Das Kapital: Warum jetzt alle nach Japan schauen

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Das Kapital: Warum jetzt alle nach Japan schauen Brummer

Das Kapital: Warum jetzt alle nach Japan schauen

 
#1
Wo Schatten ist, da ist auch Licht. Selbst am japanischen Aktienmarkt ist in den 90er Jahren dreimal die Sonne aufgegangen, mit Kursgewinnen von 40 bis 65 Prozent.

Die Bärenrallys sind immer mit einem Umschwung der globalen Produktion zusammen gefallen. Jedesmal hat Nippons Börse den Rest der entwickelten Welt überflügelt. Fundamental lassen sich die starken Ausschläge der japanischen Börse damit erklären, dass auch die Wirtschaft deutlich stärker schwankt als etwa die amerikanische. Japan profitiert jetzt von der Erholung in den USA und den anderen Ländern Asiens, die ebenfalls empfindlich auf die weltwirtschaftlichen Schwingungen reagieren und wohin 40 Prozent der Exporte gehen. Auch wenn die ersten Tage im Februar schwach waren: Im Januar sind die Exporte um 8,5 Prozent gegenüber Dezember gestiegen - und im Februar soll die Industrieproduktion ersten Angaben zufolge um fünf Prozent gewachsen sein.

Globale Investoren werden sich erinnern, wie weh es tun kann, in Japan untergewichtet zu sein, wenn die Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes oder der Ifo drehen. Sicher: Wegen der Deflation, der Verschuldung und der faulen Kredite bleibt die Wirtschaft fundamental sehr schwach. Wie das so genannte Anti-Deflationsprogramm gezeigt hat, ist die Not auch noch nicht groß genug, als dass die zerstrittene Regierung gehaltvolle Maßnahmen auf den Weg bringen würde. Von einem Bullenmarkt kann daher nicht die Rede sein, zumal der Zyklus wegen der US-Ungleichgewichte ja auch im Westen ein zweites Mal zu kippen droht.

Die von der japanischen Regierung enttäuschten Anleger mögen deshalb diesmal etwas vorsichtiger sein, auch weil kein neues Fiskalprogramm aufgelegt wird, durch das die Erholung untermauert werden würde. Aber mit der Drohung, gegen Leerverkäufe anzugehen, hat die Regierung die Investoren auf dem falschen Fuß erwischt. CSFB meint, dass die Anleger, gemessen am Put/Call-Verhältnis und an den offenen Terminpositionen, ohnehin auf fallende Kurse eingestellt sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie es mit der Angst zu tun bekommen und weitere Leerverkäufe eindecken, ist daher hoch.

Obwohl die Zentralbank noch mehr Geld drucken wird und die Bonität Japans auf der Kippe steht, sollte die Währung zumindest fürs Erste keinen Strich durch die Rechnung der Anleger machen. Wenn sie tatsächlich japanische Aktien nachfragen, werden sie auch Yen nachfragen. Die Wette könnte also aufgehen. Aber sie ist riskant und als kurzfristig zu begreifen - nicht zuletzt wegen der geopolitischen Unwägbarkeiten, von denen im Moment niemand etwas wissen will, die aber noch Schatten werfen könnten.

BNP Paribas

Zwei Jahre nach der Übernahme von Paribas scheint BNP wie ein Gott zu leben - nicht in Frankreich, dafür aber im Rest der Welt. Im internationalen Geschäft mit Privat- und Kleinkunden ist der Gewinn vor Steuern 2001 um 33 Prozent gewachsen. Der Kauf von BancWest hat sich gelohnt. Durch die gerade genehmigte Übernahme der United California Bank (UCB) wird profitables Geschäft in Kalifornien weiter gestärkt. Das Privatkundengeschäft in Frankreich hat mit dem Ertragsplus von 9,1 Prozent vor Steuern viele enttäuscht. Aber die Erwartungen waren überzogen, nach den zumindest für diesen Bereich sehr guten Zahlen von Crédit Lyonnais und Société Générale. Was da verloren wurde, hat der französische Marktführer in anderen Segmenten zudem locker aufgeholt.

Projektfinanzierung und Anleihengeschäft aus dem Paribas-Nachlass haben sich prima entwickelt. Das hat Verluste im Aktienhandel und der Unternehmensberatung (Corporate Finance) weitgehend ausgeglichen. BNP bleibt die sicherste Wette im französischen Bankensektor. Die Risikovorsorge ist im vierten Quartal nur um 10,8 Prozent gestiegen. So glimpflich sind die wenigsten Banken davon gekommen.

Insgesamt lag der operative Gewinn elf Prozent über dem Vorjahr, womit noch vor wenigen Wochen die Wenigsten gerechnet hätten. So konnte der auf Grund von Einmal-Effekten aufgeblähte Nettogewinn des Vorjahrs beinahe wieder erreicht werden. Indes ist die Aktie bereits nach den guten Zahlen der Mitbewerber prima gelaufen. Die Bewertung mit dem 11,9fachen des Gewinns liegt nur noch gut zehn Prozent unter dem europäischen Schnitt.

BNP wird von einem eventuellen Aufschwung weniger profitieren als die Mitbewerber, schon allein auf Grund der schwachen Abhängigkeit vom zyklischen Investmentbanking. Von UCB ist 2002 lediglich ein Ergebnisbeitrag von gut 130 Mio. Euro zu erwarten, was kaum ins Gewicht fällt. Ohne weitere Übernahmen ist kaum mit Gewinnwachstum zu rechnen. Und das ist noch nichts gegen die Gefahr, dass BNP demnächst doch noch übermütig wird und beim nächsten Zukauf mehr auf das Prestige als die Profitabilität achtet. Letztlich leben französische Halbgötter selten bescheiden.



© 2002 Financial Times Deutschland


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