FTSE schafft neue Umweltindizes

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FTSE schafft neue Umweltindizes Peet

FTSE schafft neue Umweltindizes

 
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Donnerstag, 2. August 2001
Sozial und ökologisch korrekt
FTSE schafft neue Umweltindizes  


Gutes tun und Geld verdienen - neue Indizes der Londoner Firma FTSE International sollen das möglich machen. Die weltweit zweitgrößte Index-Gesellschaft legt neue Aktienindizes auf, in denen nur Unternehmen enthalten sind, die umweltbewusst und sozialverträglich arbeiten.

Die Idee der ethisch-ökologischen Investition ist nicht neu. Bereits seit Jahren erfreuen sich so genannte Umweltaktien steigender Beliebtheit. In Deutschland bot die Bochumer GLS Gemeinschaftsbank bereits vor 25 Jahren umweltfreundliche Aktien an. Doch schien die Zeit damals für diese Art von Investment noch nicht reif gewesen zu sein, erst seit etwa zehn Jahren ist der grüne Markt richtig in Schwung gekommen.

Angesichts der steigenden Zahl der Umweltaktien wurde 1997 der Naturaktienindex Nax aufgelegt, 1999 folgte die US-Firma Dow Jones mit ihrem Dow Jones Sustainability Group World Index (DJSGI). Mit den FTSE4Good Indizes kommt nun eine neue Index-Familie auf den Markt. Die neuen Indizes sollen nach Angaben von FTSE die wachsende Nachfrage nach sozial verantwortlichen Vermögensanlagen befriedigen.

Die Dow Jones Sustainability Group begrüßte den neuen Wettbewerber auf dem Markt. "Wir freuen uns sehr, dass FTSE jetzt auch in diesem Markt einsteigt", erklärte Alexander Barkawi, Managing Director der Dow Jones Sustainability Group Index GmbH. Das nun auch die Londoner solche Indizes auflegen, zeige, wie sehr sich das Thema Umweltaktien in Richtung Mainstream verändert hat, so Barkawi. Dies sei auch eine Bestätigung dafür, das sich die DJSG auf dem richtigen Weg befindet.

Tabakkonzerne und Atomkraftwerke bleiben draußen

Bevor ein Unternehmen in den Index aufgenommen wird, wird nicht nur das ökologische Bewusstsein untersucht, auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter werden unter die Lupe genommen. Tabakkonzerne, Waffenproduzenten sowie Besitzer oder Betreiber von Atomkraftwerken haben keine Chance in die Indizes aufgenommen zu werden. Doch auch die anderen Anwärter müssen noch eine Vielzahl von Auflagen erfüllen, die unter anderem der Universal Declaration of Human Rights entnommen wurden.

Die neuen ethisch-ökologischen Indizes werden jedoch mit Misstrauen begutachtet. Kritikern erscheint die Eingrenzung nicht scharf genug. Besonders die Aufnahme von Ölkonzernen wie BP und Royal Dutch/Shell ist vielen ein Dorn im Auge. Auch die meisten deutschen Unternehmen, die den Aufstieg in den Index geschafft haben, wie BMW, BASF, Henkel oder Bayer gelten nicht gerade als Synonym für Umweltfreundlichkeit. Der Kauf von Umweltaktien diene lediglich der Beruhigung des schlechten Gewissens, heißt es.

Jedoch werden mit den Auswahlkriterien andere Ziele verfolgt, als nur die Firmen herauszusuchen, die reine Umwelt-Produkte herstellen oder Umwelt-Dienstleistungen anbieten. Bei den Indizes werde der sogenannte "best of class"-Ansatz angewandt, erklärt Senior Analyst Matthias Bönning von Oekom Research. Zunächst werde die ganze Branche betrachtet, um dann das Unternehmen herauszupicken, das sich besonders in Sachen Umwelt- und Sozialbewusstsein hervorgetan hat.

Dahinter verstecke sich eine ganz einfache Idee, so Bönning weiter. Wenn beispielsweise ein Konzern wie DaimlerChrysler seine Emission um nur drei oder vier Prozent verringern würde, um die Aufnahmekriterien zu erfüllen, dann habe das weltweit gesehen eine stärkere Auswirkung, als den nächsten Windenergieproduzenten oder den neuen Ökobauer zu unterstützen. Die Hebelwirkung sei einfach größer. Zudem sei der Markt für reine dunkelgrüne Aktien so eng, das man einen großvolumigen Fonds gar nicht auflegen könnte.  

Doch was bietet der FTSE-Index, was die anderen nicht bieten? Der größte Unterschied zum Dow Jones Sustainability Index sei die rudimentärere Art der Selektion, erklärt Barkawi. Um in den FTSE4Good-Indizes aufgenommen zu werden, müssten die Unternehmen Mindeststandards erfüllen. Beim DJSI würden dagegen nur die Besten in die Indizes aufgenommen. Neu sei der ethische Ansatz bei FTSE. Dieser würde bei den DJSI nicht gesondert geprüft, so der Managing Director weiter. Man gehe davon aus, dass bei Firmen, die gut in Sustainability ( to sustain - erhalten) sind, auch ein gutes Management vorhanden ist.

Allianz und Deutsche Bank sind auch mit dabei

Die neue Index-Reihe deckt die Märkte Großbritannien, Europa, USA und den Weltmarkt ab. Jeder dieser Märkte erhält einen handelbaren und einen Benchmark-Index. Am 31. Juli 2001 gingen die vier handelbaren Indizes FTSE4Good UK 50, FTSE4Good Europe 50, FTSE4Good US 100 und der FTSE4Good Global 100 an den Start. Von den Benchmark-Indizes wurden zunächst nur der FTSE4Good UK Index und der FTSE4Good Europe Index aufgelegt. Die Börsenbarometer, die die US- und Weltmärkte abdecken, sollen später folgen.

Deutsche Unternehmen sind in dem neuen Börsenbarometern überdurchschnittlich stark vertreten. In den FTSE4Good Europe 50-Index, in dem die 50 nach ihrer Marktkapitalisierung größten Aktienwerten enthalten sind, wurden neun Konzerne aufgenommen, unter anderem die Allianz, Deutsche Telekom und Deutsche Bank. Von 39 untersuchten Unternehmen haben 17 den Einzug in den europäischen Benchmark-Index FTSE4Good Europe geschafft.

Mit den neuen FTSE-Indizes erhält der Markt für Umweltaktien weiteren Auftrieb. Und was das schlechte Gewissen angeht: Die Lizenzeinnahmen aus den Indizes will FTSE dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, spenden. Allein im ersten Jahr sollen so eine Million US-Dollar zusammenkommen.  

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