News - 18.06.09 17:38
GESAMT-ROUNDUP: Neue Hoffnung für Karstadt - Bangen bei Quelle
FÜRTH/ESSEN (dpa-AFX) - Während bei Karstadt neue Hoffnung keimt, spitzt sich die Lage beim Versandhaus Quelle zu: Die Finanzierung des Weihnachtsgeschäfts der Warenhaustochter des insolventen Handels- und Touristikriesen Arcandor scheint gesichert. Karstadt hat nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg genug Geld für den laufenden Geschäftsbetrieb. Das Unternehmen benötige dafür keinen Massekredit, teilte Görg am Donnerstag in Essen mit.
Dagegen sei das Versandhaus Quelle vom Geldzufluss abgeschnitten.
Die für Quelle tätige Essener Valovis-Bank, die die Zahlungseingänge der
Quelle-Kunden abwickle, habe am vergangenen Donnerstag ihre Arbeit für das
Unternehmen eingestellt, sagte Görg. Die Bank benötige dringend eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro. Gespräche seien bereits mit dem Bund und dem Freistaat Bayern geführt worden.
ARCANDOR-ZUKUNFT WEITER UNKLAR
Für die rund 50.000 Mitarbeiter der von der Insolvenz betroffenen
Arcandor-Gesellschaften ist die Zukunft weiter unklar. 'Es wird natürlich auch
betriebsbedingte Kündigungen geben', kündigte Görg an. Details nannte er nicht. Nach Angaben des Essener Amtsgerichts wurden für das Unternehmen bisher insgesamt 22 Insolvenzanträge gestellt, darunter für die Muttergesellschaft Arcandor AG und 21 Töchter. Weitere Insolvenzanträge seien nicht auszuschließen, sagte Görg. Insgesamt bestehe Arcandor aus einem Netz von mehreren hundert Gesellschaften. Pläne für eine Zerschlagung des Unternehmens oder für 'Blitz-Verkäufe' verfolge er im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens nicht, sagte Görg.
Die profitable Tourismus-Tochter Thomas Cook sei nicht von der Insolvenz
betroffen. Arcandor hatte den Mehrheitsanteil an Thomas Cook jedoch zu großen Teilen an Banken verpfändet. Noch in dieser Woche stünden Gespräche mit den Banken bevor, sagte Görg.
KAUM PROBLEME MIT LIEFERANTEN
Nur geringe Schwierigkeiten erwartet Görg nach ersten Gesprächen mit den rund 24.000 Lieferanten des Warenhausunternehmens Karstadt. Im laufenden Monat Juni liege Karstadt mit den Umsätzen über den Zahlen des Vorjahres und über dem Plan.
'Wir stellen fest, dass die Kunden mit den Füßen abstimmen', sagte er. Am
kommenden Montag sei ein Treffen mit den Vermietern der Karstadt-Warenhäuser geplant.
In Schwierigkeiten ist dagegen Quelle - es fehlt Geld für die Finanzierung der
noch in diesem Monat geplanten Auslieferung des Quelle-Winterkatalogs. 'Der
Katalog ist die Existenzgrundlage eines Versandhauses', sagte Görg. Allein für
den Katalog fehlen nach Angaben eines Sprechers rund 20 bis 25 Millionen Euro. Ein weiterer dreistelliger Millionenbetrag sei für die Bestellung neuer Waren notwendig. Bei einer Wiederaufnahme der Zahlungen durch die Valovis- Bank könnten diese Posten jedoch beglichen werden.
BAYERN WILL QUELLE HELFEN
Die bayerische Staatsregierung will dem insolventen Versandhaus helfen.
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte für Donnerstagabend eine
Sondersitzung des Kabinetts einberufen, um über Soforthilfe für die
Arcandor-Tochter zu beraten. 'Wir wollen alle Möglichkeiten ausloten, um die
Arbeitsplätze zu erhalten', sagte Seehofer. 'Quelle hat zehntausend
Arbeitsplätze in Deutschland, der Großteil davon in Bayern.' Bei der
Kabinettssitzung sollte beraten werden, ob eine Bürgschaft oder ein Kredit
notwendig ist.
Auch der Insolvenzverwalter sollte an dem Kabinettstreffen teilnehmen und den
Ministerrat informieren. 'Was man konkret an Hilfe angehen kann und darf, kann
man erst im Lichte dieser Unterrichtung festlegen', sagte Bayerns
Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) auf Anfrage. 'Das Entscheidende bei Quelle ist, dass ein Fortführungskonzept gar nicht möglich ist, wenn der Katalog nicht gedruckt wird', sagte Zeil.
OTTO HAT KEINE INTERESSE AN QUELLE
Der Handels- und Dienstleistungskonzern Otto bekräftigte unterdessen, kein
Interesse am Konkurrenten Quelle zu haben. 'Wir glauben nicht, dass die
Sanierung von Quelle erfolgreich möglich ist', sagte Otto-Chef Hans-Otto
Schrader. Für den Umbau eines Versandhandelsunternehmens seien drei bis fünf Jahre erforderlich; diese Zeit habe Quelle nicht. Dagegen wäre Otto an anderen Teilen des Arcandor-Konzerns interessiert. Schrader bestätigte generelles Interesse an Versandhandelsunternehmen aus dem Konzern oder den Karstadt-Sporthäuser. Er betonte, Otto sei bislang nicht vom Insolvenzverwalter angesprochen worden. /she/uk/ch/gi/tst/nl
Quelle: dpa-AFX
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