Irakkrise von langer Hand vorbereitet...

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Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Dr.UdoBroemme
Dr.UdoBroem.:

Irakkrise von langer Hand vorbereitet...

 
21.09.02 23:57
#1
Es ging den USA nie um die Wiederaufnahme der Kontrollen - stattdessen Schikanen, die nur ein Ziel hatten, Sadam Hussein zu stürzen.

Dazu ein Artikel vom Juli 2002

In Wien finden Gespräche zwischen dem Irak und den Vereinten Nationen statt. Kofi Annan schaltet sich persönlich ein


      Von Karin Leukefeld

Am 4. Juli 2002 beginnt in Wien die dritte Gesprächsrunde zwischen der UNO und Irak über die Rückkehr der  Waffeninspektoren und das Sanktionsregime. Bereits am 7.  zusammengekommen. Wien wurde als Tagungsort gewählt, weil die USA einigen irakischen Teilnehmern die Einreise nach New York, den Hauptsitz der Vereinten Nationen, verweigern. Doch Wien ist auch Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Zusammen mit UNMOVIC, der neu gebildeten UNO-Kontrollkommission zur Überwachung der gegen Irak verhängten Abrüstungsauflagen im Bereich Massenvernichtungswaffen und Raketen, prüft die IAEA Lieferungen im Rahmen des Programms "Öl für Nahrungsmittel" auf deren mögliche militärische Nutzung hin. Danach geht es weiter wie gehabt: Das Sanktionskomitee 661 beim UNO-Sicherheitsrat gibt die formale Zustimmung oder auch nicht, die Aufträge werden noch diverse Male hin und her geschickt, bis schließlich die UNO das irakische Ölgeld vom Sperrkonto freigibt. Das Büro für das Irakprogramm (OIP) erklärte kürzlich, dass 2.152 Verträge im Wert von 5,3 Milliarden US-Dollar auf der Stoppliste des Sanktionskomitees stünden. Davon seien 1.474 Verträge im Wert von 4,5 Milliarden US-Dollar für humanitäre Güter, der Rest betreffe Ersatzteile und Material für die Ölindustrie. Für die lange Stoppliste sind die USA und Großbritannien verantwortlich.

Kritiker des neuen Sanktionsregimes wie der ehemalige Leiter des Humanitären UNO-Programms in Irak, Hans Graf von Sponeck befürchten, dass sich an deren Verzögerungsstrategie auch zukünftig nichts ändern wird. Die beiden Staaten entscheiden praktisch allein im Komitee 661. Die Vertreter der zehn wechselnden Mitglieder im Sicherheitsrat sind frustriert. Manche, so heißt es, gingen zu den Sitzungen gar nicht mehr hin. Selbst Frankreich als ständiges Mitglied im Sicherheitsrat scheint isoliert. Das zeigte sich vor wenigen Tagen, als die Diskussion über den französischen Vorschlag zur Lösung der umstrittenen Ölpreispolitik erst einmal vertagt wurde.

Im Oktober setzten die USA und Großbritannien durch, dass der Preis für irakisches Öl vom Sanktionskomitee im Nachhinein festgelegt werden solle. Das verunsichert die Käufer und hat zu einem dramatischen Exportrückgang geführt. Der Irak soll so gezwungen werden, eine Gebühr von 50 Cent pro Barrel Öl zurückzunehmen, die von den Käufern bisher direkt an Irak gezahlt wurden. Die UNO-Sanktionen untersagen es dem Land jedoch, Geld direkt einzunehmen.

Auf seiten der Vereinten Nationen sind neben Generalsekretär Kofi Annan der Leiter der IAEA, Mohammed El Baradei, sowie Hans Blix, Leiter von UNMOVIC, vertreten. Auch Rechtsberater Hans Corell und Botschafter Yuli Vorontsov gehören zur UN-Delegation. Vorontsov befaßt sich mit den Forderungen von Kuwait an den Irak. Seine Teilnahme könnte bedeuten, daß über die Rückkehr von kuwaitischen Kriegsgefangenen aus dem Irak sowie die Rückgabe des kuwaitischen Nationalarchivs gesprochen wird. Irak hat sich in beiden Fragen verhandlungsbereit gezeigt. Wer neben Außenminister Naji Sabri und dem UN-Botschafter Mohammad Al-Douri auf irakischer Seite teilnehmen wird, war im Vorfeld nicht bekannt.
Die Beziehungen zwischen Irak und der UNO sind angespannt. Generalsekretär Kofi Annan hat deutlich gemacht, dass es ohne eine Rückkehr der UNO-Waffenkontrolleure nach Irak kein Weiterkommen in der Sanktionsfrage gibt. Eine Vereinbarung über die Kontrolle irakischer Militäranlagen sei nicht ausgeschlossen, so der Beauftragte Iraks in Moskau, Dr. Ahmad Jawad, gegenüber Itar-Tass. Und sei es nur, "um die Behauptung der Amerikaner, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen, Lügen zu strafen". Grundlage müsse jedoch internationales Recht sein und nicht die "Begehrlichkeiten einzelner Staaten". Die Waffeninspektoren, die bereits Hunderte von Einrichtungen im Irak untersuchten, hatten im Dezember 1998 den Irak überstürzt verlassen. Im Anschluß begannen die USA und Großbritannien mit viertägigen Luftangriffen auf Bagdad. Seitdem verweigert der Irak ihnen die Wiedereinreise. Irak weigert sich bisher, Waffenkontrolleure wieder ins Land zu lassen. Nach deren Abzug 1998 war bekannt geworden, dass eine Reihe dieser "Kontrolleure" erwiesenermaßen für die USA und Israel spioniert hatten. In Bagdad will man nun eine Garantie, daß sich in neuen Inspektorenteams keine Spione befinden. Offenbar seien die hochqualifizierten Inspektoren gar nicht befugt gewesen, einen positiven Abschlußbericht zu verfassen, vermutet der frühere irakische Botschafter in Bonn, Dr. Al-Hashimi.

Der Irak will sich bei den Wiener Gesprächen nicht auf den vorgegebenen Komplex beschränken. Das betonte UN-Botschafter Al-Douri, der Journalisten in New York drei weitere Themen nannte: die sofortige Aufhebung der Sanktionen und der "Flugverbotszonen" im Nord- und Südirak sowie die Schaffung einer atomwaffenfreien Zone im Mittleren Osten. Die einzig bekannte Atommacht in der arabischen Region ist Israel. Außerdem erwarte Bagdad Antworten auf einen Fragenkatalog, der im März Kofi Annan überreicht wurde, so Al-Douri. Unter  anderem sollen sich die Vereinten Nationen zu den US-Drohungen gegen den irakischen Präsidenten Saddam Hussein äußern. Kofi Annan ist vom Sicherheitsrat allerdings nicht autorisiert, über diese Fragen mit der irakischen Delegation zu verhandeln. Der Fragenkatalog sei an den Sicherheitsrat weiter geleitet worden, hieß es, doch gebe es bisher noch keine Antwort.

Für Irak sind die "Flugverbotszonen" im Norden und Süden des Landes ein Bruch internationalen Rechts. In einem Schreiben an die UN, das auch der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zuging, kritisierte der irakische Außenminister vor wenigen Tagen in scharfen Worten die "Flugverbotszonen". Überflüge von Kampfjets hätten erheblich zugenommen und seien ein "klarer Ausdruck permanenten staatlichen Terrorismus". Seit 1991 kontrollieren USA- und britische Jets weite Teile des irakischen Luftraums. Eine UNO-Resolution dafür gibt es  nicht. Seit die Iraker vor drei Jahren begannen, die Jets mit Radar zu erfassen und gelegentlich auch Luftabwehr einzusetzen, kommt es häufig zu Bombardierungen. Irakischen Angaben zufolge wurden bei solchen Angriffen  bisher 1.481 Menschen getötet und 1.376 verwundet.

In Wien wird Irak versuchen, die Zulassung von Waffenkontrolleuren mit der Zusage zu einem konkreten Ende der Sanktionen zu verknüpfen. Der Irak, so sein Außenminister, werde weiterhin sein "legitimes Recht auf  Selbstverteidigung" in Anspruch nehmen. Dennoch hofft Sabri auf eine umfassende Vereinbarung bei den Wiener Gesprächen. Allerdings müsse diese mit der "vollständigen und bestimmten Aufhebung des unmoralischen und kriminellen Embargos" beginnen, sagte er. "Teillösungen" werde man nicht akzeptieren.

Um Waffenkontrolle aber geht es nicht wirklich. Auf den Fluren im New Yorker UNO-Hauptquartier ist es ein offenes Geheimnis, dass die USA und Großbritannien so lange an den Sanktionen festhalten, so lange Saddam Hussein irakischer Präsident ist. Am 15. Oktober werden die Iraker in einem Referendum darüber abstimmen, ob Saddam Hussein weitere sieben Jahre im Amt bleiben soll. Beim ersten Referendum dieser Art 1995 hatten  offiziellen Angaben zufolge 99,96 Prozent für Hussein gestimmt.

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Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Elan
Elan:

sehe ich auch so

 
22.09.02 00:15
#2
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Antichrist
Antichrist:

Wenn Du mich fragst...

 
22.09.02 00:16
#3
Ich bin der Meinung, dass bereits während des ersten Golfkrieges (Iran/Irak) bewusst der Grundstein für die jetzige Situation gelegt wurde.

Das der Irak im Vorfeld zum zweiten Golfkrieg Kuwait überfallen hat, war sicherlich eine Tatsache, die die jetzige Entwicklung begünstigt und wahrscheinlich auch beschleunigt hat.
Allerdings war der Überfall auf Kuwait auch eine direkte Folge, die durch die Ereignisse des ersten Golfkrieges erst möglich gemacht und nach meiner Meinung bewusst in Kauf genommen wurde.

Wer sich mit den Beziehungen der damaligen Supermächte USA und UDSSR (die sich damals mitten im 'kalten Krieg' befanden) zu den Konfliktparteien in Bagdad und Teheran befasst hat, wird verstehen was ich meine.

Die USA haben hier ein Paradebeispiel dafür abgelegt, wie man bestehendes Konfliktpotential zu seinem eigenen Vorteil manipuliert und benutzt.
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Elan
Elan:

mit einem Wort definiert: Illuminati

 
22.09.02 00:18
#4
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Dr.UdoBroemme
Dr.UdoBroem.:

Genau...

 
22.09.02 00:20
#5
Auffällig auch, wie der Irak auf diplomatischen Wege direkt von den USA ermuntert wurde Kuwait zu überfallen.
Irak, zu der Zeiz einer der wichtigsten Verbündeten der USA in der Region(trotz Giftgaseinsatzes gegen die Kurden und anderer Menschenrechtsverletzungen)wurde durch die Blume beschieden, dass die USA nicht eingreifen würden und Hussein ist in die Falle getappt...

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Irakkrise von langer Hand vorbereitet... josua1123
josua1123:

Alles endet

 
22.09.02 00:22
#6
wie immer in einer Verschwöhrungstheorie

jo.
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Antichrist
Antichrist:

Keine Verschwörungstheorie

 
22.09.02 00:29
#7
Nur die Feststellung, dass die USA ganz offenbar eine wunderbare Weitsicht besitzen, wenn es darum geht, langfristige Ziele zu erreichen.
Allerdings muss man auch bedenken, dass sie dank ihrer militärischen Präsenz und wirtschaftlichen Macht eine ausserordentliche Flexibilität besitzen wenn es darum geht, auf nicht unbedingt vorhersehbare Wendungen zu reagieren und diese zu ihren Gunsten zu wandeln.

Mit anderen Worten: bist Du kein Ami, bist Du am Arsch !
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... mod
mod:

Kleine geschichtliche Ergänzung

 
22.09.02 00:32
#8
1990 UN-Sicherheitsrat stellt Irak Ultimatum

Als Reaktion auf den Einmarsch irakischer Soldaten in Kuwait am 2. August 1990 stellt der UN-Sicherheitsrat mit Resolution 678 dem irakischen Diktator Saddam Hussein ein Ultimatum: Alle irakischen Verbände müssen sich bis zum 15. Januar 1991 aus dem kleinen Scheichtum zurückgezogen haben, andernfalls drohen militärische Aktionen. Hussein zeigt sich zunächst jedoch wenig beeinduckt.

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Irakkrise von langer Hand vorbereitet... mod
mod:

darauf

 
22.09.02 00:34
#9
Ereignisse am 15. Januar 1991:

1991 Irak läßt UN-Ultimatum verstreichen

Trotz des Ultimatums des UN-Sicherheitsrats vom 29. November 1990 hat der Irak seine Truppen nicht aus dem benachbarten Kuwait zurückgezogen. Während in den benachbarten Regionen über 700.000 Soldaten verschiedener Nationen unter der Führung der USA aufmarschieren, bereitet sich die irakische Armee laut Hussein auf die "Mutter aller Kriege" vor. Am 17. Januar 1991 beginnen die Alliierten mit Luftangriffen auf irakische Stellungen.

Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Dr.UdoBroemme
Dr.UdoBroem.:

Ein etwas längeres Interview mit Noam Chomsky zum

 
22.09.02 00:36
#10
Thema...

"Diese Aktion ist der Ruf nach einer gesetzlosen Welt, in der die Mächtigen das Sagen haben"

Interview der indischen Zeitschrift Frontline (Nr. 1/99) mit Noam Chomsky über die Bombardierung des Irak im Dezember
1998

Noam Chomsky, Institutsprofessor am Massachusetts Institute of Technology, ist der Begründer der modernen Linguistik und
eine der bedeutendsten wissenschaftlichen und intellektuellen Figuren der Nachkriegszeit. Er ist zugleich der vielleicht radikalste
Kritiker der Außenpolitik der Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg und hat seine furchtlose Kritik immer mit
detaillierter Analyse und Dokumentation untermauert.

In diesem Telefoninterview, das er V. K. Ramachandran von seinem Wohnort in Massachusetts aus gegeben hat, spricht
Chomsky detailliert über den bewaffneten Angriff der Vereinigten Staaten und Großbritanniens auf den Irak und über die
strategischen Hintergründe der US-Politik gegenüber dem Irak. Er bezeichnet das Bombardement des Irak als
Kriegsverbrechen:

Auszüge aus dem Interview:

Frontline: Die vereinigten Staaten haben behauptet, sie hätten den Irak bombardiert, weil dieser Waffen der
Massenzerstörung produziere, eine besondere Bedrohung seiner Nachbarn und der Welt, besonders deren führender
Macht darstelle und sich geweigert habe, mit der UNSCOM zusammenzuarbeiten. Könnten sie einen Kommentar zu
den für diese neueste Militäraktion der USA vorgebrachten Rechtfertigungen und zur der Frage des legalen
Charakters dieser Aktion abgeben?

Noam Chomsky: Auch ich bin der Meinung, daß Saddam Hussein eine große Gefahr für jeden ist, der sich innerhalb seiner

Reichweite befindet, genau wie er es schon in den achtziger Jahren war, als er seine schlimmsten Verbrechen beging. Schon die
elementarsten logischen Erwägungen zeigen jedoch, daß dies nicht der Grund sein kann, weshalb die USA und Großbritannien
sich gegen ihn stark machen. Seine früheren Kriegsverbrechen wurden mit der massiven Unterstützung der Vereinigten Staaten
und Großbritanniens begangen, sogar noch nach der Invasion Kuwaits. So gingen die Vereinigten Staaten im März 1991 sofort
zur direkten Unterstützung Saddam Husseins über, als er einen Aufstand im Süden des Irak, der seine Herrschaft hätte stürzen
können, unterdrückte.

Was seine Waffen der Massenzerstörung betrifft, so ist diese Gefahr zwar durchaus real, aber der Irak ist keineswegs das
einzige Land, das solche Waffen besitzt. Man muß in gleich welcher Richtung nicht weit über den Irak hinausschauen, um
weitere Beispiele solcher Länder zu finden, und am allergefährlichsten in dieser Hinsicht sind natürlich die Großmächte. Aber
selbst wenn wir unser Augenmerk nur auf den Irak richten, kann das jüngste Bombardement nichts mit der Beschränkung der
Produktion von Waffen der Massenzerstörung zu tun haben, denn Tatsache ist schließlich, daß das Bombardement sehr
wahrscheinlich zur Förderung dieser Programme beitragen wird. Die einzige Beschränkung, die bisher existierte und darüber
hinaus sehr wirksam war, war die regelmäßige Inspektion der UNSCOM. Die irakischen Nuklearwaffenprogramme sind allem
Anschein nach durch diese Inspektionen auf Null oder zumindest auf ein sehr geringes Maß reduziert worden. Zweifellos sind
die UNSCOM-Inpektoren bei ihrer Tätigkeit behindert worden, aber dennoch haben sie die Kapazitäten des Irak zur
Waffenproduktion stark eingeschränkt und eine große Anzahl von Waffen zerstört. Jetzt wird allgemein, im übrigen auch von
den USA, davon ausgegangen, daß die Arbeit der UNSCOM als Folge des Bombardements entweder beendet oder sehr
stark geschwächt wird. Das kann also nicht der Grund für das Bombardement gewesen sein.

Obwohl auch ich der Meinung bin, daß Saddam Hussein eine ernste Bedrohung für den Frieden bleibt, muß gesagt werden daß
es schließlich schon ein Verfahren für den Umgang mit dieser Frage gibt, ein Verfahren, das durch das internationale Recht
etabliert worden ist. Diese Prozedur bildet die Grundlage des internationalen Rechts und der internationalen Ordnung und ist
außerdem nach der Gesetzgebung der Vereinigten Staaten absolut bindendes Recht. Wenn ein Land, sagen wir einmal, die
Vereinigten Staaten, der Auffassung ist, es bestehe eine Bedrohung für den Frieden, muß es sich an den Sicherheitsrat wenden,
der die alleinige Autorität hat, auf diese Bedrohung zu reagieren. Der Sicherheitsrat unterliegt der Forderung, sämtliche
friedlichen Mittel auszuschöpfen, um diese Bedrohung des Friedens abzuwenden, und wenn der Sicherheitsrat befindet, daß
sämtliche derartigen Mittel versagt haben, kann er durch einen spezifischen Beschluß den Gebrauch von Gewalt autorisieren.
Unter dem internationalen Recht ist kein anderes Vorgehen gestattet, es sei denn, es handelt sich um das Recht auf
Selbstverteidigung, eine Frage, die im vorliegenden Fall irrelevant ist.

Die USA und Großbritannien haben sehr laut und deutlich verkündet, daß sie gewalttätige, kriminelle Staaten sind, die die
Absicht verfolgen, das System des internationalen Rechts, ein System, das im Verlauf vieler Jahre mühselig errichtet wurde,
völlig zunichte zu machen. Sie haben angekündigt, daß sie tun werden, was ihnen paßt, Gewalt anwenden werden, wie es ihnen
paßt und sich nicht darum scheren, was der Rest der Welt darüber denkt. Meiner Ansicht nach ist das die einzige Bedeutung
des Bombardements und wahrscheinliche auch der Grund dafür.

Selbst der Zeitpunkt des Bombardements war so gewählt, daß er diese Haltung vollkommen offensichtlich machte. Das
Bombardement begann genau um 5 Uhr nachmittags östlicher Zeit in den USA, exakt zu der Zeit, als der Sicherheitsrat seine
Dringlichkeitssitzung zur Behandlung der heraufziehenden Krise im Irak eröffnete. Die USA wählten diesen Augenblick, um ein
Kriegsverbrechen - einen aggressiven, illegalen Akt der Gewalt - gegen en Irak zu begehen, ohne den Sicherheitsrat auch nur
zu benachrichtigen. Das war in Wirklichkeit nur eine weitere Verdeutlichung der Lektion des Golfkrieges, die seinerzeit sehr
klar von George Bush auseinandergesetzt wurde, während die Raketen auf Bagdad fielen. Damals verkündete er seine
berühmte Neue Weltordnung in vier einfachen Worten: "Was wir sagen, geschieht." Und wenn euch das nicht gefällt, dann
schert euch aus dem Weg.

Ein noch unheilvollerer Aspekt dieser Situation ist die Tatsache, daß sie sich - in den USA vollständig und in Großbritannien
sehr weitgehend - nicht nur unter Ausbleiben jeder Kritik an der Regierung, sondern auch ohne Aufklärung der Öffentlichkeit
über die relevanten Fragen entwickelt hat. Ich habe bis jetzt in den großen Medien oder in den sonstigen Diskussionen unter
den sogenannten gebildeten Teilen der Gesellschaft in den USA noch kein einziges Wort gefunden, mit dem vorgeschlagen
worden wäre, es sei vielleicht eine gute Idee, wenn die USA sich an das internationale Recht, das auch für unser Land gilt,
hielten. Wenn diese Frage je aufgeworfen wird, und das passiert höchstens in Randbemerkungen, wird sie als technisches
Detail abgetan. Für einen kriminellen Staat mag das ein technisches Detail sein, aber für andere ist es das genauso wenig wie
das gewöhnliche Gesetz gegen Mord ein technisches Detail ist.

Diese Aktion ist in Wirklichkeit der Ruf nach einer gesetzlosen Welt, in der die Mächtigen das Sagen haben. Und die
Mächtigen sind nun einmal die Vereinigten Staaten und Großbritannien, das mittlerweile ein jämmerlicher unmündiger
Wachhund ist, der jeden Versuch, auch nur den Anschein zu erwecken, ein unabhängiger Staat zu sein, aufgegeben hat.

Diesmal gab es keine klaren Kriterien dafür, wann die erklärten Zielsetzungen des Angriffs erreicht seien - angeblich
ging es darum, "das Potential des Irak zu schwächen" und Saddam Hussein "eine machtvolle Botschaft zu senden".
Außerdem wurde der Angriff von der Warnung begleitet, die USA behielten sich unter bestimmten Umständen das
Recht vor, den Irak "ohne Verzögerung, Diplomatie oder Warnung" zu bombardieren.

Das vorgebliche Ziel, "das Potential des Irak zu schwächen" war absichtlich so formuliert, daß klar werden mußte, daß es keine
Bedeutung hatte. Es gibt keinen Maßstab dafür, ob man erfolgreich darin war, "ein Potential zu schwächen". Wenn man mit
einer Pistole auf ein einziges Gebäude schießt, hat man auch ein Potential geschwächt. Das ist ein sinnloses Kriegsziel, und jeder
wußte das, was bedeutet, daß es überhaupt nicht das Kriegsziel war. Wenn jemand einen Akt der Aggression begeht, sind die
Kriegsziele, die er dabei verfolgt, im allgemeinen nicht sinnlos

In der Warnung, die Sie erwähnt haben, liegt denn auch die wirkliche Botschaft: die Vereinigten Staaten legen, und das nicht
zum ersten Mal, einfach fest, daß sie das Recht haben, Gewalt anzuwenden, wann es ihnen gefällt. Das ist alles andere als neu,
aber jetzt wird es in einer ungewöhnlich unverschämten Form und mit völliger Zustimmung auf Seiten des ideologischen Systems
der gebildeten Schichten verkündet.

Ich bin sicher, daß die Botschaft von den intendierten Adressaten verstanden worden ist; meiner Ansicht nach richtet sich diese
Botschaft in erster Linie an die Staaten der nahöstlichen Region.

All das hat einen Hintergrund, der zweifellos von entscheidende Bedeutung ist. Es ist für jedermann offensichtlich, daß es den
Mächten von außerhalb der westasiatischen Region vor allem um das Öl, das heißt um die Frage der Energieproduktion geht.
Zunächst einmal besteht mittlerweile unter Geologen Übereinstimmung darüber, daß die Welt einer ernsthaften Ölkrise
entgegengehen könnte. Trotz neuer Technologien und den Tiefseebohrungen ist die Rate der Entdeckung neuer Ölvorkommen
seit den sechziger Jahren gesunken. Man geht davon aus, daß in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren die magische
Halbwertszeit - das heißt, die Vernichtung der Hälfte der bekannten ausbeutbaren auf Kohlenwasserstoff beruhenden
Energieressourcen der Welt - erreicht sein wird, und daß die Vorräte danach abnehmen werden.

Zweitens steigt der weltweite Verbrauch von Öl immer noch an. Annähernd die Hälfte des gesamten Ölverbrauchs der
Geschichte hat in den letzten 20 Jahren, das heißt, nach dem Anstieg der Ölpreise in den siebziger Jahren stattgefunden.

Der dritte wichtige Punkt ist, daß ein sehr erheblicher Teil der Ölressourcen der Welt sich in der Region der arabischen
Halbinsel und des persischen Golfs befindet. Die Ressourcen, die anderswo existieren, sind nicht annähernd so reichlich oder
leicht ausbeutbar. Der Anteil des aus Westasien stammenden Öls an der gesamten Weltproduktion nähert sich allmählich
wieder dem Niveau von 1970 an und wird weiter wachsen. Das bedeutet, daß auch die Bedeutung der Region als strategisches
Zentrum und Kontrollhebel über die Weltpolitik weiter wachsen wird. Das ist eine sehr instabile, waffenstarrende Region, in der
es sehr viele Konflikte gibt und deren Bevölkerung größtenteils in der ein oder anderen Form brutal unterdrückt wird. Während
der letzten 50 Jahre waren die USA fest entschlossen, mit der Hilfe Großbritanniens das Schicksal der Region zu lenken.
Niemand sonst, besonders nicht die Völker der Region, soll dort in irgend einer Hinsicht eine bedeutende Rolle spielen. All das
führt zu einer äußerst leicht entflammbaren Situation.

Zum gegenwärtigen Bündnissystem, das im Interesse der Vereinigten Staaten die Kontrolle über die Ölregionen Westasiens
ausübt, gehört neben einer höchst sichtbaren Allianz zwischen der Türkei und Israel auch die Palästinensische Nationalbehörde.
Was hier als der "Friedensprozeß" in Westasien bezeichnet wird, ist nur das Bestreben der Vereinigten Staaten und Israels, das
palästinensische Problem zu eliminieren, indem man dem palästinensischen Volk eine Art Bantustan-Regelung aufzwingt. In
diesem System spielt die Palästinensische Nationalbehörde die Rolle eines Kontrolleurs und Unterdrückers des palästinensische
Volkes, genau wie dies die führenden Elemente in Ländern wie der Transkei unter der Apartheid getan haben. Die CIA ist
direkt und offen an den Interaktionen zwischen der palästinensischen Verwaltung und den Israelis beteiligt.

Den anderen Ländern der Region gefällt dieses Arrangement nicht, und Ägypten, Saudi-Arabien, der Iran und Syrien haben in
jüngster Zeit Schritte in Richtung auf ein Bündnis unternommen, um ein Gegengewicht gegen dieses System zu schaffen. Die
USA sind darüber sehr besorgt, besonders über die neuen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, Ländern also,
die historisch gesehen verfeindet waren, jetzt aber sehr bemerkenswerte Schritte in Richtung auf eine Annäherung gemacht
haben.

Wir sollten uns auch daran erinnern, daß die USA nicht nur in der Frage des Irak, sondern auch im Hinblick auf den
wünschenswerten Umgang mit dem Iran international isoliert sind. Es gibt einen wachsenden Konflikt zwischen den USA und
Europa, was die Rückkehr des Iran in das internationale System betrifft. Während Europa und Japan stark dafür sind, sind die
USA dagegen, und wenn Saudi-Arabien, die Golfemirate und Ägypten ihre Beziehungen mit dem Iran verbessern, stellt das für
die USA eine bedrohliche Zukunftsaussicht dar. Der jetzige Einsatz von Krieg und Gewalt ist als eine Warnung an diese Länder
gedacht, sich nicht zu weit in diese Richtung zu bewegen, da die Vereinigten Staaten mit extremer Gewalttätigkeit reagieren
werden, falls sie die Notwendigkeit dazu sehen. Meiner Ansicht verfolgte das Bombardement des Sudan und Afghanistans vor
einigen Monaten - wobei der Angriff auf den Sudan das dreistere Kriegsverbrechen war - ebenfalls das Ziel, diese Botschaft zu
vermitteln.

Anfang letzten Jahres wurde aufgrund des Gesetzes über die Informationsfreiheit ein hochrangiges Planungsdokument
freigegeben, das bei uns keinerlei Aufmerken auslöste, aber sehr interessant ist. Es handelte sich um eine 1995 verfaßte
geheime Studie des Strategischen Kommandos der Vereinigten Staaten, einer Institution, die für das Kernwaffenarsenal
verantwortlich ist. Die Studie trägt den Titel "Grundzüge der Abschreckung nach dem Kalten Krieg". Vielleicht erinnernen sie
sich an die "Madman-Theorie" Nixons, derzufolge die USA nach außen hin den Anschein eines Irrsinnigen erwecken sollen, der
bereit ist, gegen jeden loszuschlagen? Das neue Dokument holt diese Theorie wieder aus der Gruft und stellt fest, daß die USA

ihr Kernwaffenarsenal dazu benutzen sollten, sich vor der Welt als irrational und rachsüchtig zu präsentieren, sobald ihre vitalen
Interessen angegriffen werden. Das sollte Teil des charakteristischen nationalen Auftretens sein, mit dem wir alle Gegner
konfrontieren. Es schadet unseren Interessen, wenn wir uns als allzu rational und ruhig präsentieren. Wenn wir en Anschein
erwecken, daß einige Elemente der US-Regierung möglicherweise außer Kontrolle sind, kann das für die Schaffung und
Verstärkung von Ängsten und Zweifeln bei den Entscheidungsträgern unserer Gegner nützlich sein.

Bei Nixon war das sozusagen eine informelle Theorie, bei diesem Papier sollten wir uns allerdings vor Augen halten, daß es sich
um ein offizielles Planungsdokument des Strategischen Kommandos aus dem Jahr 1995 handelt. Ich denke, die Presse wußte,
was sie tat, als sie es praktisch unter den Teppich kehrte. Schließlich ist das Dokument ziemlich aufschlußreich und liefert einen
interessanten Hintergrund für die gegenwärtigen Aktionen.

Es ist interessant, daß die Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen dieses Mal noch weniger Unterstützung hinter sich
bringen konnten als letztes Mal.

Wenn man auf die letzten Monate der Verhandlungen zurückblickt, sieht man, daß Japan und Deutschland zuerst gegen ein
militärisches Vorgehen waren. Dann wurden sie mehr und mehr und unter Druck gesetzt und stimmten schließlich zu, ohne sich
aber je selbst zu beteiligen. Die Haltung der Staaten der nahöstlichen Region war sehr gemischt. Sie wurden wirklich unter
Druck gesetzt - dem Jemen zum Beispiel wurden schwere Sanktionen für den Fall angedroht, daß er sich nicht beugt.
Schließlich gab es eine Abstimmung, aber das Ergebnis war unklar, abgesehen davon, daß die Abstimmung als solche illegal
war, weil China nicht daran teilnahm und die Genehmigung des Sicherheitsrats für die Anwendung von Gewalt einstimmig sein
muß.

Obwohl es also ein gewisses Maß an Unterstützung für die Militäraktionen gab, war sich ein ziemlich großer Teil der Welt im
klaren darüber, daß man hier in einen Konflikt hineingezogen werden sollte und daß es immer noch Möglichkeiten für eine
Verhandlungslösung gab; gerade letzteres wollten die USA aber vermeiden. Jede neue Aktion der USA und Großbritanniens
hat die Unterstützung für ihr Vorgehen weiter untergraben: gegenwärtig untersagt Saudi-Arabien die Stationierung von
US-Flugzeugen, die Missionen gegen den Irak fliegen sollen, und die Kriegsaktion der USA ist nicht einmal mehr von Kuwait
unterstützt worden. Die Bevölkerung der Region war sowieso schon die ganze Zeit gegen die US-Politik - das war auch 1991
nicht anders.

Und der UN-Generalsekretär Kofi Annan hat in der Irakfrage eine weitaus positivere Rolle gespielt als Perez de Cuellar 1991.

Kofi Annan wird in den USA kaum zitiert - man findet nicht mehr als ein paar Sätze von ihm hier und da. Was er sagt, ist
jedoch klar genug; er nannte den Beginn der Bombardierung des Irak einen "traurigen" Tag für die Vereinten Nationen und die
Welt. Er wird einfach übergangen; die Vereinigten Staaten wollen nicht, daß die Vereinten Nationen sich einmischen, weil sie
wissen, das sie dort nicht die Unterstützung bekommen können, die sie suchen. Wie ich schon sagte, war gerade der Zeitpunkt
des Bombardements efür Kofi Annan und die Vereinten Nationen ein Schlag ins Gesicht.

Es hat jetzt - obwohl wir dessen nicht sicher sein können - den Anschein, daß Richard Butler seinen Bericht direkt an das
Weiße Haus überstellt hat, noch bevor er an den Sicherheitsrat geschickt wurde. Außerdem gibt es Berichte von hochrangigen
Beamten bei den Vereinten Nationen, daß der Bericht in Zusammenarbeit mit dem Weißen Haus verfaßt wurde, wozu ich
leider keine weiteren Informationen habe. Die Clinton-Administration hat offiziell erklärt, sie habe mit der Planung des
Bombardements noch vor der Sicherheitsratssitzung begonnen, weil sie den Bericht bereits besaß, was natürlich vollkommen
inakzeptabel ist und nur die Tatsache unterstreicht, daß die Führung der UNSCOM mit der Clinton-Administration
zusammenarbeitet.

Könnten Sie noch etwas zu einem anderen Aspekt der Zeitwahl für den Angriff sagen, nämlich zu der weitverbreiteten
Überzeugung, daß Clinton den Irak gerade jetzt angegriffen hat, weil das Impeachment-Verfahren gegen ihn bevorsteht?

Das glauben sehr viele Leute, aber ich finde es höchst unplausibel.

Wenn man sich die Sache genauer ansieht, ist das Zusammentreffen dieser beiden Ereignisse für Clinton nur schädlich und
untergräbt seine Glaubwürdigkeit noch weiter. Mit der ist es ohnehin nicht weit her, und falls diese Militäraktion ein Versuch
sein sollte, die Impeachment-Anhörungen hinauszuschieben, würde das höchstens lächerlich wirken.

Auf der anderen Seite ist dieses Zusammentreffen doch in einer Hinsicht bemerkenswert. Die Debatte über das Impeachment
im Repräsentantenhaus ist von beiden Seiten höchst zynisch geführt worden, und Republikaner wie Demokraten haben beide
vollkommen klargemacht, daß es hier in keiner Weise um irgendwelche Prinzipien geht. Das geht schon daraus hervor, daß die
Abstimmungen komplett von der Parteidisziplin bestimmt waren. In prinzipiellen Fragen gibt es bei uns nie eine klare
Scheidelinie zwischen Demokraten und Republikanern. Wenn es um eine Frage des Prinzips ginge, wären die jetzigen
Abstimmungsergebnisse höchst merkwürdig, da die Haltung beider Parteien hinsichtlich der meisten Themen sowieso praktisch
identisch ist und prinzipielle Fragen normalerweise nie zu einer säuberlichen Aufspaltung entlang der Parteigrenzen führen.

Die Demokraten nutzen dieses zeitliche Zusammentreffen, um ihre zukünftigen politischen Kampagnen aufzubauen. Bei den
nächsten Wahlen werden sie die Linie fahren, daß die bösen Republikaner, während unsere mutigen Söhne und Töchter in
Verteidigung unseres Landes ihr Leben aufs Spiel setzten, nichts anderes zu tun hatten, als den Oberkommandierenden
anzugreifen.

Die Zeitgleichkeit des Miltärangriffs und des Impeachment-Verfahrens ist demnach für Clinton persönlich schädlich, während es
den Public-Relations-Bemühungen der Demokratischen Partei durchaus helfen könnte.

Nach dem Ende des Bombardements hat es auf der einen Seite Erklärungen des Inhalts gegeben, daß die Vereinigten
Staaten sich das Recht vorbehalten, jederzeit wieder loszuschlagen; anderseits ist aber auch gesagt worden, die
nächste Phase werde in starkem Maß eine Phase der Diplomatie sein.

Die USA sagen ganz einfach, daß, soweit es sie angeht, alle Optionen offenstehen, und daß alles andere sie nicht interessiert -
weder das internationale Recht, noch der Weltgerichtshof, noch die Vereinten Nationen und schon gar nicht die Meinungen der
Länder und Völker der Region. Wenn unseren Zielen mit Diplomatie gedient werden kann, werden wir Diplomatie anwenden;
wenn ihnen mit Gewalt gedient ist, werden wir eben Gewalt einsetzen.

Die Angriffe haben die Infrastruktur des Irak weiter zertrümmert. Es ist klar, daß die jüngere wirtschaftliche
Geschichte des Irak die Geschichte eines Desasters der Entwicklungspolitik und einer tiefgreifenden Zerstörung
früherer Errungenschaften, zum Beispiel im Gesundheits-, Ernährungs- und Ausbildungsbereich ist. Berichten zufolge
hat Außenministerin Albright gesagt, die USA würden jede Verantwortung für den Tod von Hunderttausenden von
Irakern "vollständig von sich weisen", und Tony Blair hat gesagt, die "Ernährungsprobleme" - das ist ein Originalzitat
- im Irak seien nicht das Resultat der Sanktionen. Könnten Sie das kommentieren? Wie lange werden die Sanktionen
ihrer Ansicht nach noch dauern?

Blairs Äußerungen werden von Mal zu Mal widerlicher und lächerlicher, und was er jetzt geboten hat, war ein schmerzlicher
und beschämender Tag der britischen Geschichte. Was Madeleine Albright betrifft, haben ihre Kommentare im Lauf der Jahre
das moralische Niveau der Handlungen der USA sehr klar gezeigt. 1996 fragte ein Interviewer in der Sendung "60 Minuten" in
nationalen Fernsehen sie nach ihrer Reaktion auf Berichte seitens der Vereinten Nationen, nach denen eine halbe Million
irakischer Kinder aufgrund der Sanktionen gestorben waren. Ihre Antwort war: "Nun, wir sind der Ansicht, daß das ein Preis
ist, den zu zahlen wir bereit sind." Demnach sind wir - wir - bereit, diese irakischen Kinder zu opfern. Es kümmert uns nicht,
wenn das was wir tun, Massenmord ist, dabei könnte das meiner Ansicht nach durchaus als Völkermord bezeichnet werden.

Betrachten wir einmal die Situation, wie sie im Moment aussieht. Im Augenblick gibt es eine Ölschwemme, die Preise sind sehr
niedrig, und das ist schlecht für die großen Ölgesellschaft, die zum allergrößten Teil in amerikanischem und britischem Besitz
sind. Die US-Regierung möchte nicht, daß der Preis noch weiter sinkt, weil die US-Wirtschaft sehr stark von recycelten
Petrodollars aus anderen Ländern abhängig ist. Dieses Geld geht in US-Schatzbriefe, Waffenkäufe, Bauprojekte und ähnliches.
Die USA werden froh sein, wenn die Ölpreise wieder steigen und wollen daher nicht, daß gerade jetzt irakisches Öl auf den
Markt kommt. Also paßt es nur allzu gut in ihre Politik, zum Beispiel eine Raffinerie in Basra zu bombardieren und die
Ölexporte des Irak weiter zu verhindern.

Davon abgesehen wird der Irak früher oder später ins internationale System zurückkehren. Der Irak hat die zweitgrößten
Ölreserven der Welt, und sowie sich eine Ölknappheit entwickelt und die Preise wieder zu steigen beginnen, werden die USA
und Großbritannien den Irak wieder in den Markt lassen. Allerdings haben sie inzwischen ein Problem. Aufgrund der Ereignisse
der vergangenen Jahre haben ihre Konkurrenten Frankreich und Rußland (und außerdem auch Italien) jetzt einen privilegierten
Zugang zur irakischen Ölproduktion. Die USA und Großbritannien werden das nicht dulden, weil der Irak viel zu reich ist, als
daß man ihn in die Hände von Konkurrenten fallen lassen könnte. Das wird einige komplizierte Manöver erforderlich machen;
den USA und Großbritannien stehen genügend Macht- und Gewaltmittel zur Verfügung, um ihre Ziele zu erreichen, aber leicht
wird es nicht sein. Hier liegt ein weiterer potentieller Konflikt zwischen den USA und der Europäischen Union. (wenn ich von
der Europäischen Union spreche, nehme ich Großbritannien, das ein Klientenstaat der USA ist, davon aus.)

Wie lange werden die Sanktionen, wenn wir von dieser strategischen Frage einmal absehen, noch weitergehen? So lange, wie
die USA und Großbritannien darauf bestehen, daß das irakische bestraft und das irakische Öl vom Markt ferngehalten wird,
und so lange, wie sie weltweit eine derartige Macht haben, daß andere Kräfte ihnen nichts entgegenzusetzen haben.

Die offizielle Version scheint dagegen zu sein, daß die Sanktionen deshalb nicht aufgehoben werden, weil der Irak nicht
mit der UNSCOM zusammenarbeitet.

Das ist der Vorwand, aber das ist ein Witz. Die USA verstoßen ebenfalls gegen das internationale Recht. Schlagen die Leute,
die für die Irak-Sanktionen sind, deshalb etwa Sanktionen gegen die USA vor?

Die Gleichgültigkeit der öffentlichen Meinung in den USA gegenüber dem Leiden im Irak ist, verglichen mit anderen
Ländern, sehr groß. Die Linie der USA zu dieser Frage ist in keinem anderen Teil der Welt populär.

Zum einen weiß die US-Bevölkerung nicht viel über diese Angelegenheit. Das Bild, das in den USA präsentiert wird, besagt,
daß Saddam Hussein die übelste Figur seit Attila dem Hunnen ist. Wenn man irgend jemanden auf der Straße fragen würde,
würde er sage, daß Saddam sein Volk quält und daß die USA tun, was sie nur können, um ihn loszuwerden und das irakische
Volk zu retten. Und wenn dadurch Menschen getötet werden, dann ist das Saddams Schuld: warum tut er denn auch nicht, was
wir ihm sagen?*

Auf der anderen Seite gibt es im ganzen Land eine Menge Aktionen. Sie sind klein und schlecht organisiert, aber es gibt
dennoch eine Reihe von Protesten.

Bei all dem handelt es sich keineswegs um die einzige menschliche Katastrophe, die bei uns keine Aufmerksamkeit erregt.
Während der achtziger Jahre töteten die Herrschenden Südafrikas in den angrenzenden Ländern etwa eineinhalb Millionen
Menschen und wurden dabei von den USA und Großbritannien unterstützt. Im Augenblick ist Rußland der Ort, wo eine der
schlimmsten menschlichen Katastrophen stattfindet. Wer weiß, wie viele Menschen als Folge der Durchsetzung des
Marktregimes gestorben sind? Auch das kümmert niemanden. Da die Politik der USA per definitionem wohltätig ist, müssen
die Russen selber schuld sein, wenn Millionen von ihnen aufgrund der Durchsetzung des Marktregimes sterben.

Die USA haben jetzt angeboten, "ihre Unterstützung für die irakische Opposition zu verstärken". Betrachten Sie das
als Teil des weitergesteckten strategischen Ziels, von dem Sie gesprochen haben?

Damit würde ich sehr vorsichtig sein. In der Vergangenheit haben sich die USA der irakischen Opposition gegenüber scharf
ablehnend verhalten. 1988, als Saddam Hussein noch unser großer Freund und Verbündeter war, blockten die USA alle Kritik
an seinen Giftgasangriffen ab. Zu jener Zeit wies Außenminister George Schultz laut Aussage von Führern der irakischen
Opposition, mit denen ich gesprochen haben, die US-Diplomaten an, keinerlei Kontakt mit irakischen Dissidenten zu haben,
weil das unseren Freund Saddam Hussein stören könnte. Diese Anweisungen behielten ihre Geltung und wurden im März 1991
- das heißt, nach dem Golfkrieg - formell und öffentlich wiederholt, als die USA sich zu Komplizen des Massakers Saddam
Husseins an den Schiiten im Süden des Irak machten.

Die USA haben versucht, mit der Opposition im irakischen Militär zusammenzuarbeiten. Der Gedanke dabei war, daß es einen
Militärputsch geben sollte, der Saddam Hussein durch ein mehr oder weniger gleichartiges Regime, aber ohne Saddam Hussein
ersetzt. Diese Versuche sind von den irakischen Nachrichtendiensten aufgedeckt worden und fehlgeschlagen.

Die demokratische irakische Opposition selbst behauptet bis heute, daß sie von den Vereinigten Staaten praktisch keine
Unterstützung bekommen hat. Das hat ja auch Außenministerin Albright gerade erst vorgestern mehr oder weniger zugegeben.
Als man sie danach fragte, sagte sie: "Wir sind jetzt zu der Auffassung gekommen, daß es für das irakische Volk gut wäre,
wenn es eine Regierung hätte, die es wirklich repräsentiert." Das sagte sie im Dezember 1998, als die USA plötzlich eine
religiöse Bekehrung durchmachten und sich auf einmal zu der Meinung durchrangen, es wäre gut für die Iraker, wenn sie eine
Regierung hätten, die sie repräsentiert. Das bedeutet, daß die USA bisher nicht dieser Auffassung waren - und das ist allerdings
wahr. Bis jetzt war die Position der USA, daß das irakische Volk von der eisernen Faust einer Militärjunta kontrolliert werden
muß, wenn möglich ohne Saddam Hussein, da er eine höchst lästige Figur ist.

Aber sollen wir Frau Albright glauben, hat die religiöse Bekehrung tatsächlich stattgefunden? Nein, es ist sehr unwahrscheinlich,
daß sich abgesehen von Fragen des taktischen Vorgehens irgend etwas geändert hat. Die US-Regierung will ebenso wenig,
daß eine demokratische Opposition im Irak an die Macht kommt, wie sie will, daß etwas derartiges in Saudi-Arabien passiert.
Nein, sie will, daß diese Länder von Diktaturen regiert werden, die unter dem Einfluß der USA stehen.

Es gibt an der irakischen Opposition eine Menge zu

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Irakkrise von langer Hand vorbereitet... mod
mod:

17. Januar 1991

 
22.09.02 00:37
#11
Ereignisse am 17. Januar 1991:

1991 "Operation Wüstensturm" läuft an

Nach Ablauf des Ultimatums an den Irak am 15. Januar 1991 beginnen die Alliierten mit dem Beschuß irakischer Stellungen. Den massiven Angriffen haben die schlecht ausgerüsteten Soldaten Saddam Husseins kaum etwas entgegenzusetzen. Auf Seiten der Alliierten gibt es nur geringe Verluste. Irakische Raketenangriffe auf Israel und Saudi Arabien zeigen kaum Wirkung, da moderne Verteidigungssysteme viele der Raketen am Himmel zerstören. Der Einsatz alliierter Bodentruppen folgt am 24. Februar 1991.

Irakkrise von langer Hand vorbereitet... mod
mod:

24. Februar 1991

 
22.09.02 00:39
#12
Bodenoffensive der Alliierten

Nach der Zerstörung großer Teile der irakischen Verteidigung durch massive Luftangriffe ab dem 17. Januar 1991 rücken alliierte Truppen in Kuwait und den Irak ein. Sie treffen dort nur auf wenig Widerstand und können Kuwait binnen weniger Tage befreien. Irakische Truppen zünden bei ihrem Rückzug zahlreiche Ölquellen an und verursachen damit eine verheerende Umweltkatastrophe. Schließlich erkennt die irakische Regierung am 27. Februar 1991 die UN-Resolution zum Rückzug aus Kuwait an.

Irakkrise von langer Hand vorbereitet... hjw2
hjw2:

das ermächtigungsgesetz

 
22.09.02 00:39
#13


ist schon in arbeit
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... mod
mod:

27. Februar 1991

 
22.09.02 00:40
#14
Irak akzepitiert UN-Resolution

Unter dem Eindruck des alliierten Vormarschs ab dem 24. Februar 1991 nimmt der irakische Diktator Saddam Hussein die UN-Resolution 678 zum Rückzug aus Kuwait an. Seine Soldaten hinterlassen dort jedoch starke Verwüstungen. Die Alliierten stellen ihrerseits die Kampfhandlungen ein. Auf ihrer Seite sind dank der großen technischen Überlegenheit kaum Verluste zu beklagen. Eine Regelung über die Zeit nach dem Krieg wird am 4. März 1991 getroffen.

Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Karlchen_I
Karlchen_I:

@mod: Watt solln der Quark? Wir wissen doch beide.

 
22.09.02 00:41
#15
....

1. dass Hussein mal der freund der Amis war und von ihnen unterstützt wurde.

2. dass die Amis mit der Kuweit-Geschichte ins Messer haben laufen lassen. Die Botschafterin hatte grünes Licht gegeben.
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... mod
mod:

4. März 1991:

 
22.09.02 00:42
#16
1991 UN-Resolution 686

Der Irak stimmt nach seiner Niederlage im Golfkrieg am 27. Februar 1991 einer Resolution der Vereinten Nationen zu, die den Status des Iraks nach dem Krieg definiert. In ihr wird die Aufrechterhaltung von Sanktionen, die Forderung von Reparationszahlungen, die Vernichtung von Waffen sowie die Anerkennung der Autonomie Kuwaits vereinbart. Der Verbleib Saddam Husseins an der Spitze des Iraks beunruhigt allerdings weiterhin die Alliierten. Moralische Unterstützung irakischer Oppositionsgruppen bleibt ohne Erfolg.

Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Karlchen_I
Karlchen_I:

@mod: Goldhamster im Rad? o.T.

 
22.09.02 00:51
#17
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... C.Webb4
C.Webb4:

Da hier ja die Intellektuellen sind

 
22.09.02 00:55
#18
mehr zu lesen:

DIE ZEIT

Wirtschaft 39/2002

Der Traum vom Öldorado


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Amerikas Hoffnung: Wenn der Westen im Irak siegt, wird das Opec-Kartell schwächer

von Jürgen Krönig und Fritz Vorholz


Die Interessen amerikanischer Ölmultis fest im Visier, steuere George W. Bush entschlossen auf einen gewaltsamen Regimewechsel im Irak zu. So argumentieren Gegner einer militärischen Intervention gern. Das Argument ist falsch. Die amerikanischen Ölkonzerne haben durch einen Krieg am Golf nichts zu gewinnen. Das Geschäft werden andere machen, allen voran Franzosen und Russen (siehe Kasten).

Irakkrise von langer Hand vorbereitet... 792936

Der amerikanische Präsident hat keine betriebswirtschaftlichen Interessen. Er will den steten Fluss des schwarzen Goldes sichern - und zwar durch die Erschließung neuer Bezugsquellen und durch die Schwächung der Organisation Erdölexportierender Staaten (Opec). Mit Russland, dem zweitgrößten Ölexporteur der Welt, hat Bush bereits ein strategisches Bündnis geschlossen. Nigeria, Nummer neun auf der Rangliste der größten Erdölexporteure, will er aus dem Opec-Kartell locken. Ein Regimewechsel in Bagdad böte eine weitere Chance, die Abhängigkeit westlicher Verbraucherländer vom Ölkartell, vor allem von Saudi-Arabien, zu lockern. Mit "einer Erhöhung der Weltversorgung um täglich drei bis fünf Millionen Fass" könne in diesem Fall gerechnet werden, erklärte kürzlich der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Lawrence Lindsey.

Im globalen Poker ums Öl werden die Karten neu gemischt - womöglich auch mit militärischen Mitteln. Saddam Husseins Bereitschaft, nun doch Waffeninspektoren ins Land zu lassen, dürfte den Lauf der Dinge dabei nur verzögern. Wird Krieg wieder wahrscheinlicher, wird auch der Anfang der Woche leicht gesunkene Ölpreis wieder steigen. Auf bis zu 8 Dollar pro Fass (je 159 Liter) schätzen Ölexperten den Preisaufschlag wegen der Kriegsgefahr - obwohl eigentlich genug Öl auf dem Markt ist. Die zehn Opec-Mitglieder (ohne Irak) haben ihre vereinbarten Förderquoten, insgesamt 21,7 Millionen Fass pro Tag, bereits um fast 1,7 Millionen Fass täglich überzogen.

Bleibt es bei dieser Disziplinlosigkeit? Selten zuvor standen die Opec-Minister, die sich dieser Tage im japanischen Osaka versammeln, vor einer heikleren Frage; schließlich war der Ölmarkt auch selten zuvor in einer sensibleren Verfassung. Wie auch immer sie entscheiden: Die Psychologie dominiere derzeit den Markt, heißt es in einer Vorschau des amerikanischen Energieministeriums auf das Opec-Treffen. Pochen die Ölproduzenten auf Quotendisziplin, könnte das als Attacke auf die ohnehin labile Weltkonjunktur angesehen werden. Erhöhen sie die Förderung, laufen sie Gefahr, einem für sie fatalen Preissturz Vorschub zu leisten.

Die Führungsmacht des Kartells, Saudi-Arabien, plagen darüber hinaus noch spezielle Sorgen. Durch den "Irak-Faktor" sieht das Land seine Sonderstellung als Preis- und Mengenkontrolleur ebenso gefährdet wie die Position als unverzichtbarer Alliierter der USA. Das erklärt, warum Riad einen Schlingerkurs vollführt. Einerseits bemühen sich die Saudis nach Kräften, die Freundschaft mit Amerika, zugleich Schutzmacht und bester Ölkunde, nicht zu verspielen; deshalb erklärten sie, beim Waffengang gegen Saddam doch helfen zu wollen. Andererseits fürchtet Riad den Krieg und seine strategischen Folgen. Ein Sturz Saddam Husseins könnte nämlich aus dem nördlichen Nachbarn Irak binnen weniger Jahre einen mächtigen Ölproduzenten werden lassen. Und einen Konkurrenten.

Obwohl der Irak über riesige Ölvorkommen verfügt, spielt das Land bisher als Ölproduzent kaum eine Rolle. Durchschnittlich 1,18 Millionen Fass Öl pro Tag exportierte Saddam nach US-Angaben in den ersten acht Monaten dieses Jahres im Rahmen des Programms oil for food; hinzu kommen maximal schätzungsweise 300 000 Fass, die der Diktator illegal über die Grenzen schaffen lässt - wegen der Devisen. Bei einer Weltproduktion von täglich mehr als 76 Millionen Fass ist der irakische Beitrag eher eine "homöopathische Menge", wie ein deutscher Ölmanager sagt. Sie könnte von heute auf morgen ersetzt werden, wenn andere Opec-Länder ihre Ölhähne etwas aufdrehten. Befreit von politischen Fesseln und mit einer modernisierten Öl-Infrastruktur könnte der Irak indes schon binnen fünf Jahren zu einem major player auf dem Ölmarkt werden.

15 Prozent der Weltreserven im Irak

Diese Vision fasziniert die Energiestrategen in Washington. Zwar haben die Vereinigten Staaten seit Beginn des Ölzeitalters so viel Öl gefördert wie keine andere Nation. Und nach wie vor sind sie der zweitgrößte Produzent der Welt. Aber die heimischen Ölvorräte neigen sich dem Ende zu, während der Öldurst der Amerikaner weiter wächst. Effekt: Die USA werden zunehmend von Ölimporten abhängig. "Eine Bedrohung der nationalen Sicherheit" nennt das eine Expertenkommission des US-Handelsministeriums.

Die US-Ölproduktion sinkt bereits seit 1970. Beim gegenwärtigen Fördervolumen werden die Vorräte in weniger als elf Jahren erschöpft sein. Noch geringer ist die so genannte Reichweite des Nordseeöls. Und die in den neunziger Jahren gehegten Hoffnungen auf schier unendlichen Ölreichtum in der Region am Kaspischen Meer haben sich inzwischen als übertrieben erwiesen. Das Potenzial an Kohlenwasserstoffen in Kasachstan, Aserbajdschan, Turkmenistan sowie den ans Kaspische Meer angrenzenden Regionen Russlands und Irans sei wohl eher mit dem der Nordsee als mit dem des Nahen Ostens zu vergleichen, heißt es in einer Analyse des US-Energieministeriums. Wie immer man es dreht und wendet: Den politisch sensiblen Ländern am Persischen Golf wächst automatisch mehr Marktmacht zu - wenn sie sich alle einig sind.

Ein befreiter Irak, so hofft Washington, wird sich nicht zwangsläufig dem Quotensystem der Opec unterwerfen. Tatsächlich betonen Exilpolitiker im INC, dem irakischen Nationalkongress, sie dächten gar nicht daran, sich in ein System "einzwängen zu lassen", das ihrem Land Verzicht abverlange. "Wir haben unter Saddam Hussein lange genug gedarbt und auf unseren Anteil am Ölexport verzichtet", erklärt ein Aspirant auf Führungsaufgaben in Bagdad der ZEIT.

Ein befreiter Irak, ein "friedliches, wohlhabendes Land am Golf" - es könnte ein wahres Öldorado werden, nicht zuletzt zur Freude der Ölverbraucher. Sämtliche Experten geraten geradezu ins Schwärmen, wenn sie vom irakischen Potenzial sprechen. Die Produktionsbedingungen gelten als ideal. Nirgendwo sonst lässt sich Rohöl billiger aus dem Boden pumpen. Die Förderkosten belaufen sich auf weniger als einen Dollar pro Fass; 14 bis 18 Dollar kostet es, die gleiche Menge aus dem Permafrost Sibiriens oder aus der Nordsee herauszuholen. Nach konventionellen Schätzungen liegen in irakischem Boden rund 15 Prozent der Weltreserven. Nur die Saudis sitzen auf noch größerem Reichtum. Julian Lee vom Londoner Centre for Global Energy Studies rechnet sogar noch mit "Überraschungen". Er hält es für denkbar, dass sich die Reserven des Irak am Ende "als so bedeutend erweisen werden wie die Saudi-Arabiens".

Der Haken an diesem Szenario: Das Risiko, dass es dem irakischen Diktator im Endkampf um die Macht gelingen könnte, einen Flächenbrand in den Ölfeldern der Nachbarstaaten zu entfachen, ist nicht eingerechnet.

http://www.zeit.de/2002/39/Wirtschaft/200239_oel.html



Gruss
c.webb
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Karlchen_I
Karlchen_I:

Man Webb. Det war wohl nischt.

 
22.09.02 01:00
#19
Kommste mit der "Zeit", dem Journal für Lehrer und andere halbgebildete Beamte.

Natürlich stecken bisher die Franzosen und andere (etwa China) im irakischen Ölgeschäft drin. Gerade die will doch der Ölpräsident raushauen.
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Schnorrer
Schnorrer:

ich sach ma: wen interessiert dieser Detail-

 
22.09.02 01:02
#20
Scheißdreck?

Alles Asche.

Kauft Wollpullis, Ihr Arschlöcher.
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... mod
mod:

Karlchen,

 
22.09.02 01:03
#21
ich weiss zu wenig über Motive und
Strategien des Cowboys.
Allerdings ist er nur eine Marionette.
Am 24.9.02 wissen wir u.U. etwas mehr.
Ich beteilige mich nicht an Spekulationen und
Verschwörungstheorien,
sondern halte mich an Fakten.
Davon haben wir immer sehr wenig.
Allerdings glaube ich, dass eine internationale
Konfliktlösung nur möglich ist über:
- die UNO,
- mit einem starkem einheitlichen Europa,
- in Abstimmung und Vertrauen mit der US-Regierung.
Der Missbrauch derart sensibler und weltpolitisch
gefährlicher Themen in Wahlkämpfen ist mir suspekt.
Man erreicht bedeutend mehr auf der Ebene der
Geheimdiplomatie.
Die Mehrheit des Volkes war noch nie ein guter
Ratgeber und wurde (der Vergleich ist nicht gut) auch
immer von Diktatoren missbraucht.

Gute Nacht
m.

Irakkrise von langer Hand vorbereitet... mod
mod:

c.webb4 , danke für den "Zeit"-Artikel o.T.

 
22.09.02 01:18
#22
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Schnorrer
Schnorrer:

@mod: Schnauze

 
22.09.02 01:20
#23
und PDS wählen.


Mach ma was gegen die Mehrheit, die nie Recht hat.


Und nochma: Schnauze.

So, ich habe fertg.
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Antichrist
Antichrist:

Wollpulli

 
22.09.02 05:00
#24
ist besorgt.
Und wie geht's jetzt weiter, Du Penner ?  ;-)
Irakkrise von langer Hand vorbereitet... Ding

Merkwürdig

 
#25
immer kommt irgendwie raus, daß in Wirklichkeit die USA daran Schuld sind.
Und es passt immer alles sooo gut zusammen.

Ist vielleicht an den Weltverschwörungstheorien doch was dran?



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