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Chinas ICO-Verbot trifft Viberate nicht: Blockchain-Finanzierung gelingt in Minutenschnelle

Dienstag, 05.09.2017 16:43 von Annalee McWilliams

Viberate, eine auf der Blockchain-basierte Livemusik-Plattform, hat in weniger als fünf Minuten sein Finanzierungsziel erreicht.
Viberate, eine auf der Blockchain-basierte Livemusik-Plattform, hat in weniger als fünf Minuten sein Finanzierungsziel erreicht. - © istock.com/Zapp2Photo
Das Verbot der chinesischen Aufsichtsbehörden von sogenannten Initial Currency Offerings hat sich in Europa offenbar nicht auf die Nachfrage ausgewirkt. Viberate, eine Blockchain-basierte Livemusik-Plattform, hat heute in Rekordschnelle ihr Finanzierungsziel erreicht.

Ein neues Unternehmen innerhalb von fünf Minuten zu finanzieren klingt für viele Gründer nach einem Traum. Für Viberate, eine europäische Plattform für Livemusik, wurde dieser Traum heute wahr: Durch ein sogenanntes Initial Coin Offering wurde das Finanzierungsziel der Firma in vier Minuten und 42 Sekunden erreicht, wie das Unternehmen auf der Webseite mitteilt. Innerhalb dieser Zeit wurden demnach 120 Millionen ,,Vibes‘‘, spezielle Wert-Token der Firma, mit einem Wert von insgesamt 10 Millionen US Dollar verkauft.  

Token als Unternehmensanteile, Währung und Kryptowährung

Initial Currency Offerings (ICO) sind eine Finanzierungsart für Blockchain-Projekte. Während bei einem Börsengang (Initial Public Offering oder kurz IPO) von einem Unternehmen Aktien ausgegeben werden, werden bei einem ICO wie bei Viberate heute sogenannte Token verkauft, eine Ersatzwährung. Viberate nennt ihre Token Vibes. Dabei handelt es sich in diesem Fall um eine neue Kryptowährung. Die Vibes dienen nicht nur als Investment in die Firma, sondern können auch für Transaktionen auf der Webseite des Unternehmens, zum Beispiel bei der Buchung von Konzertkarten, verwendet werden. Später soll auch der Handel mit Vibe möglich sein.

ICOs, die oft als ,,Krypto-Börsengänge‘‘ bezeichnet werden, sind in diesem Jahr beliebter denn je geworden. Seit Anfang des Jahres sind nach mehreren Medienberichten 1,8 Milliarden US Dollar durch verschiedene ICOs zusammengekommen. Bisher  war die Nachfrage in China besonders stark, da ICOs keine Börsengänge sind und damit nicht den strengen Auflagen des Aktienmarktes unterliegen.

Experten fordern ICO-Regulierung

Bislang galt China daher als Vorzeigeland für ICOs, doch gestern schritten die Aufsichtsbehörden ein. Die chinesische Zentralbank PBC hat gestern ICOs offiziell verboten. Medienberichten zufolge hatte zuvor eine Untersuchung der PBC und der Wertpapieraufsicht ergeben, dass die Behörden bei neun von zehn ICOs Betrug oder zumindest Gesetzesverstoß vermuten.

ICOs bieten neuen Projekten und Unternehmen eine schnelle, fast hindernislose Möglichkeit zur Finanzierung, doch genau diese Vorteile bringen auch zahlreiche Sorgen mit sich. China ist zwar bislang das erste Land, das so klare Worte zu ICOs findet, doch auch in den USA sind sie nicht gängig – die meisten ICOs schließen sogar amerikanische Staatsbürger aus, um die strengen Regelungen der Securities and Exchange Commission zu umgehen.  Allgemein befürworten Experten aufgrund von hohen Betrugsraten eine strengere Regulierung von Kryto-Börsengängen. ,,ICOs funktionieren wie andere Finanzierungsinstrumente und sollten auch so reguliert werden‘‘, sagte Zhao Xijun, Finanzprofessor der Pekinger Universität, dem ,,Handelsblatt‘‘. Auch Krypto-Experte Sebastian Quinn-Watson bezeichnete die Nachricht aus China als eindeutiger Gewinn für die Kryptowährungen, da das Verbot helfen werde, nicht legitime ICOs zu eliminieren und damit den Markt zu verbessern.