VIRUS/ROUNDUP: Leoni braucht Hunderte Millionen Hilfe - Spartenverkauf auf Eis

Montag, 30.03.2020 14:35 von dpa-AFX - Aufrufe: 265

Ethernetleitung der Leoni AG.
Ethernetleitung der Leoni AG.
© Leoni AG

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Dem kriselnden Autozulieferer und Kabelspezialist Leoni erschwert die Coronavirus-Pandemie neben dem Tagesgeschäft auch den geplanten strategischen Umbau. Der Verkauf der Kabelsparte liegt wegen der schlechten Bedingungen an den Finanzmärkten nun erst einmal auf Eis, wie Vorstandschef Aldo Kamper am Montag in einer Telefonkonferenz sagte. Zudem braucht das Unternehmen viel Geld vom Staat, um die aktuell schwierige Situation zu überstehen. Die Nürnberger steckten auch schon ohne den Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 in arger Bedrängnis. 2019 fiel ein Verlust von 435 Millionen Euro an nach einem Gewinn von 73 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Leoni hatte sich bereits entschlossen, Liquiditätshilfen beim Staat zu beantragen. "Wir benötigen diese Staatshilfe, um die Geschäftstätigkeit aufrecht erhalten zu können", sagte Kamper. "Ansonsten würden wir irgendwann ins Leere laufen." Finanzchefin Ingrid Jägering bezifferte den nötigen Betrag auf "einige hundert Millionen Euro", die angefragt würden.

Derzeit liefen ohne Umsätze auch die Bestrebungen ins Leere, Forderungen an Kunden im Rahmen des sogenannten Factorings an Finanzdienstleister abzutreten und so zu Geld zu machen, sagte sie. Beantragt würden die Liquiditätsspritzen bei der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern. Das kürzlich vorgelegte Sanierungsgutachten zeige, dass das Unternehmen ohne Covid-19 eine Perspektive gehabt habe, das könne bei der Antragstellung ein Vorteil sein, sagte Kamper.

Der Aktienkurs von Leoni lag am Montagnachmittag 0,7 Prozent im Minus bei 6,68 Euro. Bevor die Krise am Aktienmarkt am 24. Februar mit voller Wucht zuschlug, war das im SDax notierte Papier noch fast 13 Euro wert gewesen. Die Aktie befindet sich allerdings seit langem im Sinkflug, vor gut zwei Jahren war sie noch zehnmal so viel Wert wie derzeit.

Leoni setzt die Marktschwäche zu, auch Probleme mit Großprojekten und Produktionsanläufen machten dem Unternehmen das Leben schwer. Kamper versucht mit einem Spar- und Umbauprogramm gegenzusteuern, doch nun kommt dem Management der neuartige Coronavirus noch zusätzlich in die Quere. Leoni stellt zum einen Bordnetzsysteme für die Autoindustrie her, fertigt in der Kabelsparte aber auch verschiedene Draht- und Kabelarten für die Autobranche und die sonstige Industrie.

Schon vor einer Woche hatten die Franken vor deutlichen Belastungen durch die Ausbreitung des Virus gewarnt. Die tatsächlichen Belastungen durch die Pandemie seien derzeit nicht verlässlich in Zahlen zu fassen - Leoni geht aktuell daher von deutlich negativen Abweichungen gegenüber seiner ursprünglichen Planung aus, teilte das Unternehmen am Montag weiter mit.

Ursprünglich hatte der Konzern 2020 wegen mehrerer Projektanläufe mit einem moderat steigenden Umsatz zum Vorjahreswert von 4,8 Milliarden Euro gerechnet. Das um Sondereffekte und Umbaukosten bereinigte operative Ergebnis (Ebit) hätte sich von minus 66 Millionen Euro 2019 auf einen positiven mittleren zweistelligen Millionenbetrag erholen sollen.

Weil der Großteil der Kundschaft aus der Automobilindustrie derzeit seine Werke für Wochen stillgelegt hat, hatte Leoni ebenfalls bereits vorübergehende Werksschließungen in Europa, Nordafrika und Amerika angekündigt, in Deutschland soll zudem Kurzarbeit eingeführt werden. Das alles soll die Kosten schnell senken. Die Werke vor allem in der Bordnetzsparte blieben solange geschlossen, wie auch die Kunden in der Autoindustrie wieder ihre Produktion hochführen, sagte Kamper.

In den vergangenen Jahren hatten die Probleme im Geschäft die Bilanz strapaziert, 2019 verbrannte Leoni mit einem Mittelabfluss von 308 Millionen Euro noch mehr Geld als im Jahr davor. Ende 2019 habe die verfügbare Liquidität bei rund 550 Millionen Euro gelegen, sagte Finanzchefin Jägering. Im ersten Quartal habe das Unternehmen außerdem noch fällige Schulden zurückgezahlt.

Das von Vorstandschef Kamper bereits vor längerer Zeit in Gang gesetzte Sparprogramm kostet zunächst ebenfalls Geld. 2019 fielen dafür 86 Millionen Euro an, 2020 dürften es noch einmal 35 Millionen sein. 2022 sollen die Bruttokosten insgesamt dafür aber um 500 Millionen Euro niedriger liegen. 60 Prozent des Plans seien bereits umgesetzt und das Programm damit auf Kurs./men/mne/jha/


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