Nur wenige Banken geben EZB-Zinssenkung an Kunden weiter 13.01 2003
FRANKFURT (dpa-AFX) - Kunden von Banken und Sparkassen haben bislang meist vergeblich auf günstigere Kredite nach der letzten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) gehofft. Daran hat auch scharfe Kritik von Politikern und Verbraucherschützern noch nichts geändert. Die meisten Institute warten ab, ob die Konkurrenz ihre Konditionen verändert. "Das entscheiden die Filialen im Wettbewerb vor Ort", hieß bei den meisten Kredithäusern am Montag auf Anfrage. VERBRAUCHERSCHÜTZER: "SELBSTBEDIENUNGSMENTALITÄT"
Verbraucherschützer warfen den Geldinstituten "Selbstbedienungsmentalität" vor. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hatte diese Haltung ebenfalls scharf kritisiert. Er forderte die Banken erneut auf, die Senkung an die Kunden weiterzugeben. Die EZB hatte im Dezember den Leitzins um 0,5 Punkte auf 2,75 Prozent gesenkt.
Der Bundesverband deutscher Banken lehnte unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen des Kartellamtes jede Stellungnahme ab. Das Kartellamt überprüft derzeit, ob der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, mit seinen Äußerungen gegen das Empfehlungsverbot verstoßen hat. Der Bankenverbandspräsident hatte prophezeit, dass die Kreditinstitute angesichts der akuten Ertragsprobleme die Leitzinssenkung nicht weitergeben würden. COMMERZBANK REAGIERT
Bei den Großbanken hat bislang allein die Commerzbank reagiert. Sie hatte bereits angekündigt, die Zinsen für die Überziehung von Girokonten (Dispokredite) und für Ratenkredite an Verbraucher um 0,25 Prozentpunkte zu drosseln. "Andere Vergünstigungen sind aber nicht geplant", berichtete ein Sprecher.
Bei der HypoVereinsbank wird derzeit erwogen, den Dispokredit zu verbilligen. Die Kunden könnten mit einer Senkung rechnen, sagte ein Sprecher. Der Branchenführer Deutsche Bank nimmt dagegen eine abwartende Haltung ein: "Für unsere Niederlassungen gelten Bandbreiten, mit denen sie die Kreditzinsen je nach Situation vor Ort anpassen können."
Ähnlich sieht es bei der Dresdner Bank aus. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken haben noch nicht darüber entschieden, ob es günstigere Kredite gibt. "Derzeit werden von den genossenschaftlichen Instituten alle Möglichkeiten geprüft, Zinsspielräume im Sinne des Kunden zu nutzen", betonte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbank (BVR). SPARKASSEN WOLLEN EZB-ENTSCHEIDUNG WEITERGEBEN
Die Sparkassen wollen die EZB-Entscheidung "natürlich weitergeben, dafür wird schon der harte Wettbewerb der Kreditinstitute sorgen". Das betonte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Die Hamburger Sparkasse meldete, dass sie die Zinsen sowohl bei den Krediten als auch bei den Sparanlagen gesenkt habe. Die Hypothekenzinsen seien etwa durchgängig um 0,2 Prozentpunkte gesenkt worden.
Die Banken nutzten den Gestaltungsspielraum einseitig zu ihren Gunsten, kritisierte ein Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Dabei seien die Institute an "höchstrichterliche Vorgaben gebunden", wann und wie Zinssenkungen weiterzugeben seien. Bei Kreditverträgen mit variablem Zinssatz oder Dispokrediten müsste demnach die Senkung des Leitzinses weitergegeben werden. Die Verbraucherschützer empfehlen, die Verträge dahingehend zu überprüfen. Sollten die Banken keine Anpassung vornehmen, sollten Kunden notfalls die Verbraucherzentrale einschalten./sto/dw/sl/pr/gi/op/DP/st
FRANKFURT (dpa-AFX) - Kunden von Banken und Sparkassen haben bislang meist vergeblich auf günstigere Kredite nach der letzten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) gehofft. Daran hat auch scharfe Kritik von Politikern und Verbraucherschützern noch nichts geändert. Die meisten Institute warten ab, ob die Konkurrenz ihre Konditionen verändert. "Das entscheiden die Filialen im Wettbewerb vor Ort", hieß bei den meisten Kredithäusern am Montag auf Anfrage. VERBRAUCHERSCHÜTZER: "SELBSTBEDIENUNGSMENTALITÄT"
Verbraucherschützer warfen den Geldinstituten "Selbstbedienungsmentalität" vor. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hatte diese Haltung ebenfalls scharf kritisiert. Er forderte die Banken erneut auf, die Senkung an die Kunden weiterzugeben. Die EZB hatte im Dezember den Leitzins um 0,5 Punkte auf 2,75 Prozent gesenkt.
Der Bundesverband deutscher Banken lehnte unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen des Kartellamtes jede Stellungnahme ab. Das Kartellamt überprüft derzeit, ob der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, mit seinen Äußerungen gegen das Empfehlungsverbot verstoßen hat. Der Bankenverbandspräsident hatte prophezeit, dass die Kreditinstitute angesichts der akuten Ertragsprobleme die Leitzinssenkung nicht weitergeben würden. COMMERZBANK REAGIERT
Bei den Großbanken hat bislang allein die Commerzbank reagiert. Sie hatte bereits angekündigt, die Zinsen für die Überziehung von Girokonten (Dispokredite) und für Ratenkredite an Verbraucher um 0,25 Prozentpunkte zu drosseln. "Andere Vergünstigungen sind aber nicht geplant", berichtete ein Sprecher.
Bei der HypoVereinsbank wird derzeit erwogen, den Dispokredit zu verbilligen. Die Kunden könnten mit einer Senkung rechnen, sagte ein Sprecher. Der Branchenführer Deutsche Bank nimmt dagegen eine abwartende Haltung ein: "Für unsere Niederlassungen gelten Bandbreiten, mit denen sie die Kreditzinsen je nach Situation vor Ort anpassen können."
Ähnlich sieht es bei der Dresdner Bank aus. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken haben noch nicht darüber entschieden, ob es günstigere Kredite gibt. "Derzeit werden von den genossenschaftlichen Instituten alle Möglichkeiten geprüft, Zinsspielräume im Sinne des Kunden zu nutzen", betonte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbank (BVR). SPARKASSEN WOLLEN EZB-ENTSCHEIDUNG WEITERGEBEN
Die Sparkassen wollen die EZB-Entscheidung "natürlich weitergeben, dafür wird schon der harte Wettbewerb der Kreditinstitute sorgen". Das betonte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Die Hamburger Sparkasse meldete, dass sie die Zinsen sowohl bei den Krediten als auch bei den Sparanlagen gesenkt habe. Die Hypothekenzinsen seien etwa durchgängig um 0,2 Prozentpunkte gesenkt worden.
Die Banken nutzten den Gestaltungsspielraum einseitig zu ihren Gunsten, kritisierte ein Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Dabei seien die Institute an "höchstrichterliche Vorgaben gebunden", wann und wie Zinssenkungen weiterzugeben seien. Bei Kreditverträgen mit variablem Zinssatz oder Dispokrediten müsste demnach die Senkung des Leitzinses weitergegeben werden. Die Verbraucherschützer empfehlen, die Verträge dahingehend zu überprüfen. Sollten die Banken keine Anpassung vornehmen, sollten Kunden notfalls die Verbraucherzentrale einschalten./sto/dw/sl/pr/gi/op/DP/st