Größte Dot.com-Pleite aller Zeiten


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 458 / Heute: 1
Peet:

Größte Dot.com-Pleite aller Zeiten

 
13.07.01 09:38
Online-Supermarkt Webvan

Größte Dot.com-Pleite aller Zeiten  


Fast 1,2 Mrd. US-Dollar Investment-Kapital hat der Online-Supermarkt Webvan in den USA nach Analysten-Schätzungen verpulvert. Mit einem Schlag standen 2000 Menschen auf der Straße - von Computerprogrammierern, Fleischverkäufern bis zu Lkw-Fahrern. Webvan stellt alle bisherigen Dot.com-Pleiten in den Schatten.

Die Webvan-Zentrale im kalifornischen Foster City gab die Hiobsbotschaft am Montag bekannt. Das abrupte Ende der Lebensmittel-Anlieferung erschreckte nicht nur die Angestellten, sondern auch etwa 750.000 treue Kunden in Chicago, Seattle und Portland sowie in Los Angeles, San Francisco und San Diego.

Waghalsiges Konzept

Vor allem in Seattle war die Nachricht vom Scheitern des Unternehmens eine traurige Sensation. Denn Webvan hatte erst im vergangenen Jahr den örtlichen Konkurrenten Homegrocer geschluckt und war damit zum Marktführer im digitalen Lebensmittel-Einzelhandel geworden. Das Konzept der Firma galt von Anfang an als mutig, wenn nicht sogar waghalsig, und nun behielten die Pessimisten recht.

Webvan wollte in einem Markt mit notorisch kleinen Gewinnspannen ein Riesengeschäft komplett neu aufbauen. Mit eigenen Lagern sollte die Aufbewahrung und Auslieferung von Lebensmitteln besser organisiert werden als bei der Offline-Konkurrenz. Gleichzeitig verzichtete Webvan auf die Nutzung von bestehenden Lieferdiensten wie Federal Express und setzte stattdessen auf eine eigene Lasterflotte. Zu viel, zu schnell, zu groß, so kommentierte jetzt die "New York Times " das Scheitern. Die enormen Kosten beim Neuaufbau einer kompletten Vertriebskette sorgten schließlich für die Pleite.

Standbein in traditionellen Ladenketten wichtig

Wer nicht scheitern will, muss offenbar ein festes Standbein in traditionellen Ladenketten haben. Der größte Online-Händler Amazon arbeitet deshalb mit der Kinderspielzeug-Ladenkette Toys-R-Us zusammen, und der Computerhersteller Gateway betreibt seine erfolgreiche digitale Filiale neben Dutzenden von Läden in amerikanischen Shopping Malls.

Lachende Dritte bei dieser Pleite sind nun die Lebensmittelhändler, die mit etablierten Vertriebswegen antreten und ihr Online-Angebot auf ein solides Offline-Angebot aufbauen. Der digitale Supermarkt Peapod nutzt die Lager von Lebensmittel-Ketten wie Stop & Shop und Giant. Sie gehören zum Imperium des holländischen Ahold-Konzerns, dem auch 58 Prozent von Peapod gehören. Dieser Online-Händler umwirbt nun gezielt die ehemaligen Kunden des Pleiteunternehmens.  

Druckversion


Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--