das hier ist ein Brief, den ich anlässlich einer Jahreshauptveranstaltung dem Finanzvorstand zugesendet habe. Ursache war die Diskussion eines "Aktionärsschützers" der darauf bestanden hat, es müsse wesentlich mehr Dividende ausgeschüttet werden. Weiterhin habe ich dir unten einen Link zu einem bereits bestehenden Thread gesetzt der sich mit diesem Thema befasst. Aus diesen Postings geht mein Standpunkt deutlich hervor, denn ich glaube nicht an die sogenannte Dividendestrategie, da sie nur einen Teilbereich abdeckt das Ganze aber außer Betracht läßt. Aber zuerst der Brief:
Dividendenpolitik
Die Dividendenpolitik wird gegenüber Aktionären oft erwähnt, aber selten erklärt. Ein Unternehmen wird etwas sagen wie: „Unser Ziel ist es, 40 bis 50% der Gewinne auszuschütten und die Dividende mindestens mit der Rate zu erhöhen, mit der das allgemeine Preisniveau steigt.“ Und das war´s dann – es wird keine Erklärung geliefert, warum gerade diese besondere Politik die beste für die Eigentümer des Unternehmens ist. Doch die Verwendung des Kapitals ist wesentlich für das Management des Unternehmens und der Investitionen. Weil das so ist, glauben wir, dass Manager und Eigentümer sehr genau darüber nachdenken sollten, unter welchen Umständen Gewinne einbehalten und unter welchen sie ausgeschüttet werden sollten.
In vielen Unternehmen – insbesondere in solchen mit hohem Verhältnis von Aktiva zu Gewinn ( asset / profit ratio) – führt die Inflation dazu, dass der gesamte ausgewiesene Gewinn oder ein Teil davon ein verfälschter Gewinn ist. Der verfälschte Anteil – nennen wir ihn blockierten Gewinn – kann nicht als Dividende ausgeschüttet werden, wenn das Unternehmen seine wirtschaftliche Position behalten soll. Würde dieser Gewinn ausgeschüttet, verlöre das Unternehmen in einem der folgenden Bereiche an Boden: seiner Fähigkeit, die Absatzmenge zu halten, seiner langfristigen Wettbewerbsposition, seiner Finanzkraft. Ganz egal wie konservativ seine Ausschüttungsquote ist – ein Unternehmen, das beständig eingeschränkte Gewinne ausschüttet, ist dem Untergang geweiht, wenn es nicht anderweitig Eigenkapital aufnimmt.
Die freien nicht blockierten Gewinne können mit der gleichen Machbarkeit einbehalten oder ausgeschüttet werden. Unserer Meinung nach sollte das Management entscheiden, welcher Kurs für die Eigentümer des Unternehmens mehr Sinn macht.
Dieses Prinzip wird nicht allgemein anerkannt. Aus einer Vielzahl von Gründen gefällt es Managern, freie, problemlos ausschüttbare Gewinne gegenüber den Aktionären zurückzuhalten – um das Unternehmensimperium, über das sie herrschen zu erweitern, um aus einer außergewöhnlichen komfortablen Finanzlage heraus zu handeln usw. Aber wir glauben, es gibt nur einen gültigen Grund für die Einbehaltung von Gewinnen. Frei Gewinne sollten nur dann einbehalten werden, wenn es eine vernünftige Aussicht gibt – vorzugsweise untermauert durch Erfahrungswerte oder, soweit angemessen, durch eine durchdachte Analyse der Zukunft -, dass für jeden Euro, den das Unternehmen einbehält, wenigstens ein Euro Marktwert für den Eigentümer geschaffen wird. Das wird nur dann geschehen, wenn das einbehaltene Kapital zusätzliche Gewinne erwirtschaftet, die mindestens so hoch sind wie die generell für Investoren erzielbaren.
Um das zu illustrieren, nehmen wir an, ein Investor besitze eine risikolose, unendlich laufende 10%ige Anleihe mit einer sehr ungewöhnlichen Eigenschaft. Jedes Jahr kann der Investor wählen, ob er seine 10% Zinsen in bar haben will oder sie wieder in 10%ige Anleihen mit denselben Bedingungen investiert; das heißt unendliche Laufzeit und jährlich dieselbe Möglichkeit, zwischen Zinsauszahlung und Reinvestition zu wählen. Falls in irgendeinem Jahr der maßgebliche Zins auf langfristige, risikolose Anleihen 5% beträgt, wäre es dumm, wenn sich der Investor seine Zinsen in bar auszahlen ließe, weil die 10%ige Anleihe, die er statt dessen wählen könnte, erheblich mehr als 100 Cent pro Euro wert wäre. Unter diesen Umständen sollte der Investor, der Bargeld in die Hände bekommen möchte, für die Zinsen zusätzliche Anleihen nehmen und diese dann sofort verkaufen. Auf diese Weise erhält er mehr Geld, als wenn er sich die Zinsen direkt bar auszahlen ließe. Angenommen, alle Anleihen würden von rationalen Investoren gehalten, würde sich im bereich von 5% keiner für Geld entscheiden, nicht einmal die Anleiheninhaber, die das Geld zum Lebensunterhalt brauchen.
Wenn die Zinssätze jedoch bei 15% lägen, würde kein vernünftiger Investor wollen, dass man sein Geld zu 10% für ihn investiert. Statt dessen würde er sich dafür entscheiden, seine Zinsen in bar zu nehmen, selbst wenn sein persönlicher Geldbedarf null wäre. Der umgekehrte Weg – Reinvestition der Zinsen – würde ihm zusätzliche Anleihen verschaffen, deren Marktwert weit unter dem Barbetrag liegt, den er wählen könnte. Falls er 10%ige Anleihen wollte, kann er einfach das Bargeld, das er erhalten hat, nehmen und sie am Markt kaufen, wo sie mit einem hohen Abschlag zu bekommen sein werden.
Eine ähnliche Analyse wie die unseres hypothetischen Anleiheninhaber ist für die Eigentümer angemessen, die darüber nachdenken, ob die freien Gewinne eines Unternehmens einbehalten oder ausgeschüttet werden sollen. Natürlich ist die Analyse viel schwieriger und anfällig für Fehler, weil die Renditen auf die reinvestierten Gewinne keine vertraglich festgelegten Größen wie in unserem Anleihefall sind, sondern schwankend. Die Eigentümer müssen schätzen, wie hoch die durchschnittliche Rendite mittelfristig in der Zukunft liegen wird. Wenn jedoch erst einmal eine begründete Schätzung vorliegt, ist der Rest der Analyse einfach:
Wir würden uns eine Reinvestition der Gewinne wünschen, wenn zu erwarten ist, dass dies hohe Renditen erwirtschaften wird, und wir werden uns die Ausschüttung der Gewinne wünsche, wenn das Ergebnis der Reinvestition wahrscheinlich niedrige Renditen sein werden.
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