Das Triebwerk eines Flugzeugs. (Symbolfoto)
Donnerstag, 29.02.2024 10:55 von | Aufrufe: 260

ROUNDUP: Triebwerksrückruf brockt MTU ersten Jahresverlust in 90 Jahren ein

Das Triebwerk eines Flugzeugs. (Symbolfoto) © vuk8691 / iStock Unreleased / Getty Images Plus / Getty Images http://www.gettyimages.de

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Rückruf tausender Triebwerke hat dem Münchner Hersteller MTU den ersten Jahresverlust seiner Geschichte eingebrockt. Hunderte Airbus-Jets müssen vorzeitig monatelang am Boden bleiben, weil MTUs Partner Pratt & Whitney in rund 3000 Turbinen ein problematisches Metallpulver verwendet hat. Allein MTU hat für Reparaturen und Entschädigung der Fluggesellschaften seit dem Herbst rund eine Milliarde Euro zurückgelegt. Das Tagesgeschäft des Unternehmens brummt allerdings weiter.

Vorstandschef Lars Wagner nannte 2023 deshalb "ein Jahr der Gegensätze für die MTU". Die enormen Belastungen durch den Triebwerksrückruf rissen das Unternehmen zum ersten Mal in seiner 90-jährigen Geschichte in die roten Zahlen. Ohne die Sonderbelastung hätte der Vorstand Rekordwerte verkünden können, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in München mitteilte.

An der Börse lösten die Neuigkeiten zunächst keine klare Reaktion aus: Der Kurs der MTU-Aktie lag nach anfänglichem Auf und Ab am Morgen zuletzt mit 0,1 Prozent im Plus. Vergangene Woche hatte das Papier merklich Federn gelassen, nachdem der Konzern überraschend eine Kürzung der Dividende angekündigt hatte. So sollen die Anteilseigner angesichts der hohen Sonderkosten für das abgelaufene Jahr nur 2 Euro je Aktie erhalten. Für 2022 hatte MTU noch 3,20 Euro je Papier ausgeschüttet.

Unter dem Strich stand bei MTU im vergangenen Jahr letztlich ein Fehlbetrag von 97 Millionen Euro, nachdem der Konzern im Vorjahr noch einen Gewinn von 333 Millionen erzielt hatte. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag das Minus bei 161 Millionen Euro. Rechnet man Sondereffekte und damit vor allem den teuren Triebwerksrückruf heraus, hätte MTU vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) einen Gewinn von 818 Millionen Euro erzielt - und damit gut 60 Millionen mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019 kurz vor der Corona-Pandemie.

Doch die veranschlagten Kosten des Rückrufs von fast einer Milliarde Euro zehrten den operativen Gewinn aus dem Tagesgeschäft mehr als auf. Die zusätzlichen Inspektionen und Reparaturen betreffen ausgerechnet den sogenannten Getriebefan-Antrieb, den Pratt & Whitney zusammen mit MTU und Japanese Aero Engines baut. Dieser treibt etwa jedes zweite Exemplar des Airbus-Verkaufsschlagers A320neo an.

Von den insgesamt betroffenen rund 3000 Triebwerken müssen 600 bis 700 vorzeitig in die Wartung. Im laufenden Jahr müssen deshalb weltweit voraussichtlich hunderte Airbus-Maschinen bis zu zehn Monate lang außerplanmäßig am Boden bleiben. Der Mutterkonzern von Pratt & Whitney, der Luftfahrt- und Rüstungskonzern RTX , bezifferte die gesamten Kosten des Rückrufs auf 6 bis 7 Milliarden US-Dollar. Der US-Konzern trägt selbst den größten Teil davon.

Unterdessen sieht MTU-Chef Wagner seinen Konzern im Tagesgeschäft weiter im Aufwind. Im laufenden Jahr soll der Umsatz auf 7,3 bis 7,5 Milliarden Euro wachsen. Das wäre mindestens rund eine Milliarde mehr als im vergangenen Jahr, wenn man die Umsatzbelastung durch den Triebwerksrückruf ausklammert.

Den stärksten Umsatzanstieg erwartet der Manager im Seriengeschäft mit neuen Triebwerken mit mindestens 20 Prozent. Aber auch im Ersatzteilgeschäft, in der Wartungssparte und im Militärgeschäft soll der Erlös um mehr als zehn Prozent steigen.

Vom Konzernerlös sollen im laufenden Jahr mehr als zwölf Prozent als operativer Gewinn vor Sondereffekten übrig bleiben. Das wären mindestens rund 880 Millionen Euro - und auf bereinigter Basis ein weiteres Rekordergebnis für MTU. Für 2025 rechnet der Manager weiterhin mit einem Umsatz von 8 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn soll dann erstmals die Marke von 1 Milliarde Euro erreichen.


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An Bestellungen fehlt es MTU jedenfalls nicht: Der Auftragsbestand lag Ende 2023 bei 24,4 Milliarden Euro und damit gut 2 Milliarden höher als ein Jahr zuvor. "Rein rechnerischen entspricht das einer Auslastung von mehr als drei Jahren", sagte Wagner./stw/mne/stk

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