Schenker schickt Laster per Autopilot auf die Straße

Montag, 10.07.2017 17:15 von Handelsblatt - Aufrufe: 411

Was die Deutsche Bahn auf der Schiene nicht schafft, macht die Speditionstochter Schenker vor: Ab nächstem Frühjahr rollen die ersten 40-Tonner computergesteuert über die A9. Eine Bewährungsprobe für den Konzern.

Schenker-Chef Jochen Thewes, 46, besitzt einen scharfen Sinn für abschreckende Symbolik. Anfang Februar verfrachtete er seine Führungsmannschaft in die stillgelegte Dortmunder Kokerei Hansa, packte die frierenden Manager in wärmende Wolldecken und ließ Ex-Verantwortliche von Erickson und Office Depot vor seiner Crew auftreten. Zerknirscht berichtet der eine, wie sein Arbeitgeber den Smartphone-Markt verschlief, der andere, warum das Internet den einstigen Büroartikel-Riesen überrollte.

Die Schocktherapie hatte Thewes geschickt kalkuliert. „Im Zeitalter der Digitalisierung müssen wir sicherstellen, dass sich keine Online-Frachtbörsen zwischen uns und unsere Kunden schieben“, warnt er im vertrauten Kreis.

„Das Geschäftsmodell Spedition wird sich künftig stark wandeln“, weiß der Schenker-Chef und plant deshalb einen Umbau. „Die Digitalisierung bietet dazu große Möglichkeiten“, glaubt Thewes.

Wie ernst es der seit 22 Monaten amtierende Vorstandschef der größten Bahn-Tochter (Umsatz 2016: 15,1 Milliarden Euro) meint, wird ab nächstem Frühjahr auf der A9 zwischen München und Nürnberg zu besichtigen sein. Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, schickt er dann paarweise Lkw-Gespanne auf die Straße, deren zweites Fahrzeug per Autopilot lenkt. In den Brummis greift der Fahrer nur noch ein, wenn GPS und Computer versagen. Geliefert werden die Lkws von MAN.

Nur einmal zuvor gab es in Europa einen ähnlichen Versuch. Bei einem sogenannten „Platooning“ Richtung Rotterdam waren hintereinander fahrende Trucks im April 2016 von Sicherheitskonvois begleitet worden. Diesmal gibt es keine.

Drei Fahrten täglich plant Schenker, zunächst bis Januar 2019. Zudem macht Verkehrsminister Alexander Dobrindt zwei Millionen Euro Fördergeld locker, was Thewes als hoffnungsvolles Zeichen wertet. „Wir erwarten, dass Lkws etwa ab dem Jahr 2030 autonom fahren.“

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