Bumerang Euro

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Miserables Geschäft in den ersten vier Monaten
Einzelhandel tief in der Krise


HDE-Präsident Franzen und KarstadtQuelle-Chef Urban: Keine Hoffnung auf rasche Besserung / Euro nicht allein schuld
Nach einem trostlosen Geschäftsverlauf in den ersten vier Monaten revidiert der Einzelhandel seine für 2002 gesteckten Ziele. „Der seit Jahresbeginn erlittene Umsatzeinbruch ist kaum noch aufzuholen“, sagt Hermann Franzen, Präsident des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels (HDE).

Nach Auskunft der HDE hat der klassische Einzelhandel (ohne Apotheken, Tankstellen, Autohandel) im ersten Quartal nach Abzug der Preissteigerung 4,5 Prozent weniger umgesetzt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch im April, so Franzen, habe sich die Talfahrt fortgesetzt. „Noch nie war in der Branche ein solches Wehklagen zu vernehmen wie in diesen Wochen“, sagte der HDE-Präsident der Süddeutschen Zeitung. Das für dieses Jahr erhoffte nominale Umsatzplus von 0,5 bis ein Prozent ist nach seiner Überzeugung nicht mehr erreichbar. Vielmehr drohe eine mehr rote als schwarze Null. Damit werde 2002 das siebte Jahr seit 1992, in dem der Einzelhandel preisbereinigt Umsatz verliert.

Vor einer neuen Pleitewelle

Die im Zusammenhang mit der Einführung des Euro nach Beobachtung von Franzen ohnehin nur vereinzelt vorgenommenen Preiserhöhungen seien kein hinreichender Grund für die Zurückhaltung der Verbraucher. „Die Kaufkraft ist da, aber es mangelt an Vertrauen in die Zukunft. Die Kunden sind verunsichert, wie es an ihrem Arbeitsplatz weitergeht; hinzu kommt die Flaute an den Aktienmärkten“, sagte Franzen, der in Düsseldorf ein Geschäft für den gehobenen Einrichtungsbedarf betreibt. Vorwürfe richtet er insbesondere an die Politik: „Wenn Deutschland weiter mit ruhiger Hand regiert wird, kann sich auch im Konsum nichts zum Besseren wenden.“

Viele Akteure im Einzelhandel haben die Hoffnung bereits aufgegeben, dass die Verbraucher ihre Kaufzurückhaltung in den nächsten Monaten aufgeben. „Ich sehe keine Anzeichen, woher bei der aktuellen wirtschaftlichen Situation die Wende beim Kaufverhalten kommen soll. Die Verbraucher empfinden die gegenwärtige Situation als Rezession“, sagte Wolfgang Urban, Vorstandsvorsitzender der KarstadtQuelle AG, der Süddeutschen Zeitung . Sollte die Krise noch einige Monate anhalten, werde der Druck auf die Branche wachsen. Vor allem für Mittelständler wird die Lage nach Einschätzung von Urban immer schwieriger, da die Banken die Kreditanforderungen verschärft hätten und damit die Kapitalbeschaffung erschwert sei. Die HDE prognostiziert für 2002 rund 8000 Insolvenzen und eine noch größere Zahl von stillen Liquidationen. „In den nächsten fünf Jahren wird es im Handel zu einem gewaltigen Umbruch kommen“, meint der KarstadtQuelle-Chef.

Ein Grund ist für ihn das im internationalen Vergleich übergroße Angebot an Verkaufsfläche. Er verweist auf Studien, wonach Deutschland 36 Prozent mehr Verkaufsfläche je Einwohner aufweist als Frankreich und sogar 53 Prozent mehr als Großbritannien. Die Flächenproduktivität sei in beiden Ländern nahezu doppelt so hoch wie in Deutschland.

Discounter sind von der Krise bisher weit weniger betroffen als andere Betriebsformen; sie haben in den vergangenen Monaten ihren Marktanteil weiter ausgebaut. Franzen begründet dies mit einem Vertrauensbonus der Verbraucher: „Die Kunden nehmen den Discountern ab, dass sie im Zusammenhang mit der Einführung des Euro die Preise nicht erhöht haben.“ Anderen Betriebsformen begegneten sie dagegen mit Misstrauen.

„Natürlich gab es einzelne schwarze Schafe, die die neue Währung genutzt haben, um die Preise heraufzusetzen. Aber der Handel wird für Preiserhöhungen in anderen Bereichen, etwa in der Gastronomie, in Kollektivhaft genommen“, sagte Franzen. Im Rückblick bedauert Urban, dass sich der Handel nicht mehr dafür eingesetzt hat, die Preise länger in D-Mark auszeichnen zu dürfen.

Die Krise ist nach Meinung vieler Akteure im Handel vor allem das Ergebnis einer weitgehenden Sättigung. Die Schränke seien voll, der Bedarf mit langlebigen Konsumgütern gedeckt. Auch mit Rabatten lässt sich das Geschäft kaum noch beleben. HDE-Präsident Franzen vermutet sogar, dass Sonderangebote nur zu einer weiteren Verunsicherung der Kunden beitragen. Denn sie hegten den Verdacht, dass der Handel zuvor mit unverhältnismäßig hohen Margen gearbeitet habe. Franzen: „Nur die Preise zu senken, lockt keine Kunden. Der Handel muss sich mehr einfallen lassen.“

Süddeutsche Zeitung


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