Schritt für Schritt
Von Peter Merk
Man musste im ersten Halbjahr nicht unbedingt am Neuen Markt oder an der Nasdaq engagiert sein, um aus einem großen Vermögen ein kleines zu machen. Auch bei vielen Blue Chips sieht die Halbjahresbilanz düster aus. Die wenigen Titel mit positiver Performance sind an zwei Händen abzuzählen.
Unstrittig ist: Die Abwärtstrends bei Dax und Stoxx sind nach wie vor intakt. Daher ist weiterhin Vorsicht angebracht. Ebenso unstrittig dürfte aber auch sein, dass der größte Teil der Korrekturstrecke hinter uns liegt. Aus fundamentaler Sicht liegt eher ein Einstiegs- als ein Ausstiegsniveau vor.
Da es Illusion oder pures Glück ist, zum tiefsten Kurs zu kaufen, ist es eine Frage der Taktik und des individuellen Chance-Risiko-Profils, ob man - um den Dax als Beispiel zu nehmen - erst ein Kaufsignal bei über 6200 Punkten abwartet oder - bei einem fundamentalen Potenzial von 7000 Punkten auf Sicht eines Jahres - bereits jetzt schrittweise einsteigt.
Die entscheidende Frage für die Börsianer bleibt auf absehbare Zeit, wie es gesamtwirtschaftlich weitergeht. Die Aktienmärkte dürften die gleiche Richtung wie die Konjunktur einschlagen. In den USA deuten die ersten Signale darauf hin, dass die Talsohle bald durchschritten sein wird. Die noch nicht ausgestandenen Übertreibungen im Technologiesektor dürften auf den erwarteten Aufschwung zwar bremsend wirken. Geld- und Steuerpolitik werden aber ihre stimulierende Wirkung entfalten. Europa und damit auch Deutschland, wo es derzeit konjunkturell noch abwärts geht, sollten sich dann mit einer Verzögerung von gut einem halben Jahr ebenfalls erholen.
Spätestens im Herbst wird sich zeigen, ob dieses aus unserer Sicht wahrscheinlichste Szenario aufgeht. Bis dahin liegt der Schwerpunkt unserer Investments weiterhin im defensiven Bereich. Dies gilt insbesondere für Europa, wo Versicherer (Allianz, Aegon), Automobilwerte (DaimlerChrysler, Volkswagen) und nichtzyklische Konsumaktien (Ahold, Nestlé, Diageo) zu unseren Favoriten zählen.
Die Technologie-Werte üben zwar auch beziehungsweise gerade nach ihrem tiefen Sturz besondere Reize aus. Zu mehr als einer Zwischenrally dürfte es aber zumindest in Europa nicht reichen, da hier die Probleme der Telekommunikationsausrüster doch tiefer liegen. Etwas mutiger sind wir bei ausgewählten US-Technologieunternehmen wie etwa Intel, die von der erfolgreichen Einführung der neuen Microsoft-Produkte mittelfristig ebenfalls profitieren sollten.
Peter Merk ist Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg.