Düsseldorf, 13. Apr (Reuters) - Der Streit um die Pleite des Handelsriesen Arcandor zwischen Ex-Konzernchef Thomas Middelhoff und Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg geht in eine neue Runde. Vor dem Landgericht Essen beginnen heute (Mittwoch) die Verhandlungen um eine Schadenersatzklage Görgs gegen das einstige Arcandor-Management um Middelhoff in Höhe von 175 Millionen Euro. Middelhoff und Görg müssen aber nicht persönlich anwesend sein - ihr Erscheinen wurde vom Gericht nicht angeordnet. Vielmehr soll mit den Anwälten das weitere Vorgehen erörtert werden. Middelhoff hat alle Vorwürfe Görgs zurückgewiesen.
Hintergrund der Schadensersatzforderung Görgs ist der angeblich überteuerte Verkauf von fünf Immobilien der Ex-Arcandor-Tochter Karstadt an den Oppenheim-Esch-Fonds des Kölner Bauunternehmers Josef Esch. Görg hat zudem eine weitere Klage gegen Middelhoff und ehemalige Arcandor-Manager und -Aufsichtsräte eingereicht, dabei geht es um insgesamt 25 Millionen Euro. In dieser Sache ist einem Gerichtssprecher zufolge noch kein Termin festgelegt worden. Middelhoff hatte seinerseits eine Klage wegen Prozessbetrugs gegen Görg angekündigt. In einem weiteren Verfahren vor dem Landgericht will zudem der Chefredakteur der Zeitungsgruppe "Welt", Jan-Eric Peters, Schadensersatz von Middelhoff für Verluste mit Arcandor- Aktien. Hier könnte möglicherweise am 28. April ein Urteil ergehen.
Der frühere Bertelsmann-Manager Middelhoff hatte das Arcandor-Ruder 2005 übernommen. Rund vier Jahre später musste er gehen - nach einem Jahresverlust von einer dreiviertel Milliarde Euro. Wenige Monate später stellt Arcandor Insolvenzantrag. Allein bei Karstadt zitterten jahrelang rund 25.000 Mitarbeiter um ihre Jobs. Görg brachte die Warenhauskette schließlich beim Investor Nicolas Berggruen unter.