DAX: bremst der Pessimismus den Bären?
Welcome back to THE BEARS BATTLEFIELD!
Die Märkte haben ihre Hochs gesehen, doch so recht glauben mögen es die wenigsten. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Marktstimmung in Deutschland spiegelverkehrt zur Stimmung in der USA ist. Während die Zahlen von Investors Intelligence überschwänglichen Optimismus reflektieren, scheint hierzulande der Pessimismus zu dominieren.
Die Sentimentdivergenz zwischen USA und Deutschland
Die gestrigen Zahlen von Investors Intelligence...
...signalisieren eine klare Topbildung in den US-Indices. Die Bullenquote ist auf 56 % angestiegen, während die Bären auf 20,8 % gefallen ist. Dadurch ist die Differenz zwischen Bullen und Bären auf sagenhafte 35,2 % angestiegen und seit dem ich am Markt tätig bin, sehe ich eine derart große Differenz zum ersten Mal! Für gewöhnlich bildet der Markt seine Tops, wenn die Differenz über 29 steigt, da sich eine Reihe institutioneller Investoren reflexartig von Beständen löst, wenn der Optimismus überhand nimmt.
Die Stimmungsindikatoren der DEUTSCHEN BÖRSE...
...sprechen jedoch eine ganz andere Sprache! Die Bullenquote im DAX ist auf 34 % gefallen und die Bären sind auf 41 % angestiegen. Somit haben wir mehr Bären als Bullen am Markt und das ist ein kompletter Widerspruch zu dem, was wir in der USA sehen. Das Sentiment in Deutschland spricht praktisch dafür, dass wir uns in der Nähe eines Bodens befinden und in der USA sehen wir ein klares Top!
Wie lösen wir das Rätsel?
Nun, ich denke, dass das Sentiment in Deutschland zu vernachlässigen ist. Wären wir ein isolierter Markt, der zu 100 % von Innen kapitalisiert wäret, könnten wir durchaus annehmen, dass wir uns an einem Tief befinden. Leider ist es jedoch ganz anders, denn der deutsche Markt wird von ausländischen Hedgefonds dominiert, die in unserem BETAMONSTER, dem Dax, einen supervolatilen Spielgefährten gefunden haben. Demzufolge halte ich die Zahlen von Investors Intelligence für aussagekräftiger und denke, dass die Zahlen der deutschen Börse zu vernachlässigen sind!
Microsoft, ein Wegweiser?
Aus meiner Studie "Anatomie eines Bärenmarktes",
die ich in wenigen Wochen als Serie hier auf W/O veröffentlichen werde, geht hervor, dass wir im Rahmen von TOPPING OUT Veranstaltungen stets Aktien sehen, die gewisse Vorläuferfunktionen einnehmen. Während die Indizes noch im Bereich ihrer kurz- bis mittelfristigen Hochs notieren, nähert sich so manche Aktie ihren mittelfristigen Tiefs an. Besonders wenn es sich um Indexschwergewichte handelt ist dieses Zeichen enorm verlässlich, was die mittelfristige Bildung frischer Tiefs betrifft.
Im Moment sehe ich Microsoft als solches Zeichen an...
...und in diesem Fall handelt es sich wohl um ein echtes Indexschwergewicht. Betrachten wir zunächst den COMPX, sehen wir, dass er bei 1550 ein Hoch gebildet hat und derzeit bei 1490 steht. Er notiert praktisch 3,9 % unter seinem jüngsten Hoch, 35 % über seinem Tief im Oktober 2002 und 19 % über seinem Tief im März dieses Jahres. Microsofts jüngstes Hoch liegt bei 26,87 und aktuell steht sie bei 24. Somit ist sie schon 10 % von ihrem jüngsten Hoch entfernt.
Wesentlich interessanter ist jedoch,
dass sie sich nur 11,6 % (COMPX 35 %) von ihrem Tief im Oktober 2002 und nur 6,2 % (COMPX 19 %) von ihrem Tief im März entfernt ist. Der COMPX hat im Dezember 2002 ein Hoch bei 1529 gebildet und dieses Hoch ist im Rahmen des jüngsten Tops bei 1550 übertroffen worden. Microsoft hat im Dezember ein Hoch bei 29,50 gebildet und das jüngste Hoch lag bei 26,90. Somit hat Microsoft das höhere Hoch im COMPX nicht bestätigt und hinterlässt uns mit einer negativen Divergenz!
Eine harte Schlussfolgerung!
Microsoft ist ein klares Zeichen dafür,
dass dieser Bärenmarkt weit von einem Ende entfernt ist. Sicherlich liegt es in der Natur der Sache, dass solche Zeichen von der Majorität der Marktteilnehmer ignoriert werden. Was sind schon Risse in der Fassade, wenn die Goldmänner, Merill Lynch, Morgan Stanley, JP Morgen und wie Sie alle heißen, den Bären zu Grabe getragen und den neuen Bullenmarkt ausgerufen haben? Schließlich müssen die es wissen, denn da sitzen immerhin die höchstbezahltesten Köpfe der Finanzindustrie.
Leider muss ich erneut feststellen,
die meisten dieser teuren Köpfe in jeder Bärenmarktrallye die selbe Geige spielen und während man offenkundig verbreitet, dass der Bär tot seit, stehen Portfoliomanager des gleichen Instituts auf der Verkäuferseite. Die Schäfchen werden immer wieder vorgeführt und das Faszinierende ist, dass sie immer wieder auf den selben Trick reinfallen. Zu was das am Ende führen wird ist natürlich abzuwarten, doch langfristig schadet es dem Ansehen der Finanzindustrie, wobei natürlich fraglich ist, ob sich nach den ersten 12 Monaten Bullenmarkt noch jemand an die Sauerei erinnern kann.
Ich bin der festen Überzeugung,
dass wir noch im laufenden Jahr neue Tiefs in den Indizes sehen werden und natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass ich mit dieser Ansicht nicht die Meinung des MAINSTREAMS reflektiere. Andererseits dürfen wir uns durch dieses große Bild nicht blenden lassen, denn die Reise nach unten wird sich aus Rückgängen und Rallyes zusammensetzen. Im Moment sollte man sich darauf konzentrieren, wo die nächste Rallye liegt und im Zuge dessen werde ich versuchen, etwas vom Tisch zu nehmen, was meine Shorts betrifft.
Das kurzfristige Bild
Derzeit steht für mich die 30-Tage-Linie im COMPX...
...im Fokus, welche momentan bei 1467 verläuft. Somit ist der COMPX noch 1,5 % von seiner wichtigen Linie entfernt. Bei 1430 liegt dann schon eine starke Unterstützung, die praktisch 2,5 % unter dem 30-Tage-Durchschnitt liegt. Bei 1360 liegt dann schon die Aufwärtstrendlinie, bzw. die untere Begrenzung der bärischen Wedge im COMPX, welche knapp 9 % vom heutigen Niveau entfernt ist. Im Zuge dieser Konstellation sehe ich folgende Szenario als wahrscheinlich an.
Ich denke,
dass wir erst eine deutliche Erholung sehen könnten, wenn die bärische Wedge nach unten durchbrochen worden ist. Bis wir aus der Wedge ausgebrochen sind, sollten wir meines Erachtens nur Erholungen sehen, die wenige Tage andauern werden. Eine solche Erholung ist sicherlich zu erwarten, wenn wir den 30-Tage-Durchschnitt bei 1466 nach unten durchbrechen werden. Meist taucht der Markt 1-3 % unter den Durchschnitt, um den Durchbruch anschließend im Form eines Versagens am Durchschnitt zu bestätigen (siehe Dax die letzten Tage).
Besonders die Tatsache,
dass wir heute mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine negative Divergenz im Sentiment kassieren werden, spricht für einen baldigen Ausbruch aus der bärischen Wedge im COMPX. Die Wedge definiert sich im übrigen durch das Hoch im Dezember und das Hoch vor wenigen Tagen, so wie den Tiefs im Oktober 2002 und im März dieses Jahres. Ich sehe eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir zunächst die Wedge nach unten durchbrechen werden, bevor wir die nächste Rallye sehen, welche länger als 5 Tage dauern könnte! Dementsprechend werde ich mich positionieren.
Der heutige Tag
Nachdem das Put/Call Ratio...
...gestern bei 0,91 geschlossen hat, braucht der Markt eine Zeit der Erholung, damit sich das Ratio wieder abbauen kann. Aus superkurzfristiger Sicht sollte man also eine weiter Gelegenheit bekommen, um sich auf der kurzen Seite zu positionieren. Die Futures deuten eine freundliche Eröffnung im Amerika an und sollte sich der Markt für die ersten 30-60 Minuten oben halten können, dürfte das Put/Call Ratio deutlich in den Keller gehen. An dieser Stelle sollte der Aufbau von kurzfristigen Short Sinn machen.
Angenommen das Ratio bleibt hoch,
könnten wir heute einen freundlicheren Tag sehen, der sich bis in den morgigen Tag hineinziehen dürfte. Andererseits muss man klar feststellen, dass der Markt gestern schon die Gelegenheit hatte aufgrund des hohen Ratio zuzulegen. Dass hohe Ratio hat ihn jedoch lediglich gehindert, deutlich in den Keller zu gehen. Für einen wirklich starken Tag hat sich der Markt offensichtlich nicht entscheiden können.
Besonders die Tatsache,
dass der Markt immer noch auf BuyOnDips programmiert zu sein scheint, spricht für ein gehöriges Enttäuschungspotential. Wenn die BuyOnDipsGilde erst mal begreift, dass das Steuer von der SellTheRallyGilde übernommen worden ist, setzt sich schlagartig deutliches Abwärtsmomentum frei. Sicherlich ist es eine Spekulation, wenn man davon ausgeht, dass sich die Psychologie unter dem Mantel des Optimismus bereits zu Gunsten der Bären gewendet hat. Betrachte ich jedoch das Gesamtbild, komme ich auf die Schlussfolgerung, dass sich die Gezeiten gedreht haben!
SellTheRallye sollte also das Credo der kommenden 1-2 Wochen lauten!
Bis morgen!
Beste Grüße vom Gesellen
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