Dax-Konferenz: Infos für handverlesene Insider?

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Dax-Konferenz: Infos für handverlesene Insider?

 
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Dax-Konferenz

Infos für handverlesene Insider?

Eine Investorenkonferenz der Deutschen Bank sorgt an der Börse für Aufregung. Eine handverlesene Gruppe von Analysten und Fondsmanagern soll auf der Veranstaltung exklusive Informationen über deutsche Top-Unternehmen erhalten haben. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel ermittelt.

 

Frankfurt am Main - Auf der dreitägigen Veranstaltung, die seit Mittwoch unter Ausschluss der Presse stattfindet, präsentieren sich nach Angaben von Marktteilnehmern nahezu alle Dax-30-Unternehmen. Zugelassen seien dabei lediglich hundert internationale Analysten und Fondsmanager.

"Dieser kleine Kreis erhält Informationen, die kursbewegend sind", so ein Börsenhändler. Gerade am Mittwoch habe man deutlich sehen können, wie die Aktien von Deutsche Telekom , Infineon , Epcos oder Software AG nach positiven Aussagen der Vorstände auf eben dieser Konferenz stark gestiegen seien. "Es ist schon sehr seltsam, dass nur sehr wenig dieser wichtigen Nachrichten in den Markt kommt", so ein weiterer Händler.

Starke Kursbewegungen bei der Commerzbank

Am Donnerstag hätten unter anderem Commerzbank , Allianz , SAP , MLP und Preussag auf der Tagesordnung gestanden. Auch dort habe es Informationen gegeben, die, vor allem bei der Commerzbank, für überproportionale Kursgewinne gesorgt hätten. "Überall wird davon geredet, dass das Vertrauen in die Börsen wiederhergestellt werden müsse. Aber eine solche exklusive Veranstaltung, auf der auch noch wirklich interessante Neuigkeiten verbreitet werden, konterkariert doch die ganzen Bemühungen", sagt ein Analyst.

Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte zwar, dass viele Dax-Unternehmen sich auf der Konferenz vorstellten, eine Liste diese Unternehmen wollte er aber nicht zur Verfügung stellen. Die Deutsche Bank hält die Aufregung um die von ihr veranstaltete Investorenkonferenz für unbegründet. Die Veranstaltung sei ein Forum, auf dem von Unternehmen bereits Bekanntes einem Publikum von institutionellen Investoren nochmals erläutert werde, so der Sprecher. Wirklich neue Informationen habe es nicht gegeben, fügte er hinzu. Die Idee der Konferenz sei vielmehr, ausländischen Investoren die Gelegenheit zu geben, in kurzer Zeit möglichst viele deutsche Vorstände kennenzulernen.

Die Börsenaufsicht ermittelt bereits

Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BAWe) ist sich offenbar nicht ganz so sicher, dass den aus New York und London eigens angereisten Profis auf der Frankfurter Konferenz lediglich Altbekanntes aufgetischt wurde. Die Behörde hat inzwischen offiziell eine Untersuchung eingeleitet. Man prüfe die Konferenz im Hinblick auf mögliche Ad-hoc-Verstöße, sagte eine Behördensprecherin. Zugleich würden mögliche insiderrechtliche Aspekte untersucht, fügte sie hinzu. Das BAWe werde als nächsten Schritt nun Informationen von den betroffenen Unternehmen einholen, nach deren Präsentationen sich Kursbewegungen ergeben hatten.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Vereinigte Wirtschaftsdienste stellen sich auf der Konferenz am Donnerstag noch ConSors , AWD , AMB Generali, Deutsche Post , Bayer , Lufthansa , MAN , Stinnes , Continental , Südzucker , Preussag , RWE und DaimlerChrysler vor. Der Freitag gehört angeblich weitgehend Unternehmen des Neuen Marktes.

In den USA sind solche "Kamingespräche" unter Ausschluss der Öffentlichkeit bereits seit einiger Zeit verboten. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte im August 2000 die so genannte Regulation Fair Disclosure (RFD) eingeführt. Diese sieht vor, dass Journalisten, Kleinanleger und andere Interessierte Zugang zu Telefonkonferenzen oder Veranstaltungen erhalten müssen, auf denen Manager den Finanzprofis Rede und Antwort stehen. Inzwischen lassen sich die "conference calls" amerikanischer Unternehmen im Internet verfolgen - ohne Beschränkungen und für jeden einsehbar.

Zumindest mit der SEC werden die in Frankfurt vertretenen Unternehmen keine Probleme bekommen. Wie ein SEC-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte, gilt die RFD-Regelung für in New York zweitnotierte deutsche Unternehmen nicht.

Von Thomas Hillenbrand  


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