Geld überschwemmt die Märkte

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Geld überschwemmt die Märkte

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03.01.07 17:09
HANDELSBLATT, Mittwoch, 3. Januar 2007, 16:57 Uhr
Finanzmärkte

Geld überschwemmt die Märkte

Von M. Kurm-Engels

Das Übermaß an Liquidität, das die Finanzmärkte seit Jahren überschwemmt, macht den Notenbanken weltweit das Leben nicht leichter. Doch nach Ansicht einiger Experten sind sie selber dafür an erster Stelle verantwortlich.


Geld überschwemmt die Märkte 3001469
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Geld überschwemmt die Märkte 3001469
Zwischen Ende 1997 und September 2006 hat sich die Geldmenge nahezu verdoppelt.

FRANKFURT. Wie gefährlich Fehlentwicklungen an den Vermögensmärkten werden können, demonstriert gerade eindrucksvoll der US-Markt für Wohnimmobilien. Er wurde seit Anfang des Jahrzehnts durch niedrige Notenbankzinsen bewusst angeheizt, um die Investitionsschwäche nach dem Platzen der „New-Economy“-Blase zu Anfang des Jahrzehnts auszugleichen. Inzwischen droht dem US-Häusermarkt der Zusammenbruch. Im ungünstigen Fall wird dadurch die übrige US-Wirtschaft nach unten gezogen. Das bliebe nicht ohne Folgen für die Weltwirtschaft.

Zwischen Ende 1997 und September 2006 hat sich die Geldmenge nach Berechnungen der Deutschen Bank nahezu verdoppelt; das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist aber nur um 60 Prozent gestiegen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beklagt das „asymmetrische Verhalten“ der Notenbanken: Schwäche die Konjunktur sich ab, seien sie schnell bereit, die Zinsen kräftig zu senken. Im Aufschwung würden die Zinssenkungen nur zögerlich und nicht im nötigen Umfang zurückgenommen. Die Folge sei ein anhaltender Überfluss an Liquidität.

Die kann sich entweder in stark steigenden Verbraucherpreisen entladen, oder sie fließt in die Aktien-, Anleihen- oder Immobilienmärkte und verursacht dort Preisblasen, die über Vermögensverluste hinaus großen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten können, wenn sie platzen.

Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank, erinnert an die historischen Präzedenzfälle: den Aktienmarktcrash von 1929, dem die große Depression in den dreißiger Jahren folgte, und das Platzen der japanischen „bubble economy“ in den frühen neunziger Jahren. Japan brauchte fast eine Dekade, um sich davon zu erholen.

Die Inflation uferte aus, als Anfang der siebziger Jahre die Bindung der Weltwährungen an den Dollar nicht mehr zu halten war. Die Märkte waren mit der US-Valuta überflutet. Als die Öl exportierenden Länder durch die Verknappung des Ölangebots weltweit die Rohstoffpreise in die Höhe trieben und die Gewerkschaften zweistellige Lohnforderungen durchsetzten, wurde eine Lohn-Preis-Spirale losgetreten. Es war ein Kraftakt, zur Preisstabilität zurückzukehren, große Wachstumseinbußen waren bis in die frühen achtziger Jahre die Folge.

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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Niedrige Zinsen verbilligen Kapital relativ zur Arbeit.

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Es sei kaum anzunehmen, dass die Währungshüter zweimal die gleichen Fehler machen würden, meint Mayer. Umso erstaunlicher ist, wie leichtfertig sie in den vergangenen Jahren Überschussliquidität geschaffen haben.

Dabei sind niedrige Zinsen nicht einmal realwirtschaftlich ein ungeteilter Segen. Sie verbilligen Kapital relativ zur Arbeit. Dauern die niedrigen Zinsen an, wird die Produktionsstruktur zu Gunsten kapitalintensiver Fertigungen verzerrt. Durch die Substitution von Arbeit durch Kapital werden Arbeitsplätze vernichtet. Bei Realzinsen von null, wie sie auch der Euro-Raum lange hatte, lohnen sich selbst Investitionen, die bei positiver realer Zinsbelastung nicht in Frage gekommen wären. Produzenten verbleiben im Markt, die ansonsten keine Chance gehabt hätten. Insgesamt kann der Markt seine „Auslesefunktion“ schlechter erfüllen. Langfristig leiden Effizienz und Wachstum der Volkswirtschaft.

Die ohnehin schnell wachsenden Finanzmärkte hat die Liquiditätsschwemme aufgebläht. Nach Angaben der BIZ hat sich von Ende 1995 bis Ende 2005 das Volumen der jährlich international begebenen Anleihen nominal von 2,7 Bill. Dollar auf knapp 14 Bill. US-Dollar gut verfünffacht. Das Welt-BIP stieg im gleichen Zeitraum gerade mal um gut 52 Prozent. Die Kapitalisierung der Börsen weltweit sprang von 10,7 Bill. Dollar auf gut 51 Bill. Dollar. Das Volumen der Geldmarktpapiere nahm von rund 151 Bill. Dollar auf über 650 Bill. Dollar zu. Seit dem Tiefpunkt des globalen Zinszyklus Mitte 2003 sind die Preise in praktisch allen Finanzmarktsegmenten zweieinhalb Jahre lang ohne große Schwankungen gestiegen. In ihren Stabilitätsberichten nennen die Notenbanken die hohe Liquidität als Ursache der meisten Risiken, die sie an den Märkten identifizieren.

Den USA kommt bei der Liquiditätsschöpfung noch eine besondere Rolle zu. Sie haben nicht nur lange durch billiges Geld im Inland Liquidität geschaffen. Sie erhöhen sie auch international durch ihr Leistungsbilanzdefizit. Um ihre Nachfrage etwa nach asiatischen Konsumgütern zu finanzieren, drucken sie Dollar. Die dadurch geschaffene Liquidität fällt in den Lieferländern an. Soweit diese die erhaltenen Beträge anlegen, zum Beispiel in US-Staatspapieren, drücken sie den langfristigen US-Zins. Aber auch dem Rest der Welt zwingt dieses Arrangement tendenziell niedrige Zinsen auf. Gegenhalten ließe sich nur um den Preis eines höheren Wechselkurses.

Mayer vermutet, dass die Notenbanken den Ausweg aus diesem Dilemma in der Reflationierung sehen. Sie ließen ganz allmählich steigende Inflationsraten zu. So betone EZB-Chef Jean-Claude Trichet immer wieder, wie wichtig es sei, dass die Inflationserwartungen fest verankert blieben. Gleichzeitig toleriere die EZB inzwischen aber eine Teuerung von deutlich über zwei Prozent. Wenn diese Theorie stimmt, werden die Bezieher fester Einkommen und die Bondmärkte die Zeche zahlen. Denn durch die Inflation verlieren die Bestände und die nominellen Erträge an Kaufkraft.


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Aus diesem Grund sind bei

 
03.01.07 17:14
mir zur Zeit Ackerland, Immobilien (nur in Deutschland) und Silber die angesagtesten Investments. Allen drei gemeinsam ist, sie sind kurzfristig nur begrenzt verfügbar. Für Immobilien und Silber gilt dies Aussage sicher nur kurzfristig, für Ackerland gilt diese Aussage hingegen immer.

Gruß

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Hobbypirat:

Ackerland wird den Wert nur steigern können

 
03.01.07 17:17
wenn Du es mal zu Bauland machen kannst.
Silber halte ich ebenfalls für ne Überlegung wert.
Bei Immobilien kann mal  auch nen Blick riskieren. Allerdings nicht in München oder
Hamburg. Standort abhängig.
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Malko07:

Ackerland?

 
03.01.07 17:19
Wer will denn noch mehr Golfplätze bauen?

;o)
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MaxGreen:

Wenn die große Korrektur kommt

 
03.01.07 17:26
dann kann man froh sein wenn man Ackerland besitzt. :))
Allerdings muss man dann die Früchte vor Diebstahl schützen. :((

Freuen wir uns auf eine Zukunft ohne Geld ( wertlosem )
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Anti Lemming:

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03.01.07 17:31
Die Hyper-Liquidität erklärt auch den Irrsinn, dass Private Equity Fonds ausgerechnet jetzt, am vermuteten Top der Aktienmarkts, wie besessen mit hohen Aufschlägen auf die Kurse Aktiengesellschaften aufkaufen. Die gleichen Firmen hätten sie vor drei Jahren für die Hälfte übernehmen können.
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2
03.01.07 19:16
Vollkommen richtig, keiner weiß wohin mit dem Geld, so sind die Blasen in der Vergangenheit entstanden und so entstehen sie auch heute wenn das Geldmengenwachstum der Realwirtschaft zu weit vorauseilt.
Aus diesem Grund investiere ich gerne in Wertstabile Gegenstände.

@MaxGreen
Ich hoffe nicht das ich eines Tages die Früchte auf dem Acker schützen muß, wobei man nie weiß wie es kommen wird. Aus diesem Grund würde ich eine Deflationierung der Blasen begrüßen. Je länger das System künstlich aufgebläht wird desto schlimmer der folgenden Fall.

@Hobbypirat
Bei Ackerland kommt es wie bei Immobilien auf den Standort an. Ich hatte nichts gegen eine gesunde Fruchtfolge von Acker- zu Kies-, Industrie- oder Bauland.

@Malko07
Ich will keine Golfplätze bauen und kann auch dem Spiel nicht viel abgewinnen, vielleicht bin ich noch zu jung für diese Art von Sport.

Gruß und noch einen schönen Abend wünscht

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Anti Lemming:

Der Irrsinn läuft aber nur so lange

 
03.01.07 20:23
bis Geld plötzlich wieder knapp und begehrt wird. Am bitteren Ende jeder Boom/Euphorie-Phase wollen alle nur noch Bar-Geld, z. B. in der Großen Depression nach dem 1929-Crash.

Einen PE-Boom gab es in den 1980-er Jahren schon mal. Er endete wie alle Blasen. Cash is king.
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Anzeige: Ist das der Durchbruch für den KI-Biotech-Geheimtipp?

Potenzial riesig, Aktie günstig!
Stöffen:

Ausweitung der Geldmenge und die Inflation

 
03.01.07 21:26

Inflation – eine Präzisierung

• Umverteilung von Vermögen
• Konjunkturzyklus

Umverteilung von Vermögen
Mit einem wunderbaren Gedankenexperiment versuchte David Hume vor mehr als 200 Jahren, die Unmöglichkeit der Wohlstandserhöhung durch die Inflationierung der Geldmenge darzulegen. Man stelle sich vor, die umlaufende Geldmenge habe sich über Nacht verdoppelt. Gäbe es deswegen mehr Produkte, mehr Wohlstand? Klarerweise nicht, denn alle Preise hätten sich über Nacht ebenso verdoppelt. Anders gesagt, die Kaufkraft jeder Währungseinheit wurde halbiert. Ein ähnliches Bild, jedoch mit gänzlich anderer Intention malte der Vater des Monetarismus, Milton Friedman. Im Notfall könne, so der Nobelpreisträger von 1976, die Wirtschaft durch das Abwerfen von Geld aus den sprichwörtlichen Helikoptern vor der Rezession geschützt werden. Der neue Vorsitzende der FED, Ben Bernanke, hat sich zu dieser Methode schon mehrmals so positiv geäußert, daß er in der Finanzwelt den Spitznamen "Helikopter-Ben" trägt.

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Cash is King solange es nicht

 
03.01.07 21:27
im Überfluß vorhanden ist. Die Druckerpresse steht jederzeit startbereit sobald es in den USA Abwärts geht.
Die Angst vor Depression und Deflation ist zu groß als das die Fed wiederstehen könnte die Märkte weiter zu fluten.

Mag sein das Edelmetalle zuvor noch durch ein Tal müssen aber sobald Inflation in der Realwirtschaft ankommt werden Edelmetalle glänzen.

Gruß

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Anti Lemming:

Permanent - Geldschwemme ist ja schon da

 
03.01.07 21:47
Die Geld-Schwemme ist ja jetzt schon da. Viel weiter als jetzt kann man den Geldhahn auch in der Krise nicht mehr aufdrehen. Ich glaube eher, wir sehen mittelfristig einen Effekt wie in den 1970-ern: Demnächst dürfte die Inflation stark anziehen - und dann wird der Fed nichts anderes übrig bleiben, als die Geldmenge durch Zinserhöhungen zu verknappen. Dann wird Cash schon wegen der hohen Zinsen zum King. 1980 gab es in USA auf Cash (in Dollars) bis zu 20 % Zinsen.

Das Kunststück, immer mehr Geld zu drucken, ohne es durch Inflation zu entwerten, wird auch Bernanke nicht gelingen. Und ewig wegrechnen lässt sich die Inflation auch nicht. Die heutigen Fed-Minutes zeigen deutlich, wie sehr die Fed um Inflation besorgt ist (sie hat auch allen Grund dazu...):



Tony Crescenzi Blog
FOMC Minutes Lean Hawkish, But Not New
By Tony Crescenzi
Street.com Contributor
1/3/2007 3:00 PM EST

The minutes to the Federal Reserve's Dec. 12 FOMC meeting read more hawkish than dovish, with the Fed emphasizing upside risks to inflation over the downside risks to economic growth. Of particular importance were the Fed's remarks on the housing market, which were much more benign than was implied by the Dec. 12 statement wherein the Fed added the word "substantial" to describe the cooling of the housing market. On the other side of the coin, one FOMC member wanted the Fed to shift from its tightening bias to a neutral directive, although the importance of this revelation is reduced by changes to the FOMC that will take place at the Jan. 31 FOMC meeting, when the composition of the Fed changes as a result of the Fed's annual rotation of Reserve Bank presidents. Also dovish was the Fed's downgrading of its assessment of the economic outlook.

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In Zeiten stark steigender

 
04.01.07 09:57
Inflationsraten ist Gold in der Vergangenheit immer ein guter Schutz gegen den Verlust der Kaufkraft gewesen. Edelmetalle sind allerdings nur eine Beimischung in meiner Anlagestrategie. Den überwiegenden Teil meines Vermögens habe ich nun in Ackerland und Immobilien angelegt.

Gruß

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Merck hat ein Milliardenproblem

 
05.01.07 09:03
HANDELSBLATT, Freitag, 5. Januar 2007, 07:57 UhrVerkauf der GenerikasparteMerck hat ein „Milliardenproblem“Der geplante Verkauf des Geschäfts mit Nachahmerpräparaten hat den Aktienkurs des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck am Donnerstag kräftig nach oben getrieben. Der Titel war mit einem Plus von gut sechs Prozent Tagesgewinner im Nebenwerteindex MDax. Doch was hat Merck mit den zu erwartenden Milliarden aus dem Verkauf eigentlich vor?Wohin mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Generikasparte? Es gibt mehrere Szenarien. Foto: dparob/lee FRANKFURT. Mit seinem Plan hat Merck nicht nur die Anleger überzeugt, sondern auch die Analysten. Mehrere Häuser stuften die Aktie am Donnerstag herauf. Die Merck-Sparte ist mit einem Umsatz von gut 1,8 Mrd. Euro die Nummer vier auf dem Weltmarkt für so genannte Generika, spielt aber auf dem deutschen Markt nur eine kleine Rolle. Das Unternehmen will sich nach dem Verkauf auf innovative Originalmedikamente konzentrieren. Das Handelsblatt hatte am Donnerstag exklusiv von den Verkaufsplänen berichtet.Das familiengeführte Unternehmen will den Verkauf noch im ersten Halbjahr 2007 abwickeln, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Das Interesse an der Sparte sei groß, obwohl Merck mögliche Käufer noch nicht mit umfassenden Informationen versorgt habe. Neben dem französischen Sanofi-Aventis-Konzern soll auch der Schweizer Novartis-Konzern, der mit seiner Sandoz-Sparte die Nummer zwei auf dem internationalen Generikamarkt ist, bereits Interesse signalisiert haben. Auch große Beteiligungshäuser denken über ein Engagement nach, heißt es in Finanzkreisen, selbst wenn sie noch nicht im Pharmabereich aktiv seien. „Die Flut an frischem Geld zwingt alle großen Private-Equity-Häuser, sich auch außerhalb ihrer Kernindustriebereiche nach Investitionsmöglichkeiten umzusehen“, heißt es in der Branche.Ein Merck-Sprecher wollte sich zu den Verkaufsplänen nicht äußern. Experten schätzen den Wert der Generikasparte auf vier Mrd. Euro. Als Berater soll Merck die US-Investmentbank Bear Stearns engagiert haben, hieß es in Finanzkreisen. Den Informationen zufolge hat Bear Stearns gute Beziehungen zur Eigentümerfamilie. Die Investmentbank habe die Familie bereits vor kurzem beim Kauf der Schweizer Biotech-Firma Serono beraten. <!--nodist-->Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was hat Merck mit den Milliarden vor? <!--/nodist-->Gleichwohl die Merck-Aktie kräftig gestiegen ist und das Urteil der Analysten positiv ausfällt, wird zumindest ein Teil der Anleger enttäuscht werden. Denn die allgemeine Begeisterung über den geplanten Verkauf basiert auf sehr unterschiedlichen Szenarien. Die einen hoffen, dass Merck den Erlös aus dem Verkauf verwendet, um die angekündigte Übernahme des Schweizer Serono-Konzerns zu refinanzieren. Damit könnte die geplante Kapitalerhöhung niedriger ausfallen.Andere rechnen damit, dass die Darmstädter den Verkaufserlös nutzen, um den Ausbau des Geschäfts mit patentgeschützten Medikamenten weiter voranzutreiben. Nach der Integration des Biotechnologie-Unternehmens Serono, über dessen Verkauf die Aktionäre heute auf einer Hauptversammlung entscheiden, könnte Merck das Geld für weitere Übernahmen von Firmen oder Produkten nutzen.„In jedem Fall ist es sinnvoll, dass das Unternehmen prüft, wie viel es mit dem Verkauf einnehmen könnte“, sagte WestLB-Analyst Andreas Theisen dem Handelsblatt. Da sich die Branche derzeit in der Konsolidierung befinde, ließen sich möglicherweise besonders hohe Preise erzielen. Bei den jüngsten Übernahmen im Sektor wurde nach Berechnungen der Investmentbank Morgan Stanley zuletzt im Schnitt das Dreifache des Jahresumsatzes gezahlt.Das Darmstädter Unternehmen, das neben Nachahmerpräparaten und Flüssigkristallen für Flachbildschirme auch patentgeschützte Originalpräparate wie das Krebsmittel Erbitux produziert, will für die Serono-Übernahme rund elf Mrd. Euro ausgeben. Für die Zwischenfinanzierung hat sich Merck jüngst einen syndizierten Bankkredit über 11,5 Mrd. Euro gesichert. Um die Schulden zu reduzieren, plant der Konzern im Frühjahr eine Kapitalerhöhung. Zudem will Merck eine Anleihe im Wert von mehr als einer Mrd. Euro begeben. „Die Anleihe könnte vom Tisch sein, wenn der Verkaufserlös hoch genug ausfällt“, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg den Kreditanalysten Jochen Schlachter von der Hypo-Vereinsbank.<!--nodist-->Lesen Sie weiter auf Seite 3: Womit Merck Geld verdient. <!--/nodist-->Die Analysten von Dresdner Kleinwort gehen dagegen davon aus, dass die geplante Kapitalerhöhung niedriger ausfällt. Möglicherweise werde die Transaktion wegen der Verkaufspläne sogar unnötig, schreibt die Investmentbank in einer Studie. Kapitalerhöhungen wirken sich im allgemeinen negativ auf den Aktienkurs aus, weil der Gewinn pro Anteilsschein durch die Verwässerung der Anteile sinkt.Ein Analyst geht dagegen davon aus, dass Merck den Erlös für weitere Zukäufe nutzt. „Die Refinanzierung steht, der Zeitplan auch – da würde es mich überraschen, wenn Merck daran wieder rüttelt“, sagte er. Angesichts der hochgesteckten Ziele, die Merck mit der Serono-Übernahme verfolge, könnten weitere Produkte zudem nicht schaden, fügte er hinzu. Merck will mit dem Zukauf zum Champion der europäischen Biotechnologiebranche avancieren.Breites PortfolioOriginalpräparate: Heute ist das Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten nur das zweitwichtigste Geschäftsfeld der Merck KGaA. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres belief sich der Umsatz der Sparte auf 1,4 Mrd. Euro. Durch die Serono-Übernahme wird sich der Umsatz mehr als verdoppeln.Chemie: Der Löwenanteil des Geschäfts entfällt derzeit auf die Chemie. Hier profitiert Merck vom Boom der Flachbildschirme. Der Umsatz lag per Ende September bei 1,6 Mrd. Euro.Generika: Mit patentfreien Nachahmerpräparaten setzte der Konzen in den ersten neun Monaten gut 1,3 Mrd. Euro um. Damit rangiert der Konzern weltweit auf Platz vier der Generikahersteller. Weitere 300 Mill. Euro entfallen auf das Geschäft mit Nahrungsergänzung, Kohletabletten und anderen freiverkäufliche Medikamenten.<!-- ISI_LISTEN_STOP -->

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Bei dem Artikel über Merck kam es mir auf

 
05.01.07 09:27
folgende Textpassage, welche den Zusammenhang mit diesem Thread aufzeigt, an:

"Auch große Beteiligungshäuser denken über ein Engagement nach, heißt es in Finanzkreisen, selbst wenn sie noch nicht im Pharmabereich aktiv seien. „Die Flut an frischem Geld zwingt alle großen Private-Equity-Häuser, sich auch außerhalb ihrer Kernindustriebereiche nach Investitionsmöglichkeiten umzusehen“, heißt es in der Branche."

Gruß

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Beteiligungsfirmen im Kaufrausch

 
08.02.07 09:27
HANDELSBLATT, Donnerstag, 8. Februar 2007, 09:15 Uhr
Übernahmen boomen

Beteiligungsfirmen im Kaufrausch

Von Peter Köhler und Robert Landgraf

„Kreditfinanzierte Übernahme“ lautet das Zauberwort auch in diesem Jahr. Peter Wallner von der BNP Paribas rechnet mit Steigerungen von bis 25 Prozent im Vergleich zu 2006. Die Bankenaufsicht beobachtet den Trend jedoch zunehmend mit Sorge.


FRANKFURT. Finanzinvestoren wollen in diesem Jahr erheblich mehr Fremdkapital einsetzen als 2006, um Firmen in Europa zu kaufen. Das Wachstum werde 20 bis 25 Prozent betragen, sagte Peter Wallner, der bei BNP Paribas in Deutschland für solche Finanzierungen (Leveraged Finance) verantwortlich ist. 2006 betrug das Finanzierungsvolumen für kreditfinanzierte Übernahmen in Europa nach Berechnungen von BNP Paribas rund 131 Mrd. Euro. Über die Hälfte des Volumens entfiel auf Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Diese Entwicklung bereitet den Bankenaufsehern zunehmend Sorgen. Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Jochen Sanio, warnte die Banken jetzt vor riskanten Finanzierungen mit hoher Hebelwirkung (Leverage), weil er Zusammenbrüche der übernommenen Firmen bei einem Konjunktureinbruch befürchtet.

Denn Kennzeichen der Leveraged Finance ist es, dass die Kredite der übernommenen Firma aufgebürdet werden. Die Unternehmen müssen die Kredite aus ihren Bareinnahmen (Cash-Flow) bedienen und Vermögenswerte verpfänden. Gerade Finanzinvestoren gehen gerne diesen Weg. Die Beteiligungsfirmen finanzieren ihren Kauf in der Regel zu zwei Dritteln bis vier Fünfteln mit Schulden.

Bei den Private-Equity-Häusern läuft das Geschäft in Deutschland auf Hochtouren. Derzeit stünden rund 50 Mrd. Euro für Käufe von deutsche Firmen bereit, beobachtet Wallner, der das Geschäft mit Leveraged Finance viele Jahre für die Hypo-Vereinsbank (HVB) geleitet hat. Vor zwei Jahren seien es noch 30 Mrd. Euro gewesen.

Joachim von Schorlemer, Deutschland-Chef von BNP Paribas, geht davon aus, dass die Deals der Private-Equity-Häuser größer werden. Die größte Transaktion in Deutschland 2006 war der Kauf des Fernsehsenders Pro Sieben Sat 1 für 5,9 Mrd. Euro durch die Finanzinvestoren Permira und KKR. Auch für Joachim Spill vom Unternehmensberater Ernst & Young ist für Finanzinvestoren "der deutsche Markt bei weitem noch nicht ausgereizt". Er verspreche sowohl ein hohes Entwicklungspotenzial als auch hohe Kapitalrenditen. Die Finanzinvestoren investierten hier zu Lande 2006 insgesamt, also an Eigen- plus Fremdkapital, 51 Mrd. Euro.

Gleichzeitig stieg die Kreditfinanzierung europaweit auf das 5,42-fache im Vergleich zum operativen Gewinn der übernommenen Firmen. Teilweise sprechen Beobachter von einem doppelt so hohen Hebel. Es habe sicherlich Exzesse gegeben warnt deshalb der Chef der Deutsche Beteiligung AG, Wilken von Hodenberg. Und die Ratingagentur Standard & Poor's sieht die außergewöhnliche Finanzkraft von Private-Equity-Gesellschaften in Europa als Grund dafür an, dass sie gewünschte Kreditkonditionen von einem Vertrag auf den nächsten übertragen könnten.

Die Banken selbst halten nach den Worten Wallners maximal 30 Prozent der arrangierten Kredite. Der Rest werde an institutionelle Investoren weiterverkauft.

Zwar gehen Top-Häuser wie BNP Paribas oder Royal Bank of Scotland und die HVB nach Experteneinschätzung bei der Kreditvergabe restriktiv vor. Allerdings warnt BaFin-Chef Sanio, der Markt habe "noch nie den Test härterer Zeiten bestehen müssen".


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Sitting Bull:

Bescheidene Frage:

 
08.02.07 09:36
Wo soll ich den Ackerland kaufen???
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Anti Lemming:

In deinem Fall

 
08.02.07 09:51
in den "great planes", als Büffel-Weide.
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>1x bewertet
Anti Lemming:

Great Plains natürlich

 
08.02.07 09:53
(die anderen baut Airbus)

en.wikipedia.org/wiki/Great_Plains

Geld überschwemmt die Märkte 81360
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MaxGreen:

Liquiditätsgetriebene Schlussrally ?

 
08.02.07 10:57
Geld überschwemmt die Märkte 3078589de.ichart.yahoo.com/b?s=%5EHSI" style="max-width:560px" >
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MaxGreen:

Rein und Raus beim HangsSeng

 
08.02.07 10:58
Geld überschwemmt die Märkte 3078592de.ichart.yahoo.com/w?s=%5EHSI" style="max-width:560px" >
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Anti Lemming:

Hand seng

 
08.02.07 11:13
= verbrannte Hand = fünf verbrannte Finger = reichlich verbrannte Kohle (demnächst).

Man schaue sich nur die Speku-Blase in China an:

http://www.ariva.de/board/281898
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MaxGreen:

HSBC - Hang Seng

 
08.02.07 11:57
Die Aktie von HSBC, das größte Schwergewicht im Hang Seng Index, bricht für seine Verhältnisse heftig ein. Sie verliert im Augenblick um 2,44 Prozent auf 140,00 HKD bei einem jetzt schon sehr hohem Volumen von 43,3 Mio. gehandelter Shares, oder 6 Mrd. HKD. Das hat zur Folge, dass der gesamte Index dadurch schwer belastet wird. Dazu kommt, dass das Schwergewicht Nummer zwei, China Mobile, ebenfalls ab gibt.
Die Bank überraschte die Analysten mit der hohen Rückstellungsrate in 2006. Diese liegt voraussichtlich mit 20 Prozent erheblich über der Schätzung von 8,8 Mrd. US Dollar. Vor allem das US-Hypotheken Geschäft belastet hier.

Scheinbar hat man es sich am Ende der Börsensitzung anders überlegt und die Aktie wieder zurückgekauft.
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>1x bewertet
permanent:

Liquiditätsschwemme führt zu irrationalen Preisen

 
16.02.07 06:34

 

HANDELSBLATT, Donnerstag, 15. Februar 2007, 20:28 Uhr

Der Fall Biomet hat die Branche aufgeschreckt

Medizintechnik lockt Investoren

Von Anna Sleegers

Angesichts hoher Wachstumsraten im Gesundheitsbereich drängen Finanzinvestoren mit Macht in den Markt für Medizintechnik und Kliniken. Der Konflikt mit den großen Konzernen der Branche ist programmiert.


Geld überschwemmt die Märkte 3096578
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Geld überschwemmt die Märkte 3096578
200038)" target=_new rel="nofollow" rel="nofollow" class="showvisited">Geld überschwemmt die Märkte 3096578Marktchancen durchleutet, Prognose positiv: Die Private-Equity-Branche drängt in den Gesundheitssektor.

FRANKFURT. „Besonders in den USA treibt das die Preise extrem in die Höhe“, sagte Medtronic-Chef Arthur Collins dem Handelsblatt. Medtronic ist mit rund 11 Mrd. Dollar Umsatz der drittgrößte Medizintechnikhersteller der Welt – noch vor dem deutschen Branchenprimus Siemens.

Mit hohen Milliardensummen stechen die Private-Equity-Häuser die etablierten Unternehmen aus und durchkreuzen damit deren Wachstumspläne. So gingen in den vergangenen Monaten die Klinikketten HCA und Capio, der Gesundheitsdienstleister Gambro und die Medizintechnikfirmen Mölnlycke und Biomet an Finanzinvestoren.

„Bis vor ein paar Jahren liefen uns bei Bieterverfahren vor allem strategische Investoren über den Weg“, sagte Medtronic-Chef Collins, der kürzlich erst vor Analysten bekannt gegeben hatte, dass er über Zukäufe auf Wachstumskurs bleiben will. Doch nun drängt die Private-Equity-Branche, die Mittelzuflüsse im dreistelligen Milliardenbereich verzeichnet, verstärkt auf den Gesundheitssektor.

Besonders der Fall Biomet hat die Branche aufgeschreckt. Der US-Hersteller von orthopädischen Implantaten war Mitte Dezember für knapp elf Mrd. Dollar von einer Investorengruppe um die Private-Equity-Gesellschaft Blackstone übernommen worden. Selbst Experten waren überrascht; denn nachdem der britische Konzern Smith & Nephew öffentlich Fusionsverhandlungen mit Biomet bestätigt hatte, schien der Verkauf an den direkten Wettbewerber ausgemachte Sache. Darüber hinaus sollen aber auch Wettbewerber wie Johnson & Johnson, mit 20 Mrd. Dollar Umsatz Weltmarktführer in der Medizintechnik, interessiert gewesen sein.

Auch in Deutschland rechnen die Unternehmen der Gesundheitsbranche damit, dass sich die Finanzinvestoren künftig noch stärker an der Konsolidierung beteiligen werden. „Wir erwarten bei der anstehenden Privatisierung weiterer Universitätskliniken, dass Finanzinvestoren mitbieten“, sagte ein Sprecher des Bad Homburger Fresenius-Konzerns, der nicht nur Medizintechnik herstellt, sondern über seine Tochter Helios auch eine der größten privaten Krankenhausgruppen Deutschlands ist. Der Branche droht ein Bieterwettstreit um die wenigen zum Verkauf stehenden Objekte.

Im Medizintechnik-Sektor hat das Engagement der Finanzinvestoren die Preise bereits heftig in die Höhe getrieben. Die Bewertungen in diesem Bereich können sich inzwischen mit den exorbitanten Kaufpreisen der Pharmabranche messen. So bewertete das Angebot der Finanzinvestoren Biomet mit dem 27fachen des Nettogewinns. Zum Vergleich: Bayer zahlte für den Pharmahersteller Schering etwa das 28fache.

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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Selbst bei banalen Wegwerfprodukten steigen die Preise

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Selbst bei den Medizinprodukten, vergleichsweise banalen Wegwerfprodukten wie Einmalhandschuhen oder Wundauflagen, steigen die Preise. So zahlte eine Investorengruppe um die schwedische Finanzholding AB Investor kürzlich das 14fache eines Jahresgewinns für das britisch-schwedische Unternehmen Mölnlycke. Die Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass sich der Konsolidierungstrend in den kommenden Monaten sogar noch verstärken wird.

Die steigenden Preise treffen besonders aufstrebende Branchengrößen wie Siemens, Philips und General Electric. Mit spektakulären Zukäufen bewegen sie sich aus den Nischen heraus und haben das erklärte Ziel, als Komplettanbieter für die großen Kliniken aufzutreten. „Dort haben wir Potenzial für kontinuierliches Wachstum“, verkündete jüngst Philips-Chef Gerard Kleisterlee.

Die Zukäufe bringen den Unternehmen nicht nur Größenvorteile, sie reduzieren auch das Risiko. Denn obwohl der Medizintechniksektor relativ konjunkturabhängig ist, drohen sich mit jeder gesundheitspolitischen Entscheidung über die Erstattungsfähigkeit von Therapien Massenmärkte über Nacht in Luft aufzulösen. „Risikostreuung bleibt ein Thema für uns“, betont Medtronic-Chef Collins. „Aber Übernahmen um jeden Preis wird es bei uns nicht geben.“

Hintergrund: Verdienen mit Medizin

Kliniken: Eine weltweite Welle von Privatisierungen im Gesundheitswesen und die steigende Lebenserwartung der Menschen in Industrie- und Schwellenländern versprechen Investoren sichere Wachstumschancen.

Medizintechnik: Attraktiv für Investoren ist es, dass in der Medizintechnik im Vergleich zur Pharmaindustrie das Entwicklungsrisiko weit geringer ist.

Systemanbieter: Das Ziel vieler Anbieter ist es, ihren Kunden durch Zukäufe das komplette Programm zu bieten, von der Prävention über die Diagnostik bis zur Therapie.


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