Palantir: Starke Zahlen und die alte Leier ist zurück – ist die Bewertung zu hoch?
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
Die Aktie von Palantir legt nach den Quartalszahlen um mehr als ein Viertel zu. Kaum springt der Kurs in die Höhe, geht die Diskussion auch schon wieder los: Ist die Aktie zu hoch bewertet? Die Reaktion der Analysten reichen von 80 bis 255 US-Dollar. Wer behält recht? Charttechnisch wartet jedenfalls die nächste Hürde auf die Aktie. Wird sie geknackt, dann dürften die Bullen richtig loslegen.
Für dich zusammengefasst:
Palantir erzielte im Q2 einen Umsatz von 1,94 Mrd. USD.
Der Umsatz mit US-Kunden stieg um 149 Prozent.
Der Umsatzausblick für 2026 wurde auf 8,15 Mrd. USD angehoben.
Palantir liefert erneut Zahlen, die selbst höchste Erwartungen übertroffen haben. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden US-Dollar. Das war die höchste Wachstumsrate der Unternehmensgeschichte. Der bereinigte Gewinn erreichte 0,41 US-Dollar je verwässerter Aktie.
Besonders stark entwickelte sich das US-Geschäft mit privaten Unternehmen. Dort legte der Umsatz um 149 Prozent zu. Die Zahl der US-Kommerzkunden stieg laut BofA Securities um 35 Prozent auf 653. Gleichzeitig erhöhte sich der Umsatz je Kunde auf Basis der vergangenen zwölf Monate um 76 Prozent auf 3,5 Millionen US-Dollar.
Auch das Geschäft mit der US-Regierung gewann deutlich an Fahrt. Palantir profitiert dabei von der starken Nachfrage nach Angeboten für souveräne Cloud- und KI-Infrastrukturen. International bleibt die Entwicklung dagegen verhaltener. Das Auslandsgeschäft steht nur für rund ein Fünftel der Konzernerlöse und wächst deutlich langsamer.
Palantir hob den Umsatzausblick für 2026 kräftig an. Statt 7,65 Milliarden bis 7,66 Milliarden US-Dollar erwartet der Konzern nun 8,15 Milliarden bis 8,16 Milliarden US-Dollar. BofA Securities rechnet sogar mit 8,42 Milliarden US-Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 255 US-Dollar.
Auch die UBS, die Citigroup und Mizuho erhöhten ihre Kursziele deutlich. Die Schweizer Großbank sieht die Aktie bei 220 US-Dollar, der US-Vertreter bei 245 US-Dollar und die Experten aus Japan bei 215 US-Dollar. Jefferies bleibt dagegen skeptisch und bestätigte die Verkaufsempfehlung. Das Kursziel stieg lediglich von 70 auf 80 US-Dollar.
Der Grund für die Zurückhaltung ist die alte Leier: die Bewertung. Palantir wird mit rund dem 38-Fachen des erwarteten Jahresumsatzes und dem 93-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns gehandelt. Damit setzt der Markt voraus, dass das außergewöhnliche Wachstum über Jahre anhält.
Zusätzliche Kritik löst der erneute Anstieg der aktienbasierten Vergütung aus. Sie entspricht inzwischen etwa einem Viertel des Konzernumsatzes. Im vergangenen Jahr hatte der Anteil noch bei rund einem Sechstel gelegen.
Die Marke von 160 US-Dollar wird zum Test
Technisch ist die Aktie an einem entscheidenden Punkt angekommen. Der Kurs hat die 50- und die 200-Tage-Linie in einem Zug überwunden. Das spricht grundsätzlich für neuen Schwung.
Nun dürfte sich an der Marke von 160 US-Dollar entscheiden, ob die Aktie weiter nach oben durchstartet. Ein nachhaltiger Ausbruch könnte neue Käufer anlocken und die Rallye beschleunigen. Scheitert der Kurs jedoch an dieser Hürde, dürfte die Diskussion über die extreme Bewertung schnell wieder die Oberhand gewinnen.
Operativ liefert Palantir erneut beeindruckende Zahlen. Wachstum, Prognose und Kundenentwicklung sprechen für die Aktie. Doch die Bewertung lässt kaum Raum für Enttäuschungen. Oberhalb von 160 US-Dollar könnte der nächste Kursschub starten. Unterhalb dieser Marke droht zunächst eine neue Phase der Ernüchterung.
Anleger, die jetzt noch damit liebäugeln, auf den Zug aufzuspringen, sollten daher zunächst darauf achten, wie sich der Kurs an der psychologischen Marke von 160 US-Dollar verhält. Der enorme Kurssprung von Dienstag dürfte mit Sicherheit auch zu einem großen Teil von Short-Sellern ausgelöst worden sein, die nach den starken Zahlen kalte Füße bekommen haben.
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