ANDØYA (dpa-AFX) - Die Spectrum-Rakete des deutschen Herstellers Isar Aerospace ist erfolgreich zu ihrem zweiten Testflug ins All gestartet. Die Rakete hob um 22.12 Uhr vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya ab, wie auf einem Livestream zu sehen war. Nach zehn Minuten riss die Videoübertragung zum Boden ab, nachdem die Rakete die maximale Reichweite der Verbindung überschritten hatte. Beim ersten Versuch im März 2025 waren nur 30 Sekunden bis zum Absturz vergangen.
Für dich zusammengefasst:
Die Spectrum-Rakete von Isar Aerospace startete erfolgreich.
Nach 10 Minuten fiel die Videoübertragung zum Boden aus.
Die Rakete erreichte eine Höhe von etwa 100 Kilometern.
Das in Ottobrunn bei München ansässige Unternehmen feierte damit nach monatelangen Verzögerungen und viermaliger Verschiebung des zweiten Testflugs einen großen Erfolg. Nach Angaben der Moderatoren bei der Live-Übertragung erreichte die Rakete knapp vier Minuten nach dem Start eine Flughöhe von etwa 100 Kilometern über dem Erdboden - die sogenannte Karman-Linie, die die gedachte Grenze zum All markiert. Bei der Live-Übertragung zu sehen war unter anderem das Abstoßen der ersten Stufe. Als Nutzlast hatte die Spectrum-Rakete fünf wissenschaftliche Satelliten mehrerer Universitäten und ein wissenschaftliches Experiment geladen. Ob auch die Satelliten erfolgreich in die Umlaufbahn ausgesetzt wurden, war nicht unmittelbar klar.
Ursprünglich hätte die Spectrum-Rakete bereits im Januar abheben sollen. Doch der erste Termin wurde wegen eines defekten Ventils verschoben, beim zweiten Anlauf im März kam ein norwegischer Fischer dazwischen, der mit seinem Boot die Sicherheitszone in den Gewässern vor der Startbasis nicht rechtzeitig verlassen hatte. Im April wurden die Startvorbereitungen wegen eines leckenden Druckbehälters abgebrochen, im Juni gab es erneut ein Problem. Isar Aerospace will in diesem Jahre weitere Starts folgen lassen, der Bau der dritten Spectrum-Rakete ist bereits weit fortgeschritten.
Erfolg des Unternehmens von strategischer Bedeutung für Europa
Die Spectrum soll nach der Serienreife zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden bringen, geplant ist die Produktion von 40 Raketen im Jahr. Sowohl die Bundesregierung als auch EU und andere europäische Staaten haben ein strategisches Interesse am Erfolg des Unternehmens mit seinen guten 400 Mitarbeitern. Isar Aerospace hat nach Firmenangaben bislang über eine halbe Milliarde Euro Investorengelder eingeworben. Zuletzt hatte das Jungunternehmen einen Vertrag über 200 Millionen Euro mit der Europäischen Weltraumbehörde ESA unterzeichnet - Teil eines ESA-Programms, das die Entwicklung europäischer Trägerraketen beschleunigen soll.
Abhängigkeit von US-Technik und SpaceX soll schwinden
Grund ist die derzeitige weitgehende Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schießen. Seit langem wird die große Mehrheit der europäischen Satelliten von SpaceX ins All befördert. Das ist bei europäischen Raumfahrtunternehmen nicht zuletzt deswegen unpopulär, weil die Auftraggeber in den USA die technischen Spezifikationen ihrer Satelliten offenlegen müssen. Nach Angaben von Isar Aerospace starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, Europa lediglich acht.
Rund 60 Prozent der Anfragen an Isar Aerospace kommen mittlerweile aus dem militärischen Bereich, wie Vorstandschef Daniel Metzler im Frühjahr berichtet hatte. Laut Unternehmen ist Isar Aerospace jetzt schon mit Aufträgen über mehrere hundert Millionen Dollar (Dollarkurs) bis zum Jahr 2028 ausgebucht, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte das der Gelände in Andøya am 13. März gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støhre besucht.
Auch die verspätete Ariane 6 soll in Schwung kommen
Größere Höhen im All wird die bayerische Spectrum-Rakete jedoch auch dann nicht ansteuern können, wenn sie eines Tages die Serienreife erreicht. Daran arbeitet die französisch-deutsche ArianeGroup, die in diesem Jahr insgesamt sieben bis acht Raketen des jahrelang verzögerten Typs Ariane 6 starten lassen will. Bisher gab es nach Zählung des Fachportals "European Spaceflight" vier Ariane-Starts in diesem Jahr. Anders als die Spectrum ist die Ariane eine große Trägerrakete, die weit schwerere Nutzlast auch in geostationäre Umlaufbahnen knapp 36.000 Kilometer über dem Erdboden befördern kann./cho/DP/zb
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