AKTIE IM FOKUS 2: Wirecard verlieren über 20% - Wieder dubiose 'Short-Attacke'

Mittwoch, 24.02.2016 18:19 von dpa-AFX - Aufrufe: 3498

Bezahlvorgang mit Kreditkarte (Symbolbild)
Bezahlvorgang mit Kreditkarte (Symbolbild)
©AhmadArdity / pixabay.com

(Neu: Aktualisierte Informationen und Schlusskurse)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Wirecard-Aktien sind am Mittwoch nach einem vom Unternehmen zwischenzeitlich dementierten Bericht massiv unter Druck geraten. Das Papier brach bei Rekordumsätzen zeitweise um gut ein Viertel auf 31,88 Euro ein - das war der niedrigste Kurs seit November 2014. Der Börsenwert sackte damit in der Spitze um 1,3 Milliarden Euro ab. Letztlich stand ein Minus von 21,64 Prozent bei 33,40 Euro zu Buche.

Experten sprachen von wilden Spekulationen und einer erneuten "Short-Attacke", bei der Geld mit fallenden Kursen verdient wird. Wirecard (Wirecard Aktie) ist laut Händlern wegen des Geschäftsmodells und des rasanten Kursanstiegs in den vergangenen Jahren anfällig für Angriffe dieser Art.

Nach einem Dementi der Münchener und millionenschweren Aktienkäufen von Unternehmenschef Markus Braun erholte sich der Kurs zwar etwas, um im späten Handel nur noch tiefer zu fallen. Bis zum Handelsschluss wurden auf Xetra fast 10 Millionen Wirecard Papiere gehandelt, - so viel seit Jahren nicht mehr. Am gesamten Vortag waren lediglich 617 069 Aktien umgegangen.

Da das Papier mit einer Marktkapitalisierung von aktuell noch rund 4,1 Milliarden Euro eines der Schwergewichte im TecDax ist, ging es auch für den Technologie-Auswahlindex mit mehr als 5 Prozent kräftig nach unten.

WIRECARD LEITET RECHTLICHE SCHRITTE EIN

Am Vormittag hatte der bisher unbekannte Research-Dienst Zatarra, dessen Internetseite erst am 17. Februar registriert worden war, schwere Vorwürfe gegen Wirecard erhoben. Die "Financial Times" hatte in ihrem Internet-Blog FTAlphaville den Zatarra-Bericht aufgegriffen. Die Aufmerksamkeit am Markt schnellte hoch und die Aktie brach bei hohen Umsätzen ein.

Der Zahlungsabwickler wehrte sich kurz danach gegen die neuen Vorwürfe zu seinen Geschäftspraktiken. Anschuldigungen gegen Wirecard und seine Mitarbeiter in dem herumgereichten Papier seien verleumderisch und gänzlich unwahr, teilte der Konzern mit. Rechtliche Schritte gegen den "dubiosen" Urheber seien eingeleitet. "Wir nehmen an, dass die Verbreitung des Berichts unseren Aktienkurs negativ beeinflussen sollte", sagte eine Sprecherin.

KLASSISCHE ATTACKE VON LEERVERKÄUFERN

"Wirecard ist wieder einmal das Opfer von wilden Spekulationen", sagte Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Anleger hätten ein Deja-vu-Erlebnis von vor einigen Jahren als die Aktie ebenfalls im Fokus professioneller Shortseller gestanden habe.

Ein anderer Experte, der nicht genannt werden wollte, verwies auf die am Markt immer wieder auftauchenden Berichte verschiedener Häuser, die sich in einzelnen, nicht regelmäßigen Studien mit Wirecard befassen. Nach der Erklärung des Unternehmens zum aktuellen Bericht sehe er keinen Anlass für Zweifel an Wirecard. Überwiegend würden sehr alte Vorwürfe aufgegriffen. Diese müssten Kreditkartenunternehmen, die Kunden des Zahlungssysteme-Anbieters sind, bekannt sein. Sie zögen aber keine Konsequenzen.

"Ein Klassiker", sagte ein Börsianer. Wirecard sei in der Vergangenheit schon des öfteren Angriffsziel von Anlegern gewesen, denen ein Stimmungsdämpfer zugute komme. Leerverkäufer leihen sich von anderen Händlern Papiere, um diese zu verkaufen und später billiger wieder zurückzukaufen. Zuletzt hatten Händler Anfang Februar von einer solchen "Short-Attacke" gesprochen, als Berichte über einen Systemausfall für Unsicherheit gesorgt hatten.

1500 PROZENT PLUS SEIT ANFANG 2006

Die aufsehenerregendste Attacke gegen Wirecard waren im Sommer 2008 Untersuchungen der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) über angeblich irreführende Bilanzierungsmethoden. Wirecard hatte diese über ein Sondergutachten von Ernst & Young entkräftet. Zudem wurde bekannt, dass einige SdK-Mitglieder auf fallende Wirecard-Kurse gesetzt hatten. Zwei Jahre danach sorgte eine Falschmeldung eines Internetportals für heftige Kursverluste.

Langfristig haben die immer wieder auftauchenden Attacken, Gerüchte und Spekulationen den Aufschwung des Unternehmens am Aktienmarkt nicht geschadet. In den vergangenen zehn Jahren legte der Kurs trotz der jüngsten Verluste rund 1500 Prozent zu./fat/zb/stk/edh/das


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