Die neue Bescheidenheit

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Die neue Bescheidenheit Nassie

Die neue Bescheidenheit

 
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"Alle müssen sich wieder an Bescheidenheit gewöhnen"
Vermögensverwalter Stammler prophezeit schwierige Jahre für Investoren - Kostolanys "Buy and Hold"-Strategie hat ausgedient - Hedge-Fonds nützlich
Über ein Vermögen verfügen wie Bill Gates oder die Quandts - dies ist der Traum vieler Kleinsparer. In der Praxis sind solchen Wünschen naturgemäß Grenzen gesetzt. Dennoch können Kleinanleger von den Anlagestrategien der Reichen lernen, meint Michael Stammler, der gemeinsam mit Rainer Rau der Feri Finance AG vorsteht. Er sieht einen Paradigmenwechsel an den Finanzmärkten und damit auch die Gelegenheit für eine Überprüfung der bisherigen Investment-Entscheidungen. Mit Stammler sprachen Beatrix Wirth und Thomas Exner.


DIE WELT: Sie apostrophieren einen Paradigmenwechsel an den Finanzmärkten. Was meinen Sie damit?


Michael Stammler: Wir stehen am Beginn einer Rückkehr zur Normalität. Das klingt zunächst sehr harmlos und beruhigend. Für die Anleger heißt dies aber, dass sie ihre Strategien grundlegend überdenken müssen. Denn für die nächsten Jahre rechnen wir quer durch alle Asset-Klassen mit sinkenden Renditen und dies bei einer zunehmenden Schwankungsanfälligkeit. Die Zeiten für Investoren werden also eindeutig schwieriger.


DIE WELT: Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?


Stammler: Nehmen wir den Aktienmarkt. Von 1970 bis 2001 waren mit internationalen Dividendenpapieren im Schnitt jährlich rund zwölf Prozent zu verdienen. Denn sinkende Zinsen, rückläufige Inflationsraten, die Globalisierung der Wirtschaft, Produktivitätssteigerungen und der Rückgang von Risikoprämien boten für Aktien ein sehr günstiges Umfeld. In den nächsten fünf Jahren werden wir eher eine "Wellblech-Börse" mit Höhen und Tiefen, aber im Ganzen einer Seitwärtsbewegung erleben. Dies ist nicht nur Folge der aktuellen Wirtschaftsschwäche, sondern auch neuer Risiken: dem Terror, der Überalterung vieler Gesellschaften und der zunehmenden Ressourcenknappheit. Die jährliche Rendite wird daher durchschnittlich eher zwischen sechs und acht Prozent liegen. Ähnliches gilt auch für Investitionen beispielsweise in Hedge-Fonds und Private-Equity-Engagements. Das Risiko wird größer und der Ertrag geringer.


DIE WELT: Welche Konsequenzen müssen Investoren aus dieser Prognose ziehen?


Stammler: Der "Kaufen-und-Halten-Ansatz" von André Kostolany hat ausgedient, stattdessen ist eine aktivere Anlagepolitik angesagt. Denn gerade in Zeiten wie diesen wird Stockpicking teilweise üppig belohnt. Grundsätzlich sollten Investoren aber niedrigere Aktienquoten als in den vergangenen Jahren halten und sich stärker alternativer Investmentprodukte wie Hedge-Fonds bedienen. Sie sind kein hoch riskantes Teufelszeug, sondern nützlich, um auch in renditeschwachen Zeiten eine Performance von fünf bis sieben Prozent zu erzielen. Viele Hedge-Fonds sind sogar weniger volatil als Standard-Rentenportfolios. Wunderdinge sollte jedoch niemand erwarten.


DIE WELT: Ihre Beratung konzentriert sich auf die äußerst Wohlhabenden der Republik mit einem Vermögen von fünf Mio. Euro aufwärts. Warum setzen Sie Ihr Know-how nicht auch für eine weniger reiche Klientel ein?


Stammler: Die Bedürfnisse der beiden Gruppen sind sehr unterschiedlich. Während es bei den Wohlhabenden um den Erhalt des erarbeiteten oder ererbten Vermögens geht, ist der normale Sparer erst im Vermögensaufbau begriffen. Er muss sich um ganz andere Dinge kümmern, etwa um die Absicherung seiner Arbeitskraft und den Schutz der Familie durch Versicherungen. Der Wohlhabende braucht dagegen höchstens noch eine Police gegen Kunstraub. Er ist vielmehr an steuersparenden Modellen interessiert und am Schutz seines Vermögens gegen Inflation.


DIE WELT: Können die Sparer trotzdem etwas von den Strategien der Reichen lernen?


Stammler: Auf jeden Fall. Ein Sparer sollte sich genauso wie der Vermögende zunächst einen Plan über seine langfristigen Ziele machen. Daraus ergibt sich die Wahl der Anlageklassen wie Aktien oder Renten. Beide Gruppen müssen sich zudem mit dem Thema Werterhalt befassen. Das Stichwort lautet hier Risikostreuung. Schließlich will der Sparer sein Erspartes nicht wieder verlieren, genauso wie der Vermögende sein Vermögen erhalten will. Und schließlich können beide die gleichen Instrumente benutzen. Wir halten Investmentfonds für optimale Finanzprodukte.


DIE WELT: Die Wohlhabenden dürften aber mehr Spielraum haben, die Märkte auszureizen


Stammler: Der Vorsprung resultiert oftmals einfach aus der Beratung. Während sich der Vermögende unabhängige, professionelle Hilfe leisten kann, begnügen sich viele Privatanleger mit den Ratschlägen ihrer Bank, die in erster Linie die hauseigenen Produkte verkaufen will. Oder sie sitzen sogar den angeblich hundertprozentigen Tipps des Nachbarn auf.


Die Welt: Sind die Kleinanleger vielleicht einfach gieriger?


Stammler: Spekulationslust gibt es bei Wohlhabenden genauso. Auch einige von ihnen haben sich vom Neuen Markt blenden lassen und dort erhebliche Vermögenswerte in den Sand gesetzt. Mit unserer traditionell konservativen Anlagepolitik konnten wir unsere Mandanten glücklicherweise vor Fehltritten schützen. Jetzt haben bei den Anlegern Kriterien wie Substanz und Nachhaltigkeit wieder Konjunktur. Es dämmert die Erkenntnis, dass sich alle wieder an Bescheidenheit gewöhnen müssen.


Feri - Adresse für Superreiche


Die Feri-Gruppe, die heute als Feri Finance AG firmiert, wurde 1987 gegründet. Der Öffentlichkeit bekannt ist das Bad Homburger Unternehmen vor allem durch das volkswirtschaftliche Research und sein Rating von Investmentfonds. Kerngeschäft war und ist seit Beginn allerdings auch die Vermögensverwaltung. Hier hat sich Feri auf die Betreuung von Großvermögen spezialisiert und ist damit zu einem der größten bankenunabhängigen Vermögensverwalter Deutschlands aufgestiegen. Diese Geschäftssparte, die heute mehrere Milliarden Euro betreut, soll künftig unter dem Namen Feri Wealth Management firmieren.




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