Rendite - was ist das? - Teil 2

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calexa:

Rendite - was ist das? - Teil 2

 
02.04.03 21:19
Die Welt schreit nach Rendite, aber fragt man mal, was das überhaupt ist, herrscht Schweigen.
Wir vom Investorweb wollen uns deswegen einmal mit dem Begriff "Rendite" beschäftigen und Ihnen in einigen kurzen Teilen das Verständnis für die unbekannte Welt der "Rendite" näher bringen.

Die absolute Rendite kennt jeder: Wir geben der Bank 100 Euro und bekommen 105 Euro zurück. Wir haben also 5 Euro Rendite bekommen. Um den Prozentsatz herauszufinden setzen wir diesen Mehrbetrag (5 Euro) verhältnismäßig zu unserer Summe (100 Euro). Die Anfangssumme 100 Euro entspricht 100%. Nun berechnet man 5 Euro / 100 Euro = 0,05. Daraus wird deutlich, dass die 5 Euro genau 0,05 * 100 Euro (oder 0,05  * 100%) entspricht. Ergebnis: 5%.

Was sind diese 5%? Diese 5% sind die Gesamtrendite für die Anlage (100 Euro). Aber eigentlich sagt diese Gesamtrendite wenig aus. Man braucht einen Bezug zu dieser Zahl. Nimmt man einmal die Frage, ob man 5% in einem Jahr, oder nach Ablauf von zwei Jahren erhält, wird einem schnell klar, was gemeint ist. Nach Ablauf des ersten Jahres bekommt man 105 Euro ausgezahlt. Nun kann man sich aber überlegen, ob man nicht auf die Auszahlung der 5 Euro verzichtet und diese lieber weiter investiert. Denn nun werden auch die zusätzlichen 5 Euro im zweiten Jahr mit 5% verzinst. Nach zwei Jahren erhält man 100 Euro + 5 Euro + 5,25 Euro = 110,25 Euro.

So läßt sich leicht rechnen. Was passiert aber nun, wenn man keinen festen Zinssatz versprochen bekommt, sondern einen ganzen Betrag? Nehmen wir ein kleines Beispiel:

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calexa:

Teil 2

 
05.04.03 19:33
Im letzten Teil haben wir uns über die Rendite „an sich“ unterhalten. Nun wollen wir uns die jährliche Rendite anschauen. Erinnern sie sich noch an unser Beispiel? 100 Euro auf zwei Jahre zu 5%? Wir hatten 100 Euro + 5 Euro + 5,25 Euro = 110,25 Euro zurückbekommen.

Wir wollen das Ganze uns jetzt etwas formeller betrachten. G0 sei unser Startguthaben. G1 das Guthaben am Ende des ersten Jahren. Und wir brauchen den jährlichen Zinssatz p. Daraus folgt:

G1 = G0 + G0 * (p / 100%) oder G1 = G0 * (1 + p / 100%)
Wenden wir nun unser Beispiel an: 100 Euro * (1 + 5 / 100) = 105

Nun haben wir aber nicht ein Jahr, sondern zwei Jahre Laufzeit. Und siehe, unsere Formel klappt immer noch: G2 = G1 * ( 1 + p / 100%)
Nun wird es etwas kompliziert. Ich ersetze nun G1 mit G0. Daraus ergibt sich: G2 = G0 * (1 + p / 100%) * (1 + p / 100%)

--> G2 = G0 * (1 + p / 100%) ^2

Nach drei Jahren können wir immer noch die gleiche Formel anwenden:

G3 = G0 * (1+ p / 100%) ^3

Die wesentliche Erkenntnis, die wir hieraus ziehen können ist, dass sich die Formel nur durch den Exponenten ("Hochzahl" am Ende der Klammer) ändert. Der Exponent n ist immer gleich der Jahreszahl!! Also vereinfachen wir unsere Formel noch etwas: Gn = G0 * ( 1+ p / 100%) ^n

Können sie noch folgen? Sicher, oder? Aber irgendwie ist die Formel immer noch etwas zu lang. Verkürzen wir sie nun einfach noch ein bisschen, indem wir für den lästigen Klammerausdruck (1 + p / 100%) umbenennen in Wachstumsfaktor (Wa). Dieser lässt sich leicht berechnen. Bei 3,8% wäre er 1,038. Bei 15% wäre er 1,15. Unsere Formel sieht nun folgendermaßen aus: Gn = G0 * Wa ^n

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DarkKnight:

Feines Posting: das war Finanzmathematik, jetzt

 
05.04.03 19:42
kommt aber meine Oma (verstorben anno 81, Gott hab sie selib): sie hat den Müll auch immer geglaubt. Und beim Ausräumen der Wohnung haben wir kistenweise Reichskreditkassenscheine vom Adolf gefunden, alle mit satten Zinsen drauf.

1948 gabs aber leider nur 40 Mark. Mehr ist vom Sparwahn nicht geblieben, und ich habe nicht einmal einen richtigen Ofen, wo ich die in Papier gedruckten Erwartungen eines enthaltsamen, ssparsamen und überflüssigen Lebens verfeuern und verbrennen könnte. Dann hätte es wenigstens noch einen Sinn gehabt: einen warmen Abend am Kamin.
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calexa:

Teil 3

 
06.04.03 14:30
Im letzten Kapitel haben wir die Formel

Endkapital = Startkapital * Wachstumsfaktor hoch Haltedauer in Jahren

kennengelernt (oder kurzgeschrieben: Gn = G0 * Wa^n) Diese Formel gilt auch für kürzere Perioden (z.B. ein halbes Jahr).

Banken benutzen die Formel nur für volle Jahre. Dies ergibt sich aus der Geschichte heraus: Ohne Taschenrechner ist es sehr schwierig gebrochene Potenzen zu berechnen. Deswegen hat sich bis heute für unterjährige Perioden eine andere Zinsberechnung erhalten: die lineare Zinsberechnung. Hier werden die Zinsen gleichmäßig auf 360 Tage berechnet. Nehmen wir an, man bekommt für einen nominalen Prozentsatz von 5 Prozent 500 Euro. Dieser Betrag wird durch 360 geteilt. Für jeden Tag wird dann 500 / 360 = 1,39 Euro gutgeschrieben. Ja, jetzt kommt man ins grübeln... Ein Jahr hat doch mehr als 360 Tage... Stimmt schon, aber die Division durch 360 ist einfacher. Die Banken haben kurzerhand fünf Tage zu zinsfreien Tagen erklärt (manchmal noch den 29.Februar). Diese Tage sind die ersten fünf Monate mit 31 Tagen. Und jeweils dieser 31te Tag ist zinsfrei. Man erhält keine Zinsen, muss aber auch keine bezahlen.

Wenn man jetzt genau nachrechnet, ergibt sich, dass mit der linearen, unterjährigen Methode ein etwas höherer Zins errechnet, als die korrekte Methode. Dies muss so sein, aus mathematischer Sicht. Dieser höhere Zinssatz ist der effektive Zinssatz der Anlage.

Bei dem Beispiel hätte die lineare Methode uns 250 Euro nach einem halben Jahr gebracht. Um den effektiven Zinssatz zu berechnen stellen wir unsere wohlbekannte Formel um:

Wa^0,5 = Gn / G0
Nun fügen wir die Zahlen ein und erhalten:
Wa^0,5 = 10.250 / 10.000 = 1,025
Dieses Ergebnis quadrieren wir nun:
Wa = 1,025^2 = 1,050625

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calexa:

Teil 4

 
10.04.03 10:33
Jetzt schauen wir uns einmal eine Anleihe an. Nehmen wir den beliebten Bundesschatzbrief des Typ B (Typ B ist diejenige Anleihe, bei der Zinsen nicht ausgezahlt werden, sondern weiter verzinst werden). Schatzbriefe dieses Typs laufen maximal sieben Jahre. In diesen Jahren steigt jedes Jahr die Verzinsung etwas an. Nun wollen wir also einen Bundesschatzbrief (der einfachheithalber ab jetzt BS genannt) kaufen. Wir würden gerne 10.000 Euro investieren. Nehmen wir weiter an, unser BS wird im ersten Jahr mit 2,5% in zweiten 3,0% und im dritten Jahr mit 3,5% verzinst. Die nächsten Jahre interessieren uns nicht, da wir nach drei Jahren unsere BS abgeben wollen. Was muss uns also nun interessieren?

Die Auflage des BS war der 1.März 2000.
Gekauft haben wir die BS am 15.März 2000.
Zinsen in Höhe von 2,5% erhalten wir bis 28.2.2001.
Vom 1.3.2001 bis 28.2.2002 erhalten wir 3,0% und
vom 1.3.2002 bis 28.2.2003 erhalten wir 3,5%.
Wir geben die BS am 31. Juli 2002 zurück.

Was interessiert uns darüber hinaus? Was kostet uns der Kauf der BS? Was bekommen wir bei der Rückgabe heraus und wie hoch ist unsere effektive jährliche Rendite?
Nun, die erste Frage lässt sich leicht herausfinden. Banken und Sparkassen sind verpflichtet die BS für Kunden gebührenfrei zu besorgen. Aber passen Sie beim Kauf auf. Manchmal vergessen das die freundlichen Damen und Herren hinter dem Schalter...... Es fallen auch keine Depotgebühren an, da man die BS bei der Bundesschuldenverwaltung (BSV) verwalten lassen kann. Gebührenfrei.

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calexa:

Teil 5

 
17.04.03 16:03
Interessanterweise freuen sich alle Anleger, wenn ihr Deportwert wächst. Jeder ist zufrieden, dass er alles (anscheinend) richtig gemacht hat. Aber sobald man "Verlust" macht, stürzt das Selbstbewußtsein in unendliche Tiefen. Wenn man sich darüber einige Gedanken macht, bemerkt man aber schnell, dass es große Unterschiede zwischen den eigenen Fähigkeiten und der Depotentwicklung gibt.

Nehmen wir einmal an, das Herr A und Herr B (beide "Börsenneulinge") jeweils eine Million Euro gewinnen bei einem Glücksspiel. Nun schauen wir mal, wie die beiden ihr Geld in den nächsten zwei Jahren benutzen: Herr A investiert das gesamte Geld plus eigene Ersparnisse in Höhe von 10.000 Euro in die Aktie "Pfifferling". Nach einem Jahr hat sich der Wert der Aktie verdoppelt und Herr A beschließt das Geld auszugeben und nur noch 20.000 Euro in "Pfifferling"-Aktien zu stecken. Wieder ein Jahr später hat die Aktie ihren Wert aber halbiert. Im Endeffekt hat Herr A 1.000.000 Euro gewonnen.

Herr B investiert nur sein Gespartes: 10.000 Euro. Nach einem Jahr hat er also "Pfifferlinge" im Wert von 20.000 Euro. Nun gewinnt er den großen Jackpot (eine Million Euro) und investiert diese zu seinen "Pfifferlingen". Aber im darauffolgenden Jahr fallen diese ja. Herr B verliert also nicht nur die gewonnenen 10.000 Euro aus dem ersten Jahr, sondern auch 500.000 Euro seines Lottogewinns.

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das Zentrum d.:

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17.04.03 16:27
wer eine Anleihe unter 100% erwirbt und diese zu 100% zurückgezahlt bekommt muss zwar nur den Zinssatz zum Nennwert als Kapitalertrag versteuern, allerdings muss er die Differenz zwischen Kaufpreis und Rückzahlbetrag als Kursgewinn versteuern sofern dieser innerhalb eines Jahres realisiert wurde.


es grüßt

 € $ ¥  das Zentrum der Macht


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calexa:

Teil 6

 
22.04.03 09:38
Wie wir in der letzten Folge gesehen haben, führt die Auswahl der Geldanlage noch lange nicht zum Erfolg. Es kommt auf den Zeitpunkt an, zu dem investiert wird. Wer vor steigenden Kursen viel investiert, hat mehr Freude als jemand, der vor fallenden Kursen noch mal nachkauft.

Oftmals kann man allerdings nicht beeinflussen, wieviel Geld man investieren kann. Plötzliche Ausgaben können auftreten, die man dann abziehen muß. Natürlich kann auch das Gegenteil eintreffen: ein Lottogewinn, eine Erbschaft, eine Sonderprämie usw. Im Endeffekt passiert so etwas mal stärker mal schwächer.

Gibt es für uns einen Trost, wenn wir schon Pech mit der Geldbeschaffung hatten, das unsere Anlage wenigstens gut ausgewählt wurde? Gibt es. Hierfür muss man nur die Kontostandentwicklung von den Ein- und Auszahlungen in der Zwischenzeit trennen.

Nehmen wir an, wir beginnen eine Anlage in Höhe von 1000 Euro. Diese wächst nach einem halben Jahr auf 1400 Euro. Schnell investieren wir nun nochmal 1000 Euro dazu. Aber wir merken uns die Gesamtrendite der ersten Periode (40% in sechs Monaten, entspricht einem Wachstumsfaktor von 1,4).

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