Banken sind der Industrie voraus


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Prachblausch.:

Banken sind der Industrie voraus

 
22.01.08 01:33
Banken sind der Industrie voraus
Wer eine riskante Wette eingehen will, kann 2008 auf eine klare Trennung zwischen den Anleihen von Finanzinstitutionen und denjenigen von Industrie-Schuldnern setzen. Bisher sind die Risikoaufschläge der Bankanleihen stärker unter Druck gekommen, weil sie von der Kreditkrise unmittelbarer getroffen sind als die Industrieunternehmen. Verluste im Handelsgeschäft und das Zurücknehmen von SIV (strukturierten Investmentvehikeln) in die Bilanzen belasten den Sektor. Weil die Banken nun selbst darum besorgt sein müssen, genügend Kapital und Reserven zu äufnen, um erstens den gesetzlichen Anforderungen zu genügen und zweitens das Vertrauen der Investoren nicht zu verlieren, haben sie nun weniger Geld für die Kreditvergabe. Erste Statistiken zeigen, dass die Kreditvergabe der Banken deutlich restriktiver geworden sind. Bisher hat das auf die Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors noch keine grösseren Auswirkungen gehabt. Anstatt ihre Bilanzen zu stärken, erhöhen sie ihren Fremdkapitalanteil noch immer.

Eine Theorie ist nun, dass sich die Banken ihrer Probleme sehr wohl bewusst sind. Sie treiben ihre Rekapitalisierung u. a. mit Hilfe der Sovereign Wealth Funds rapide voran und verschärfen gleichzeitig die Konditionen für die Kreditvergabe. Das sind im Grunde gute Nachrichten für die Bondanleger. Umgekehrt heisst es, hätten die Industrie-Schuldner noch nicht realisiert, wie scharf der Wind ihnen nun ins Gesicht bläst; viele von ihnen könnten im laufenden Jahr noch zu einem strategischen Umdenken gezwungen werden. Die beiden Schuldnerkategorien befinden sich in sehr unterschiedlichen Phasen des Kredit-Zyklus. Merrill Lynch meint nun, dass Bankanleihen die Chance hätten, das Kunststück der Telekom-Anleihen in den Jahren 2002/03 zu wiederholen. Diese waren nach den teuren Versteigerungen der UMTS-Lizenzen in ein tiefes Loch gefallen. Der anschliessende Schuldenabbau und die Reparatur der Bilanzen wurden danach jedoch zum Fundament für eine glänzende Performance.

Damit die Banken tatsächlich die «Telcos» des Jahres 2008 werden, muss allerdings vieles sehr gut laufen. Banken und Versicherungen sind generell zyklisch: In schlechten Zeiten steigen die Ausfälle sowohl im Retail- wie auch im Firmenkundengeschäft, ehemals lukrative Private-Equity-Finanzierungen sind weniger gefragt, ebenso die Finanzierung von Expansionsstrategien. Ein Einbruch ist auch in dem bis Mitte 2007 enorm erfolgreichen Geschäft mit Kreditderivaten zu erwarten. All das wird die Unternehmensgewinne der Banken während der ganzen Phase der Konjunkturabschwächung unter Druck halten. Es scheint somit zweifelhaft, ob die Bankanleihen tatsächlich das Potenzial zu einer signifikanten Performance-Verbesserung haben. Dennoch dürfte es sich 2008 lohnen, das Augenmerk auf den «Graben» zwischen den Finanz- und den Industrie-Anleihen zu legen.

Schuldner mit Best-Bonität gefragt
Am Primärmarkt standen Schuldner mit Best-Bonität bei den Käufern hoch im Kurs. Nachdem bereits in der Vorwoche ein reiches Angebot auf den Markt gekommen war, wurde in der vergangenen Woche erneut kräftig nachgelegt. Die Österreichische Kontrollbank brachte einen Global-Bond über 2 Mrd. $. Nach zwei Stunden hatte das Buch 2,5 Mrd. $ erreicht, obwohl der Risikoaufschlag mit 50,75 Basispunkten zu den US-Staatsanleihen auf einen Tiefststand gesunken war. Weitere Emittenten aus der AAA-Liga waren das spanische Instituto de Credito Oficial, die Bank Nederlandse Gemeenten, die EIB und die Weltbank. Käufer von Unternehmensanleihen begeisterten sich für das neue Papier von Heidelberg Cement. Heidelberg Cement gehört mit einem BBB-Rating noch ins High-Grade-Universum. Das Interesse der Käufer erklärte sich mit der relativ guten Verzinsung; ausserdem bot Heidelberg gute Absicherungen im Fall eines Abrutschens in den High-Yield-Bereich: Sollte eine Rating-Agentur Heidelberg auf Junk herabstufen, erhöhte sich die Verzinsung für die Investoren um 50 Basispunkte, zieht eine zweite Rating-Agentur nach, kommen nochmals 75 Basispunkten hinzu.
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