Donnerstag, 02.12.2021 13:27 von dpa-AFX | Aufrufe: 168

Mehr als ein Viertel der 25-Jährigen lebte 2020 noch bei den Eltern

Ein Paar mit einem Kleinkind (Symbolbild). © pixabay.com

WIESBADEN (dpa-AFX) - Mehr als ein Viertel der 25-jährigen in Deutschland, nämlich 28 Prozent, hat im Jahr 2020 noch bei den Eltern gelebt. Vor allem die Söhne ließen sich mit dem Auszug etwas mehr Zeit, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. So lebten 35 Prozent von ihnen noch im elterlichen Haushalt, während es bei den Töchtern im Alter von 25 Jahren nur gut jede fünfte (21 Prozent) war.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern bleibt demnach auch später bestehen. Mit 30 Jahren wohnten immerhin noch 13 Prozent der Männer als lediges Kind mit im Elternhaushalt, jedoch nur sechs Prozent der Frauen. Im Alter zwischen 30 und 40 Jahren reduzieren sich diese Anteile noch einmal deutlich: Mit 40 Jahren wohnten nur noch vier Prozent der Männer und rund zwei Prozent der Frauen bei den Eltern.

"Die jungen Frauen sind insgesamt agiler, moderner, offener in ihren Vorstellungen", sagte der Jugendforscher Klaus Hurrelmann zu einer möglichen Erklärung. "Vieles deutet darauf hin, dass die jungen Männer eher in einer traditionellen Männerrolle gefangen sind, die sie ein bisschen träge macht - vor allem, wenn sie sehr lange im Elternhaus bleiben." Bei jungen Frauen hingegen könnten klassische Rollenerwartungen und mehr Pflichten im Familienhaushalt eher dazu beitragen, schneller flügge zu werden - nach dem Motto: In der eigenen Wohnung muss ich nur den eigenen Abwasch machen.

Dass mehr als ein Viertel der jungen Erwachsenen auch unabhängig von der Pandemie keine Eile mit dem Auszug aus der elterlichen Wohnung hat, liegt Hurrelmann zufolge auch an mehr Toleranz der Eltern im Vergleich zu früheren Generationskonflikten. "Das Einvernehmen zwischen den Eltern und den jungen Erwachsenen Kinder ist groß, man hat einander gegenüber eine hohe Toleranz", sagte er. "Deswegen wohnt man auch so lange zusammen, ohne dass es knirscht und ohne dass es dramatisch zu Konflikten kommt."

Vorteile habe diese Lebenssituation wohl auch für die Elterngeneration, neben den finanziellen Gründen. "Sie kriegen mit, wie das heutige Leben aussieht, vor allem im digitalen Bereich" so Hurrelmann. Das könne eine regelrechte Lebensstilberatung durch den erwachsen gewordenen Nachwuchs sein.

Dennoch, so wie jetzt haben sich die Generationen das Zusammenleben wohl kaum vorgestellt. Kommt nach Pandemie der große Ausbruch? "Sollte die Pandemie mit einem Schlag vorbei sein, gibt es sicher einen großen Freiheitsboost", vermutete Hurrelmann. Allerdings sehe es derzeit nicht danach aus. "Das heißt, auch in den nächsten Jahren werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Das hinterlässt Spuren." Er fürchte deshalb eine "psychische Begleitwelle von Corona, sollte noch so ein hartes Jahr kommen"./czy/DP/jha

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