Superbericht zu SGL CARBON

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Superbericht zu SGL CARBON

 
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www.welt.de/data/2003/01/02/29281.html?search=sgl&searchHILI=1

Hitco baut auf atlantische Strategie
US-Tochter verhilft Wiesbadener SGL Carbon zu lukrativem Rüstungsgeschäft
von Hannelore Crolly

Los Angeles  -  Paul Pendorf nennt die Dinge gern beim Namen, auch wenn dabei Äußerungen herauskommen wie: „1991 bekamen wir ein Problem: Der Frieden brach aus.“ Mit dem Ende des Kalten Krieges, meint der Chef des kalifornischen Rüstungszulieferers Hitco Carbon Composites, sei Amerikas Wehrtechnik in die Bredouille geraten, „weil uns die Feinde ausgegangen sind“. Allein in Kalifornien, einem der wichtigsten Standorte der amerikanischen Rüstungsindustrie, gingen in nur einem Jahrzehnt zwei Drittel der Arbeitsplätze verloren; hatte der militärische Ausrüstungsbereich 1991 noch fast 150 000 Menschen Arbeit und Brot verschafft, sind es jetzt nur noch 47 000.


Doch der 11. September hat alles verändert. Die USA haben ihr Militärbudget um 48 Mrd. Dollar aufgestockt. Allein diese Summe ist das Doppelte des gesamten deutschen Verteidigungshaushalts. Künftig wollen die Amerikaner fast 400 Mrd. Dollar pro Jahr in die Rüstung stecken, also fast vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Ein Krieg gegen den Irak könnte zusätzlich 100 Mrd. Dollar kosten.


Rüstungsfirmen rund um den Globus würden nun gerne von diesem riesigen Budget profitieren. Doch die Chancen, als ausländischer Anbieter an einen Auftrag zu kommen, sind gering. Am ehesten können noch Großkonzerne wie die britische BAE Systems, die fast die Hälfte ihres Umsatzes in den USA macht, oder der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS in den Vereinigten Staaten mithalten. Kleinere Firmen dagegen haben es bei den strengen Sicherheitsauflagen und Geheimhaltungsvorschriften des Militärs schwer. Der Wiesbadener Graphit- und Verbundwerkstoffe-Konzern SGL Carbon hat den Einstieg in das lukrative US-Rüstungsgeschäft dennoch geschafft: über die Tochter Hitco in Los Angeles.


SGL hat Hitco 1997 von einem amerikanischen Finanzinvestor gekauft. „Damals hat Hitco als nun deutsches Unternehmen fast auf einen Schlag alle militärischen Aufträge verloren“, sagt Pendorf. Doch schließlich gelang es, die Top-Sicherheitsklassifizierung der US-Regierung zu bekommen. Für dieses „Special Security Agreement“ (SSA) waren bergeweise Formulare auszufüllen, strenge Kontrollen zu überstehen, Arbeitsabläufe anzupassen und Geheimhaltungseide zu schwören. SGL-Konzernchef Robert Koehler musste vertraglich zusichern, ein unabhängiges Management mit einem firmenfremden Amerikaner als Aufsichtsratschef einzusetzen. Und im Vorstand müssen 60 Prozent der Mitglieder US-Bürger sein.


„Jetzt ist hier die Geheimhaltung so groß, dass ich selbst nicht mehr einfach die Firma besuchen kann“, sagt Jan Verdenhalven. Er ist Geschäftsführer der SGL-Sparte SGL Technologies, zu der Hitco gehört. Außerdem sitzt er bei den Kaliforniern im Aufsichtsrat. Einen Besuch im Werk muss Verdenhalven mindestens zwei Wochen vorher schriftlich beantragen. Und selbst dann gibt es noch Bereiche, die für ihn und SGL-Konzernchef Robert Koehler verschlossen bleiben. Die Eigentümer dürfen manche Mitarbeiter aus bestimmten Abteilungen sogar noch nicht einmal danach fragen, woran sie gerade arbeiten.


„Das ist einer der Gründe, warum sich viele Unternehmen aus dem Ausland so schwer tun“, sagt Pendorf. Die Konzernleitung muss in das Management vor Ort quasi blind vertrauen und manchmal Geschäfte machen, ohne zu wissen, worum es im Detail geht.


Bei Koehler und Pendorf, die sich schon vor Jahrzehnten als junge Ingenieure in England kennen gelernt haben, ist das nach eigenem Bekunden kein Problem. Gemeinsam wollen sie für SGL und Hitco eine „atlantische Strategie“ umsetzen: Die feste Verankerung in beiden Kontinenten soll die Chance erhöhen, beidseits des Atlantiks Geschäfte zu machen. Erfolge gibt es bereits: Nach einem vergeblichen ersten Anlauf hat Hitco gegen Konkurrenten aus Spanien, Österreich, England und Belgien den Zuschlag bekommen, Bauteile für das Seitenleitwerk des A 380 von Airbus zu liefern. „Für Airbus ist Kalifornien weit weg“, meint Pendorf, der selbst Anteilseigner von Hitco ist. „Aber als Tochter eines deutschen Unternehmens mit einem deutschen Konzernchef haben wir jetzt einen wesentlich besseren Zugang zum Markt.“ Nun hofft Hitco auch auf Zuschläge etwa beim Airbus-Militärtransporter A 400 M oder dem Eurofighter.


Das Engagement in der US-Rüstung wiederum ist unter anderem deshalb so einträglich, weil viele Entwicklungs- oder Produktionsaufträge fest vereinbarte Rahmenbedingungen haben. „Die Verteidigungsindustrie garantiert Mengen, Preise und Margen. Wir entscheiden dann, ob sich das für uns rechnet und ob es in unsere langfristige Strategie passt“, sagt Koehler. Eine solch verlässliche Geschäftsbasis wünschen sich Rüstungskonzerne in Europa vergeblich; gerade hat BAE deshalb einen heftigen Streit mit der britischen Regierung vom Zaum gebrochen, weil das Management ähnliche Sicherheiten fordert. Hier zu Lande tragen die Firmen das Risiko, wenn etwa Entwicklungskosten aus dem Ufer laufen.


Mit seinen Bauteilen aus Karbon-Verbundstoffen gehört Hitco zu den wichtigsten Lieferanten von Boeings Militär-Transportflugzeug C 17 Globemaster III, das in Los Angeles hergestellt wird. Hitco fertig für die C 17 ein Rumpfteil und hat dafür gerade eine Qualitätsauszeichnung von Boeing bekommen. Nur noch zwei weitere deutsche Firmen sind an diesem Mammutprojekt beteiligt: der Lampenhersteller Hella und der Koblenzer Aluminiumlieferant Corus.


Die Kalifornier sind außerdem nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von 60 Prozent Weltmarktführer bei Düsen für Raketen wie der Delta, mit der Satelliten ins All befördert werden. Das Unternehmen baut Bugspitzen und Brennzellen für Unterseeboote, liefert Teile für das Spaceshuttle, produziert Hitzeschilder und High-Tech-Bremsen. In der Raumfahrt hat das 1922 von einem britischen Einwanderer gegründete Unternehmen ohnehin eine lange Tradition: Schon in der ersten Mondlandefähre waren Teile aus dem Hitco-Werk eingebaut. Im nichtmilitärischen Bereich werden unter anderem Differenziale für Vierradgetriebe gefertigt, Tragflächenteile für zivile Flugzeuge wie die Boeing 767 oder Bremsen für Flugzeuge und Formel-1-Boliden. Außerdem steigt Hitco in die Produktion von Flügeln für Windkraft-Rotoren ein.


Die Ziele sind ehrgeizig: Bis zum Jahr 2006 soll der Umsatz von derzeit unter 60 Mio. Dollar auf eine halbe Mrd. Dollar steigen. Dafür will sich Pendorf nach günstigen Kaufgelegenheiten umsehen. „Die Wehrtechnik hat die Konsolidierung, wie wir sie in anderen Branchen bereits erlebt haben, noch vor sich.“ Noch gebe es zahllose kleine Firmen, die günstig übernommen werden könnten. Die nötige Akquisitionswährung könnte ein baldiger Börsengang in die Kasse bringen. „Seit dem 11. September hat sich der Wert von Hitco verdoppelt“, sagt Pendorf. „Die günstigen Bedingungen gilt es zu nutzen.“






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