ENERGIE- UND FINANZKRISE
Fed-Chef Bernanke sieht erhebliches Risiko für US-Konjunktur
Der Dow Jones trudelt, der Dax stürzt auf ein Zweijahrestief - und US-Notenbankchef Bernanke gibt düstere Konjunkturprognosen: Er sieht in der derzeitigen Energie- und Kreditkrise ein "erhebliches" Wirtschaftsrisiko. Die steigende Inflation schaffe zusätzlich Unsicherheit.
Hamburg - Erst Deutschland, jetzt die USA: Nach dem rekordverdächtig schlechten Konjunkturbarometer-Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mehren sich auch in den Vereinigten Staaten die schlechten Konjunkturprognosen. Selbst US-Notenbankchef Ben Bernanke spricht inzwischen davon, dass die US-Konjunktur von großen Risiken bedroht sei.
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Börsianer in Chicago (März 2008): Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden
Möglicherweise weiterhin steigende Energiepreise, schwierige Kreditbedingungen und eine Verschärfung der Immobilienkrise stellten ein "erhebliches" Risiko für die Wachstumsaussichten dar, sagte Bernanke am Dienstag vor einem US-Kongressausschuss. Zudem sei die Entwicklung der Inflation von "erheblicher Unsicherheit" geprägt.
Die Teuerung könne eine Preis- und Lohnkostenspirale in Gang setzen. "Die gegenwärtig hohe Rate der Inflation könnte bewirken, dass die Erwartungen der Öffentlichkeit an eine längerfristige Inflation steigen", sagte Bernanke. "Sollte dies geschehen und sollten sich diese revidierten Erwartungen im einheimischen Lohnniveau und der Preissetzung niederschlagen, könnten wir längerfristig ein unwillkommenes tatsächliches Steigen der Inflationsrate sehen."
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Trotz dieser Befürchtungen hat die Fed ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft leicht nach oben korrigiert. Man gehe nun von einem Wachstum von 1,0 bis 1,6 Prozent aus, sagte Bernanke. Diese Prognose sei aber mit einem "hohen Maß an Unsicherheit" behaftet. Im April hatte die Fed noch 0,3 bis 1,2 Prozent prognostiziert.
Dass die Finanzmarktkrise noch lange nicht ausgestanden ist, zeigen die heutigen Turbulenzen an den internationalen Aktien- und Devisenmärkten. Der Deutsche Aktienindex Dax sackte am Nachmittag auf ein Zweijahrestief unter die Marke von 6100 Zählern, bei Börsenschluss lag er bei 6081 Zählern mit 1,91 Prozent im Minus. Bis zum Nachmittag gab das wichtigste deutsche Börsenbarometer 2,25 Prozent nach. Der Dow Jones rauschte kurz nach Handelseröffnung an der Wall Street um 99 Punkte nach unten.
Vor allem Finanzwerte blieben in den USA unter Druck. Allen voran rutschten Aktien des Versicherers American International Group um über neun Prozent ab und notierten erstmals seit Oktober 1995 zeitweise unter 20 Dollar. Ein Analyst von Wachovia Capital Markets hatte die Aktien wegen Sorgen um das Kreditportfolio des Versicherers abgestuft und die Prognosen gesenkt. Bankwerte zählten ebenfalls zu den Verlierern. Die Aktien der Bank of America , von JPMorgan und der Citigroup verloren über fünf Prozent.
Börsianern zufolge fürchten viele Anleger, dass das von der US-Regierung und der Notenbank geschnürte Rettungspaket für die ins Trudeln geratenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac
Aktienmärkte weltweit im Minus
Auch an den anderen Aktienmärkten ging es abwärts: Der FTSE in London gab bis zum Mittag 1,3 Prozent nach und der CAC40 in Frankreich 1,5 Prozent. Der Swiss Market Index (SMI) sackte vorübergehend unter die Marke von 6500 Punkten, was letztmals Ende August 2005 der Fall gewesen war.
Zuvor hatten schon die Börsen in Asien mit teils deutlichen Verlusten geschlossen. In Hongkong brach der Hang Seng gut 3,8 Prozent ein, der Nikkei in Tokio verlor knapp zwei Prozent.