Arme deutsche Dorfgemeinschaft!

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Arme deutsche Dorfgemeinschaft! Publizist
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Arme deutsche Dorfgemeinschaft!

 
05.10.01 02:34
#1
In einer typisch deutschen Dorfgemeinschaft, muss man mehrere Arten von Menschen unterscheiden. Zum einen gibt es die frischgebackene Familie (meist Studenten, die ein oder mehrmals nicht aufgepasst haben, und plötzlich ein oder mehrere Kinder am Hals haben, die eigentlich mehr kosten als nutzen), die endlich aus ihrer kleinen Stadtwohnung herausgekommen ist, da diese einfach zu klein geworden ist für zwei Erwachsene (ob Studenten wirklich erwachsen sind, bleibt dahingestellt) und einen oder mehrere Windelfüller. Da werden mal schnell sieben Hypotheken bei entsprechend vielen Banken aufgenommen, um das neue Haus zu bezahlen, doch da zuerst kein Geld für neue Möbel auf einem oder mehreren Konten vorhanden ist, sieht die Wohnung kurz nach dem Einzug dementsprechend leer aus. Die Möbel aus der alten Wohnung füllen gerade mal ein Viertel einer Etage.

Zunächst fällt der frischgebackenen Familie auch die Orientierung in ihrem neuen Heim schwer, und wenn ein oder mehrere Gören anfangen zu schreien und das Echo durch die leeren Räume wandert, kann es schon einmal vorkommen, dass Mami und Papi erst dann bei ihren schreienden Plagen ankommen, wenn sich alles schon wieder erledigt hat und die Teletubbie-Puppe wieder ihrem rechtmäßigen Besitzer ausgehändigt wurde. Doch nach und nach kommen immer mehr Möbel in das neue große Haus, Papi hat zu studieren aufgehört und macht jetzt was anständiges und Mami kümmert sich um Haus, Garten, Küche, Kinder, Essen, Putzen, Saugen, Ficken und Bier holen. Die Kinder werden immer größer (es gibt auch Ausnahmen (kleiner Scherz)), und werden in einer deutschen DG groß, womit wir bei einer anderen Gruppe im deutschen Dorfe wären, den Kindern.

Das allgemeine Dorfkind kann die eigenen Eltern an ihrer Erziehung verzweifeln lassen, sobald es Kontakt zu anderen Kindern bekommt. Es beginnt dann nämlich, seine Eltern mit den einfallsreichsten Beleidigungen zuzubomben, obwohl es weder deren Schreibweise, noch Bedeutung kennt, es weiß nur, dass die Anderen das auch sagen und das man nicht zu ihnen gehört, wenn man sich sprachlich nicht anpasst. Dass die Schlampe Mami von ihrer neuen Bezeichnung wenig begeistert ist und Arschficker Papi das Taschengeld streicht, löst bei den wenigsten Kindern eine logische Schlussfolgerung in ihrem kleinen unterbelichteten Gehirn aus, und es folgen weitere lustige, kindliche Sprachspielereien, worauf Sackgesicht, mit voller Unterstützung von Tittenmaus den Umgang mit so manchen Freunden verbietet. Doch im Kindergarten ist dann alles verloren, und der Sprössling lernt mehr Schimpfworte als ein Sexualverbrecher im Hochsicherheitstrakt.

Jedoch hat das Kind mittlerweile erkannt, dass es durchaus ungünstig ist, jeden Nachmittag den Eltern stolz neue Namen zu geben und dafür den Nachmittag im kuschelig warmen Kinderzimmer verbringen, während sich die anderen draußen eiskalte Schneebälle ins Innenohr hämmern. Sie beleidigen dann nur noch die Menschen, die sich entweder nicht wehren können, oder keine potentiellen Geldgeber sind, womit fast die komplette Verwandtschaft wegfällt und an Geburtstagen, nur die eingeladenen Kinder und nicht Oma und Opa als Ficker und Wichser tituliert werden, was immer mit einem oder mehreren heulenden Metern endet.

Mit dem älter werden, bilden sich unter den Kindern Gruppierungen, die einander mit allen möglichen Mitteln bekriegen (dies ist auch in den Vereinigten Staaten bekannt, weshalb dort der Verkauf von halbautomatischen Waffen an 16jährige seit Frühjahr 99 verboten ist (Endlich mal ein Staat, der was für den Schutz seiner Jugend tut!)). Die Mittel sind jedoch meist auf Papierschnipsel, Kreide, Schwämme, Steine und Klappmesser beschränkt, wobei gerade das sogenannte Butterfly-Messer bei den rotzblöden Knirpsen äußerst beliebt ist, zumindest bis die erste Fingerkuppe in den Dreck fällt.

Die Nervensägen werden älter (körperlich) und derjenige, der als erster den Führerschein hat, fährt dann auf Discoabende, holt erst noch einen oder mehrere Freunde ab, und ramponiert schließlich auf dem Heimweg die Frontpartie seines neuen Gebrauchtwagens an der schönen Eiche am Ende der langen Geraden.

Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Gruppe von Dorfmenschen, deren Erscheinen und Augenlicht Wissenschaftler immer wieder erstaunen lässt: unsere rüstigen Rentner. "Ich hab genau gesehen, wie der da hinten ohne zu blinken viel zu schnell um die Ecke gebogen ist und den Heinz von rechts angefahren hat, Herr Wachtmeister." Auch wenn die besagte Ecke nicht mal annähernd im Blickfeld des mit Begeisterung Polizisten zulabernden Rentners gelegen hätte, so ist er so sehr von dieser und all seinen anderen Aussagen, die er in seinem Leben schon an den Mann gebracht hat, überzeugt, dass er alles schließlich selber glaubt, und gar nicht mehr weiß, was wirklich an einer oder mehreren Ecken passiert ist. Aber man muss immer daran denken, dass alte Menschen immer Recht haben und junge Menschen nie. Das liegt daran, dass alte Menschen viel mehr Lebenserfahrung haben, und bis jetzt jede Situation gemeistert haben und die jüngeren immer Dinge tun, die man sich damals nie erlaubt hätte. Zum Beispiel hat man früher erst mit 21 geraucht, und dann auch nur im Notfall und es wurde grundsätzlich erst nach der Heirat mit der Kinderproduktion begonnen. Die gute alte Zeit. Beliebt sind Aussagen, wie: "Also, beim Adolf wäre das nicht passiert." oder "Es war nicht alles schlecht, was damals im Krieg gemacht wurde." Stimmt eigentlich. Wie voll wäre die Erde, wenn nicht immer wieder diese praktischen Kriege die Menschheit etwas dezimieren würde? Jaja, der gute alte Krieg. Warum macht der Schröder so was nicht noch mal? Dann würde der wenigstens die Steuererhöhung wieder wett machen.

Doch nicht alle Rentner denken so. Nur etwa 90%. Die anderen 10 sind eigentlich voll in Ordnung und stehen den ganzen Tag nur am Fenster. Es sei denn es wird Samstag Vormittag.

Dann versammeln sich alle Dorfbewohner, und beginnen mit scharfem Blick die Gosse vor ihrem Haus zu kehren und vergleichen dann stolz ihre saubere Arbeit mit diesem Pfuscher von Nachbarn. Beim kehren gibt es eigentlich nur eine Regel, die in der Regel von allen befolgt werden: man kehrt alles weg, was vom eigenen Grundstück auf die Straße gefallen ist, jedoch nur bis zur Grundstücksgrenze und keinen Zentimeter weiter. Der Dreck nebenan geht niemanden was an, nur der Nachbar, der muss ran.

Doch es gibt noch eine Gruppe von Menschen in einer oder mehreren deutschen Dorfgemeinschaften: die Leute aus der Neubausiedlung. Von allen zu unrecht geächtet und gemieden, leben diese Menschen meist unter sich und bleiben in ihrem Bereich des Dorfes, der von den anderen Dorfbewohnern möglichst gemieden wird. Oft wohnen in den Neubausiedlungen ein oder mehrere Ausländer, die dann prima Sündenbock für den Dorfadel sind. Plötzlich steigt auch die Anzahl der Einbrüche und brutalen Raubüberfälle im Dorf und jedem ist klar, woher die ganzen Mörder und Vergewaltiger kommen. Wenn dann plötzlich der Uwe von nebenan und nicht dieser Chamed aus der Siedlung im Gefängnis landet, weil Robert 17 Kinder im Keller verscharrt hat, ist mal wieder klar, dass der schon immer etwas merkwürdig war und auch nie Samstag Vormittag seine Straße gekehrt hat.

Die deutsche Dorfgemeinschaft hat ihre Probleme, sei es ein oder mehrere Nachbarschaftsstreitigkeiten, der knauserige Opa, der nie grüßt oder Uwe. Doch man hält zusammen und beim nächsten Dämmer-, Früh- oder Zwischendurchschoppen zeigt sich wieder mal, wie ein oder mehrere Bierchen Streitigkeiten vergessen lassen und zusammenführen können und ehe man sich versieht, hat man nach einem oder mehreren Bierchen eine oder mehrere Vaterschaftsklagen am Hals. Wohlmöglich aus der Neubausiedlung. Prost.

Arme deutsche Dorfgemeinschaft! Publizist
Publizist:

Wo bleibt der Dorfadel?? o.T.

 
05.10.01 23:44
#2
Arme deutsche Dorfgemeinschaft! redcrx
redcrx:

Gibt's hier nicht mehr.

 
06.10.01 00:11
#3
Haben alle ihre Telekom Aktien aus der dritten Emissionstranche zu einem Viertel des Wertes wieder verkauft ...
Arme deutsche Dorfgemeinschaft! hjw2
hjw2:

Drum wirds Kindergeld erhöht..*g* o.T.

 
06.10.01 01:59
#4
Arme deutsche Dorfgemeinschaft! hjw2
hjw2:

Wie sichert man sich Wählerpotential......?

 
06.10.01 02:16
#5
in dem das Kindergeld erhöht wird..
Arme deutsche Dorfgemeinschaft! chartgranate

@Publizist

 
#6
Selten einen so erfrischenden Optimisten hier on board gelesen wie Dich....
Wohl Bürgermeister einer 500-Seelen-Gemeinde oder der Dorfpfarrer??Da ist aber so einiges an Wahrheit drin,daß muss man Dir lassen.....scharfes Auge oder irgendwo abkopiert?


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