Das Kapital: Vodafone einen Blick wert

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Das Kapital: Vodafone einen Blick wert Brummer

Das Kapital: Vodafone einen Blick wert

 
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Das Kapital: Zum aktuellen Kurs ist Vodafone einen Blick wert

Die wohl treffendste Börsenweisheit besagt, dass man kaufen muss, wenn die Stimmung schlecht ist. Unter diesem Gesichtspunkt ist Vodafone langsam einen Blick wert. Die Aktie des weltgrößten Mobilfunkbetreibers nähert sich dem Tief vom September, von dem aus der Kurs bis Dezember um rund die Hälfte gestiegen war.

Für die schlechte Stimmung gegenüber Vodafone und den meisten anderen Telekomwerten gibt es gute Gründe - nicht nur, dass sich die Schätzungen der Analysten der Realität nähern. In Europa war mit dem zurückgehenden Kundenwachstum ohnehin zu rechnen. Dass in den vergleichsweise wenig gesättigten Märkten USA und Japan zuletzt weniger Kunden als erwartet hinzu gewonnen werden konnten, ist hingegen enttäuschend. Vodafone selbst kalkuliert für das im April beginnende Geschäftsjahr 2003 nur noch mit einem Kundenzuwachs von weniger als zehn Prozent. Die Einführung neuer Datendienste auf Basis von GPRS und UMTS wird derweil ständig verschoben.

Obwohl Vodafone nach wie vor nicht gerade zum Schreien billig ist, dürfte all das langsam im Kurs drin sein. Die Bewertung jedenfalls sieht mit jedem Pence vernünftiger aus, den die Aktie verliert. Die Briten zählen fast in allen Regionen zu den Marktführern und können daher Größenvorteile erzielen. Die von den Analysten unterstellte bereinigte Netto-Umsatzrendite von über zehn Prozent ist daher nicht unrealistisch. Bei einem für das Geschäftsjahr 2003 geschätzten anteiligen Umsatz von rund 34 Mrd. £ läuft das auf ein bereinigtes KGV von etwa 23 hinaus. Gemessen an den Wachstumschancen ist das vertretbar. Immerhin telefoniert in Japan und den USA bislang nur rund die Hälfte der Bevölkerung mobil.

Die große Unbekannte bleibt die Entwicklung der durchschnittlichen Einnahmen pro Kunde, die zuletzt stagnierten und so zum Kursverfall beigetragen haben. Die Gefahr ist, dass die Preise für herkömmliche Telefondienste in den kommenden Jahren weiter in Richtung ihrer kaum vorhandenen Grenzkosten fallen, wie das auf Wettbewerbsmärkten üblich ist. Ob die neuen Datendienste das ausgleichen könnten, weiß bisher niemand. Mit einem Umsatzanteil von bisher zehn Prozent liegt Vodafone gut im Rennen, und das Beispiel Japan zeigt, dass Interesse da ist.

Aber dieses Risiko trifft auf alle Anbieter zu. Dass Vodafone nur wie der Schnitt des Mobilfunksektors notiert, scheint nicht ganz fair. Die Briten sind mit gut 13 Mrd. £ vergleichsweise tragbar verschuldet. Und im Gegensatz zu anderen bleibt ihnen sogar nach Zinsen, Steuern, Dividenden und Investitionen noch etwas in der Kasse übrig.

General Motors

Der neue Hoffnungsträger von General Motors , Bob Lutz, hat zu seinem 70. Geburtstag nette Geschenke erhalten. Die US-Konjunktur stabilisiert sich, der Marktanteil von GM ebenso. Das verspricht gute Nachfrage für die geplante Wandelanleihe und rechtfertigt die neue Gewinnprognose von 3,50 $ pro Aktie.

Nach den Enttäuschungen der letzten Jahrzehnte sind die Aktionäre schon für kleine Freuden dankbar. Seit 1981 baut der Autogigant so beständig wie erfolglos um. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen jedes zweite amerikanische Auto aus der GM-Familie stammte und das Unternehmen den höchsten Wert an der New Yorker Börse hatte. Was gut für GM ist, ist also längst nicht mehr so gut für Amerika, wie 1952 von GM-Chef Charles Wilson behauptet.

Dagegen gilt der Umkehrschluss noch immer: GM bleibt eine prima Wette auf die amerikanische Konjunktur. In den Rekordjahren 1999 und 2000 hat das Unternehmen etwa 8,50 $ pro Aktie verdient. Selbst das entsprach nur etwa drei Prozent des Umsatzes und sollte mittelfristig erreichbar sein. Dann würde die Aktie beim 6,8fachen des Gewinns notieren. Nur europäische Spielverderber mögen raunzen, dass VW selbst auf Basis des laufenden Krisenjahres kaum teurer ist.

Kurzfristig dürfte die Rechnung der Optimisten aufgehen. GM ist immer für hoffnungsfrohe Prognosen zu haben, die dann später meist verfehlt werden. Solange die Frühindikatoren steigen, wird die Wall Street indes wohl an die Planzahlen glauben. Auch sollen die Sparmaßnahmen den Verlust in Europa 2002 auf 350 Mio. $ halbieren.

Bloß sind die meisten Modelle so schäbig, dass die Firma weiter eine Menge Anreize bieten muss, damit sich die Autos überhaupt verkaufen. Den US-Marktanteil von 28,5 Prozent hat sich GM teuer erkauft.

Mit Bob Lutz hat GM in Nordamerika inzwischen endlich einen Chef, der einsieht, dass es so nicht weitergehen kann. Der gute Mann hat schon die Modellpalette von Chrysler aufgepäppelt. Nur haben die Aktenschieber und Erbsenzähler von GM noch jede gute Idee gebremst. Kein Wunder, dass Bob Lutz in Sitzungen schon mal einnickt. Immerhin erwacht er nach eigenen Angaben in entscheidenden Momenten immer rechtzeitig. Schön wär’s, wenn das auch für seinen Arbeitgeber gelten würde.

© 2002 Financial Times Deutschland


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