Vom Erfahrungsschatz der Gurus profitieren
"Greife nie in ein fallendes Messer" oder "Kaufen wenn die Kanonen donnern" - mit Hilfe von Börsenweisheiten können Anleger am Erfahrungsschatz vieler Generationen von Börsianern teil haben. Die Zahl der Börsensprüche ist nahezu unerschöpflich, doch sie geben den Anlegern nicht nur Rat, sondern sorgen mitunter auch für Verwirrung.
Einige der Weisheiten beschreiben gerade den Verlauf der letzten Jahre an den Finanzmärkten ausgezeichnet: "Gier frisst Hirn" - eine Erfahrung die viele Anleger im Frühjahr 2000 gemacht haben. "Die Börse ist keine Einbahnstrasse" - das gilt ebenso für das Ende des Aufwärtstrends im März 2000 als auch für die Trendwende im Oktober 2002.
Auch ein Spruch der Investmentlegende Warren Buffet trifft ins Schwarze: "Forecasts usually tell us more of the forecaster than of the future." Wer sich an die abgehobenen Business-Pläne vieler inzwischen gescheiterter Jung-Manager aber auch zahlreicher Fehlprognosen von Analysten - die wie sich inzwischen herausstellt, oft nicht ganz uneigennützig waren - erinnert, wird zustimmen.
Und In Anbetracht der fast ausschließlich optimistischen Kommentare zum Börsengeschehen im Frühjahr 2000 und dem tiefen Pessimismus im Oktober 2002 muss man John Templeton beipflichten: "Die Zeit des größten Pessimismus ist die beste Zeit des Kaufens, die Zeit des größten Optimismus ist die beste Zeit zu verkaufen."
Kostolany hat nicht immer recht
In unnachahmlicher Weise hat es der Börsenaltmeister Andre Kostolany verstanden, das Geschehen an den Finanzmärkten in Schlagworte zu packen. Er gehört daher zu den meist zitierten Börsenexperten. Mit vielen seiner Aussprüche trifft er den Nerv der Aktienmärkte.
Während viele Experten derzeit den Kopf über den Kursanstieg trotz der schlechten Konjunkturdaten schütteln, erklärte Kostolany diesen Sachverhalt schon vor Jahren: "Der Aktienmarkt verhält sich zur Wirtschaft wie der Hund zum Spaziergänger, er läuft oft voraus, kommt aber immer wieder zurück." Aktien und die Wirtschaft laufen langfristig also immer gleich. Derzeit nehmen die Börsen viel von einer erhofften konjunkturellen Trendwende voraus. Tritt diese nicht ein, sieht es bitter für die weitere Kursentwicklung aus.
Ein anderer Spruch des Börsenaltmeisters muss da schon deutlich kritischer gesehen werden. Wer seinen Rat "In die Apotheke gehen, Schlaftabletten kaufen, sie einnehmen, eine Palette erstklassiger internationaler Aktien kaufen, den Wecker auf vier Jahre einstellen und dann schlafen", befolgt hat, verlor in den letzten Jahren massiv Geld und dürfte Jahre brauchen, um wieder in die Gewinnzone zu kommen.
Etliche Widersprüche
Nicht immer sind die Ratschläge eindeutig. In Anbetracht der Vielzahl an Börsenweisheiten kommt es oft zu Wiedersprüchen. So heißt es etwa: "Greife nie in ein fallendes
Messer", gleichzeitig wird aber zum "Antizyklischen Handeln" aufgerufen. Grund für die auseinander driftenden Meinungen dürften unterschiedliche Anlagestrategien sein. Bei soliden Weltmarktführern stellen Kursrückgänge oft eine langfristig ausgezeichnete Kurschance dar. Bei Technologieaktien haben sich extreme Kursrückschläge in den letzten Jahren aber in der Regel als Vorzeichen für teilweise Existenz bedrohende Probleme herausgestellt.
In die gleiche Kategorie fällt das Paar "Gewinne laufen lassen" und "An Gewinnmitnahmen ist noch niemand gestorben". Die Anleger müssen sich selbst entscheiden, welcher Philosophie sie Glauben schenken.
Nur eine Plattitüde ist der Spruch "Billig kaufen - teuer verkaufen". Das ist zwar der Traum aller Anleger, gelingt aber praktisch keinem.
Fazit:
Die Widersprüche zeigen, dass für Investoren - je nach Anlagestrategie - nicht alle Börsenweisheiten gute Ratschläge liefern. Oft geben sie nur eine grobe Richtung vor, die Feinjustierung für ihrer jeweilige Börsenstrategie müssen die Anleger selbst vornehmen.
Dass Börsenweisheiten über die herben Verluste der vergangenen Jahre hinweg trösten und Hoffnung auf die Zukunft machen können, zeigt noch einmal ein Zitat von Kostolany: "Börsengewinne sind Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld."
© 03.12.2002 www.stock-world.de [1]
"Greife nie in ein fallendes Messer" oder "Kaufen wenn die Kanonen donnern" - mit Hilfe von Börsenweisheiten können Anleger am Erfahrungsschatz vieler Generationen von Börsianern teil haben. Die Zahl der Börsensprüche ist nahezu unerschöpflich, doch sie geben den Anlegern nicht nur Rat, sondern sorgen mitunter auch für Verwirrung.
Einige der Weisheiten beschreiben gerade den Verlauf der letzten Jahre an den Finanzmärkten ausgezeichnet: "Gier frisst Hirn" - eine Erfahrung die viele Anleger im Frühjahr 2000 gemacht haben. "Die Börse ist keine Einbahnstrasse" - das gilt ebenso für das Ende des Aufwärtstrends im März 2000 als auch für die Trendwende im Oktober 2002.
Auch ein Spruch der Investmentlegende Warren Buffet trifft ins Schwarze: "Forecasts usually tell us more of the forecaster than of the future." Wer sich an die abgehobenen Business-Pläne vieler inzwischen gescheiterter Jung-Manager aber auch zahlreicher Fehlprognosen von Analysten - die wie sich inzwischen herausstellt, oft nicht ganz uneigennützig waren - erinnert, wird zustimmen.
Und In Anbetracht der fast ausschließlich optimistischen Kommentare zum Börsengeschehen im Frühjahr 2000 und dem tiefen Pessimismus im Oktober 2002 muss man John Templeton beipflichten: "Die Zeit des größten Pessimismus ist die beste Zeit des Kaufens, die Zeit des größten Optimismus ist die beste Zeit zu verkaufen."
Kostolany hat nicht immer recht
In unnachahmlicher Weise hat es der Börsenaltmeister Andre Kostolany verstanden, das Geschehen an den Finanzmärkten in Schlagworte zu packen. Er gehört daher zu den meist zitierten Börsenexperten. Mit vielen seiner Aussprüche trifft er den Nerv der Aktienmärkte.
Während viele Experten derzeit den Kopf über den Kursanstieg trotz der schlechten Konjunkturdaten schütteln, erklärte Kostolany diesen Sachverhalt schon vor Jahren: "Der Aktienmarkt verhält sich zur Wirtschaft wie der Hund zum Spaziergänger, er läuft oft voraus, kommt aber immer wieder zurück." Aktien und die Wirtschaft laufen langfristig also immer gleich. Derzeit nehmen die Börsen viel von einer erhofften konjunkturellen Trendwende voraus. Tritt diese nicht ein, sieht es bitter für die weitere Kursentwicklung aus.
Ein anderer Spruch des Börsenaltmeisters muss da schon deutlich kritischer gesehen werden. Wer seinen Rat "In die Apotheke gehen, Schlaftabletten kaufen, sie einnehmen, eine Palette erstklassiger internationaler Aktien kaufen, den Wecker auf vier Jahre einstellen und dann schlafen", befolgt hat, verlor in den letzten Jahren massiv Geld und dürfte Jahre brauchen, um wieder in die Gewinnzone zu kommen.
Etliche Widersprüche
Nicht immer sind die Ratschläge eindeutig. In Anbetracht der Vielzahl an Börsenweisheiten kommt es oft zu Wiedersprüchen. So heißt es etwa: "Greife nie in ein fallendes
Messer", gleichzeitig wird aber zum "Antizyklischen Handeln" aufgerufen. Grund für die auseinander driftenden Meinungen dürften unterschiedliche Anlagestrategien sein. Bei soliden Weltmarktführern stellen Kursrückgänge oft eine langfristig ausgezeichnete Kurschance dar. Bei Technologieaktien haben sich extreme Kursrückschläge in den letzten Jahren aber in der Regel als Vorzeichen für teilweise Existenz bedrohende Probleme herausgestellt.
In die gleiche Kategorie fällt das Paar "Gewinne laufen lassen" und "An Gewinnmitnahmen ist noch niemand gestorben". Die Anleger müssen sich selbst entscheiden, welcher Philosophie sie Glauben schenken.
Nur eine Plattitüde ist der Spruch "Billig kaufen - teuer verkaufen". Das ist zwar der Traum aller Anleger, gelingt aber praktisch keinem.
Fazit:
Die Widersprüche zeigen, dass für Investoren - je nach Anlagestrategie - nicht alle Börsenweisheiten gute Ratschläge liefern. Oft geben sie nur eine grobe Richtung vor, die Feinjustierung für ihrer jeweilige Börsenstrategie müssen die Anleger selbst vornehmen.
Dass Börsenweisheiten über die herben Verluste der vergangenen Jahre hinweg trösten und Hoffnung auf die Zukunft machen können, zeigt noch einmal ein Zitat von Kostolany: "Börsengewinne sind Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld."
© 03.12.2002 www.stock-world.de [1]