16.05.2001
Lycos Europe spekulative Kurschance
Aktienservice Research
Dem spekulativ ausgerichteten Investor empfehlen derzeit die Analysten von Aktienservice Research die Aktien von Lycos Europe (WKN
932728).
Lycos Europe weise im dritten Quartal einen Umsatz von 41,6 Millionen Euro aus. In den ersten neun Monaten habe das Unternehmen einen Umsatz von 98,7 Millionen Euro erzielt (Anstieg um 300 Prozent oder +188 Prozent bereinigt um die Übernahmen von Spray Network und MultiMania). Das EBITDA habe sich ebenfalls deutlich auf -45,4 Millionen Euro verbessert. Dies bedeute trotz der erstmaligen Einbeziehung von MultiMania eine Verringerung des EBITDA-Verlustes gegenüber dem Vorquartal (-87,5 Millionen Euro) um 48 Prozent. Dies resultiere vor allem aus einem Rückgang der Verwaltungskosten, der unter anderem durch den Abbau von Managementkapazitäten erzielt worden sei, und einer Reduzierung der Marketingaufwendungen nach dem Erreichen einer hohen Markenbekanntheit in Europa.
Ende März 2001 habe Lycos Europe über liquide Mittel in Höhe von 427,5 Millionen Euro verfügt, verglichen zu 450 Millionen Euro im Vorquartal. Mit 16 Millionen Nutzern sei das Lycos-Europe-Network das größte seiner Art in Europa (Quelle: Nielsen European Domain Reichweitenmessung ohne Dot.com Domains, März 2001). Auch qua Zahl der Seitenabrufe (2,4 Milliarden Seitenabrufe pro Monat) sei Lycos Europe das größte Portal in Europa. Im Vergleich zum letzten Quartal sei die Zahl der Seitenabrufe dabei um 63 Prozent gestiegen. Nach einem Kursverfall von über 90 Prozent seit Erstnotiz stelle sich dem antizyklischen und risikobereiten Investor die Frage, inwiefern einem langfristigen Engagement auf dem deutlich ermäßigten Kursniveau Erfolg beschieden sein könnte.
Die zum Börsengang kommunizierten Wachstumspläne seien eingehalten worden und auch die bisherigen Verluste würden im Rahmen der zum IPO ausgegebenen Planung liegen. Was sich seit dem IPO jedoch geändert habe, sei das Marktsentiment, wobei unrentable Internetunternehmen am stärksten unter Druck geraten seien. Im Gegensatz zu vielen anderen Internet-Unternehmen am Neuen Markt habe Lycos Europe bisher jedoch Wort gehalten, seit IPO ein immenses Wachstum vorgelegt und bei der Internationalisierung wie angekündigt deutliche Erfolge verbucht. Sicherlich leide das Unternehmen derzeit auch unter dem langsameren Wachstum im Bereich Access und des Online-Werbemarktes. Langfristig sei dies jedoch ein nach wie vor prosperierender Markt, in dem sich Lycos Europe umfassend und diversifiziert positioniert habe. Vor diesem Hintergrund bleibe die Kernfrage, ob das Unternehmen den Breakeven noch vor dem Kapitalverzehr erreichen könne.
Die sequentielle Reduzierung des Quartalsumsatzes um 48 Prozent dokumentiere, dass das Unternehmen wohl in der Lage sei, mit den bereits hohen Skaleneffekten die Kosteneffizienz deutlich zu steigern. Darüber hinaus sehe Aktienservice Research Lycos Europe mit den starken Partnern Bertelsmann und Lycos gut positioniert, finanzielle Hilfen sollten, falls notwendig, kein Problem darstellen. Darüber hinaus verfüge man mit über 420 Millionen Euro liquiden Kapitals über ein komfortables Finanzpolster. Sollte das Internet die nächsten fünf Jahre in Europa überleben – wovon Aktienservice Research zweifellos ausgehe – sollte auch eine Lycos Europe langfristig zu den Big Playern gehören, die gestärkt aus der aktuellen Marktbereinigungsphase hervorgehen würden. Das mit einem Lycos Europe-Investment einhergehende Risiko mit Wagniskapitalcharakter dürfe dabei jedoch nicht unberücksichtigt bleiben.