Wie viele andere sicher hier an board stehe auch ich heute vor der Frage, heute einsteigen oder nicht. In welcher Art und Weise riskiere ich/ wir den einstieg.
Es fällt mir sehr schwer über solche Sachen nachzudenken.
Aber es bleibt mir als Bänker nichts anderes übrig, seitdem ich heute morgen im Büro bin klingelt überall das Telefon und man wird gefragt was soll ich tun.
Es ist immer noch unfassbar und erschütternd. Ich wäre am liebsten nicht zr Arbeit gekommen weil es mit meiner Einstellung nicht paßt aufgrund dieses Desasters in die Märkte zu gehen und Kunden zu beraten, damit sie hiervon profitieren.
Aus der FTD vom 12.9.2001
Das Kapital: Der Terrorakt erzwingt eine Neubewertung der Börsen
Die Pietät gebietet Schweigen, die Kolummnistenpflicht verlangt eine Einschätzung. Derzeit gibt es nur Fragen und keine Antworten. Wie hoch sind die Verluste bei den Banken und Versicherungen? Wie viele werden noch kommen? Wie werden die USA reagieren? Droht eine Eskalation - in Nahost, weltweit?
Eines scheint aber sicher: Die Risikoprämie an den Aktienmärkten ist stark gestiegen. Wer jetzt auf Kaufkurse setzt, geht ein riskantes Spiel ein. Gut, auf Basis der Konsensschätzungen kosten Dax und Stoxx jetzt das 15fache des 2002er Gewinns. Spottbillig? Die Analysten werden ihre Schätzungen, die schon zuvor optimistisch waren, nach unten korrigieren müssen.
Die US-Wirtschaft, die im letzten Quartal auf der Stelle trat, stand vor dem Terroranschlag an der Kippe zur Rezession. Jetzt ist sie möglicherweise heruntergestürzt. Drei Gründe zwingen zum Nachdenken - selbst wenn es nicht zu einer Spirale des Schreckens kommt.
Erstens und vor allem: Die US-Verbraucher, die rund zwei Drittel zum Sozialprodukt beitragen, haben bislang mit unerschütterlichem Zukunftsvertrauen die Wirtschaft getragen. Nachdem der sichtbarste Beweis für den US-Vorrang in der Welt in Trümmern liegt, werden die Amerikaner wohl andere Probleme auf sich zukommen sehen als die Wahl des nächsten Autos. Je unsicherer die Zeiten, desto mehr wird gespart. Für die Konjunktur ist das gefährlich.
Zweitens: Der Ölpreis ist sofort um 3,5 $ auf 31 $ pro Fass hochgeschossen. Äußerungen der Opec, sie würde ausreichend Öl anbieten, beruhigten etwas. Eine schwächere Weltwirtschaft würde für sich genommen auch den Anstieg bremsen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die bisherigen Ölprognosen von 25 $ und darunter bestehen bleiben. Die Unsicherheit ist einfach zu groß und droht den Preis hoch zu halten.
Drittens: Niemand kann derzeit sagen, wie stark das Weltfinanzsystem durch den Terrorakt getroffen wurde. Allein Morgan Stanley, eine der ganz großen US-Investmentbanken, hat ein Achtel des World Trade Center gemietet. Dort arbeiteten bis zu 50.000 Menschen.
Die Notenbanken werden auf die drohende Rezession zu reagieren haben. Die Fed hat 1987 beim Börsencrash und 1998 bei der Asienkrise die Schleusen geöffnet. Sie wird es auch diesmal tun. Allerdings hat sie bei einem Leitzins von 3,5 Prozent nicht mehr so viele Möglichkeiten. Das bedeutet: Auf Europa kommt künftig eine noch größere Verantwortung zu. Bislang hat eine US-Rezession noch immer Europa angesteckt. Und Japan steckt ohnehin schon mittendrin in der Wirtschaftsflaute. Der Export fällt für die Europäer als Konjunkturmotor aus, die Binnenwirtschaft muss einspringen. Die EZB lässt sich nicht gerne treiben. Aber sie muss jetzt handeln - rasch und entschlossen.
Versicherungen
Am schlimmsten traf es die Versicherungswerte. Insbesondere die großen Rückversicherer sind durch den Terrorakt auf das World Trade Center direkt betroffen. Aber es wird Tage dauern, bis die Schäden feststehen. Sie werden im Milliardenbereich liegen. Schätzungen sind zu diesem frühen Zeitpunkt naturgemäß wenig aussagekräftig.
Dennoch erscheinen die Kursreaktionen teilweise panisch hoch. Die Münchener Rück hat rund 7 Mrd. Euro an Börsenwert verloren, die Schweizer Rück ist fast 8 Mrd. Schweizer Franken weniger wert als am Vortag. Um das alleine mit den Anschlägen zu rechtfertigen, müsste die Schadensumme bei rund 60 Mrd. $ liegen, wenn man jeweils eine zehnprozentige Beteiligung der beiden großen Rückversicherer unterstellt. Beides sieht sehr hoch aus. Auch Unternehmen wie CGNU haben gelitten, die außer einer kleinen Lebensversicherung kein Geschäft mehr in den USA betreiben. Zudem: Versicherungen sind weniger konjunkturanfällig als andere Sektoren. Sie werden immer gebraucht, in Krisenzeiten sogar noch eher. Auch steigen bei einer drohenden Rezession die Anleihen, die einen Großteil des Vermögens von Versicherungen ausmachen.
Die Kursrückschläge lassen sich nur mit Befürchtungen über die Zukunft erklären. Die Katastrophe hat gezeigt, dass Anschläge in dieser Größenordnung möglich sind. Es besteht die Gefahr, dass sich solche Untaten wiederholen. Davon wären Versicherungsunternehmen in starkem Maße betroffen.
Außerdem verschärft sich durch den Anschlag das außenpolitische Klima, was die Kriegsgefahren erhöht. Versicherer bieten auch Policen gegen politische Gefahren und Kriegsrisiken an. Zwar nimmt diese Risiken normalerweise nicht ein einzelnes Unternehmen in die Bücher, sondern ein spezialisierter Broker wie Lloyd’s, der sich das nötige Kapital über ein Konsortium aus mehreren Versicherungen besorgt. Damit wird eine Risikostreuung über den Sektor hinweg erreicht. Die Tragödie vom Dienstag hat jedoch das Risikoniveau für die gesamte Branche angehoben. Nach diesem Tag ist auch für die Versicherer nichts mehr so, wie es war.
Es fällt mir sehr schwer über solche Sachen nachzudenken.
Aber es bleibt mir als Bänker nichts anderes übrig, seitdem ich heute morgen im Büro bin klingelt überall das Telefon und man wird gefragt was soll ich tun.
Es ist immer noch unfassbar und erschütternd. Ich wäre am liebsten nicht zr Arbeit gekommen weil es mit meiner Einstellung nicht paßt aufgrund dieses Desasters in die Märkte zu gehen und Kunden zu beraten, damit sie hiervon profitieren.
Aus der FTD vom 12.9.2001
Das Kapital: Der Terrorakt erzwingt eine Neubewertung der Börsen
Die Pietät gebietet Schweigen, die Kolummnistenpflicht verlangt eine Einschätzung. Derzeit gibt es nur Fragen und keine Antworten. Wie hoch sind die Verluste bei den Banken und Versicherungen? Wie viele werden noch kommen? Wie werden die USA reagieren? Droht eine Eskalation - in Nahost, weltweit?
Eines scheint aber sicher: Die Risikoprämie an den Aktienmärkten ist stark gestiegen. Wer jetzt auf Kaufkurse setzt, geht ein riskantes Spiel ein. Gut, auf Basis der Konsensschätzungen kosten Dax und Stoxx jetzt das 15fache des 2002er Gewinns. Spottbillig? Die Analysten werden ihre Schätzungen, die schon zuvor optimistisch waren, nach unten korrigieren müssen.
Die US-Wirtschaft, die im letzten Quartal auf der Stelle trat, stand vor dem Terroranschlag an der Kippe zur Rezession. Jetzt ist sie möglicherweise heruntergestürzt. Drei Gründe zwingen zum Nachdenken - selbst wenn es nicht zu einer Spirale des Schreckens kommt.
Erstens und vor allem: Die US-Verbraucher, die rund zwei Drittel zum Sozialprodukt beitragen, haben bislang mit unerschütterlichem Zukunftsvertrauen die Wirtschaft getragen. Nachdem der sichtbarste Beweis für den US-Vorrang in der Welt in Trümmern liegt, werden die Amerikaner wohl andere Probleme auf sich zukommen sehen als die Wahl des nächsten Autos. Je unsicherer die Zeiten, desto mehr wird gespart. Für die Konjunktur ist das gefährlich.
Zweitens: Der Ölpreis ist sofort um 3,5 $ auf 31 $ pro Fass hochgeschossen. Äußerungen der Opec, sie würde ausreichend Öl anbieten, beruhigten etwas. Eine schwächere Weltwirtschaft würde für sich genommen auch den Anstieg bremsen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die bisherigen Ölprognosen von 25 $ und darunter bestehen bleiben. Die Unsicherheit ist einfach zu groß und droht den Preis hoch zu halten.
Drittens: Niemand kann derzeit sagen, wie stark das Weltfinanzsystem durch den Terrorakt getroffen wurde. Allein Morgan Stanley, eine der ganz großen US-Investmentbanken, hat ein Achtel des World Trade Center gemietet. Dort arbeiteten bis zu 50.000 Menschen.
Die Notenbanken werden auf die drohende Rezession zu reagieren haben. Die Fed hat 1987 beim Börsencrash und 1998 bei der Asienkrise die Schleusen geöffnet. Sie wird es auch diesmal tun. Allerdings hat sie bei einem Leitzins von 3,5 Prozent nicht mehr so viele Möglichkeiten. Das bedeutet: Auf Europa kommt künftig eine noch größere Verantwortung zu. Bislang hat eine US-Rezession noch immer Europa angesteckt. Und Japan steckt ohnehin schon mittendrin in der Wirtschaftsflaute. Der Export fällt für die Europäer als Konjunkturmotor aus, die Binnenwirtschaft muss einspringen. Die EZB lässt sich nicht gerne treiben. Aber sie muss jetzt handeln - rasch und entschlossen.
Versicherungen
Am schlimmsten traf es die Versicherungswerte. Insbesondere die großen Rückversicherer sind durch den Terrorakt auf das World Trade Center direkt betroffen. Aber es wird Tage dauern, bis die Schäden feststehen. Sie werden im Milliardenbereich liegen. Schätzungen sind zu diesem frühen Zeitpunkt naturgemäß wenig aussagekräftig.
Dennoch erscheinen die Kursreaktionen teilweise panisch hoch. Die Münchener Rück hat rund 7 Mrd. Euro an Börsenwert verloren, die Schweizer Rück ist fast 8 Mrd. Schweizer Franken weniger wert als am Vortag. Um das alleine mit den Anschlägen zu rechtfertigen, müsste die Schadensumme bei rund 60 Mrd. $ liegen, wenn man jeweils eine zehnprozentige Beteiligung der beiden großen Rückversicherer unterstellt. Beides sieht sehr hoch aus. Auch Unternehmen wie CGNU haben gelitten, die außer einer kleinen Lebensversicherung kein Geschäft mehr in den USA betreiben. Zudem: Versicherungen sind weniger konjunkturanfällig als andere Sektoren. Sie werden immer gebraucht, in Krisenzeiten sogar noch eher. Auch steigen bei einer drohenden Rezession die Anleihen, die einen Großteil des Vermögens von Versicherungen ausmachen.
Die Kursrückschläge lassen sich nur mit Befürchtungen über die Zukunft erklären. Die Katastrophe hat gezeigt, dass Anschläge in dieser Größenordnung möglich sind. Es besteht die Gefahr, dass sich solche Untaten wiederholen. Davon wären Versicherungsunternehmen in starkem Maße betroffen.
Außerdem verschärft sich durch den Anschlag das außenpolitische Klima, was die Kriegsgefahren erhöht. Versicherer bieten auch Policen gegen politische Gefahren und Kriegsrisiken an. Zwar nimmt diese Risiken normalerweise nicht ein einzelnes Unternehmen in die Bücher, sondern ein spezialisierter Broker wie Lloyd’s, der sich das nötige Kapital über ein Konsortium aus mehreren Versicherungen besorgt. Damit wird eine Risikostreuung über den Sektor hinweg erreicht. Die Tragödie vom Dienstag hat jedoch das Risikoniveau für die gesamte Branche angehoben. Nach diesem Tag ist auch für die Versicherer nichts mehr so, wie es war.