheidend. B2B entwickelt sich stark, ist mit gut 335 Mio. Euro Quartalsumsatz aber weiterhin wesentlich kleiner als das B2C-Geschäft. Der Bereich kann Schwächen im Kerngeschäft abfedern, sie bislang jedoch nicht vollständig kompensieren.
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