Interview mit Israels Außenminister Peres

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Interview mit Israels Außenminister Peres

 
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07.10.2001  Bild.de News  
BamS-
„Wir müssen die Welt von diesen Verrückten befreien“  

 
Von RAFAEL SELIGMANN
BamS: Sie bemühen sich unverdrossen um Frieden. Doch die Waffenstillstände, die Sie aushandeln, halten nicht länger als einen Tag. Hat der Frieden noch eine Chance? Oder wird das Blutvergießen zwischen Israelis und Palästinensern noch eskalieren?

Peres: Ich bin kein Prophet, ich bin Politiker. Meine Aufgabe ist es, die Feindschaft zu beenden und Frieden zu schaffen, zumindest jede Chance dafür zu suchen und den Krieg zu verhindern. Israel sucht den Frieden . . .


Israels Außenminister Shimon Peres. Er war Regierungschef, diente mehreren Regierungen als Minister.  
BamS: Nur Sie oder die ganze Regierung Sharon?

Peres: Die ganze Regierung. Wir wollen alle den Frieden. Es gibt lediglich Meinungsverschiedenheiten über den Weg dahin.

BamS: Ist Palästinenser-Präsident Arafat noch ein glaubwürdiger Partner für den Frieden?

Peres: Arafat ist ohne Zweifel der anerkannte Führer der Palästinenser. Doch Arafat muss sich entscheiden, ob er den Frieden will. Wenn er die Terroristen der Hamas und die des islamischen Dschihad gewähren lässt, bedeutet das neue Anschläge, Eskalation, Krieg. Israel hat Arafat eine Liste der gefährlichsten Terroristen – 108 Namen – übergeben. Wir haben verlangt, dass zumindest die zehn schlimmsten Terroristen festgesetzt werden sollten. Arafat hat nichts getan.

BamS: Wollte er nicht oder konnte er nicht?

Peres: Das kommt auf das Gleiche hinaus. So lange der Terror weitergeht, kommen wir nicht zum Frieden.


BamS: Wie sieht der Weg zum Frieden aus?

Peres: Er ist im Plan des amerikanischen Ex-Senators Mitchell vorgezeichnet: 1. Feuer einstellen, 2. Abkühlung und Gespräche, 3. Friedensverhandlungen.

BamS: Israel hat ja schon mit den Palästinensern verhandelt . . .

Peres: Ja. Premierminister Netanyahu hat den Palästinensern zu wenig geboten. Ehud Barak hat ihnen zu viel offeriert.

BamS: Zu viel?

Peres: Ja. Barak ist mit seinem Optimalangebot in die Verhandlungen eingestiegen. Die Palästinenser wollten daher noch mehr.

BamS: Wie stellen Sie sich eine Friedenslösung vor?

Peres: Wir müssen zu einem historischen Kompromiss mit den Palästinensern gelangen. Ein palästinensischer Staat wird entstehen . . .


BamS: Wird Israel dazu Siedlungen räumen müssen?

Peres: Ja! Sicherheit ist wichtiger als Kanonen.

BamS: Glauben Sie, dass Premier Sharon bereit wäre, jüdische Siedlungen aufzugeben?

Peres: Da müssen Sie ihn fragen. Ich will für meine Überzeugung kämpfen.

BamS: Sharon sagte, er wäre zu schmerzhaften Kompromissen bereit.

Peres: Das ist die Antwort.

BamS: Doch bislang dominiert Sharons harter Kurs. Sind Sie als kompromissbereiter Politiker das liberale Feigenblatt der Regierung?
 
Peres (lächelt): Ich bin kein Alibi. Ich habe für meinen Eintritt in die Regierung Bedingungen gestellt, die Sharon erfüllt hat.

BamS: Nämlich?

Peres: Keine Hindernisse für den Frieden. Keine neuen Siedlungen, Erfüllung bestehender Verträge.

BamS: Kommen wir zum Kampf gegen den internationalen Terror. Auch Deutschland war ein logistischer Stützpunkt der islamischen Terroristen . . .

Peres: Der Terrorismus ist eine globale Gefahr. Niemand soll sich einbilden, dass er Sicherheit durch Kompromisse mit Terroristen erhalten kann.

BamS: Auch Israel wird von neuen Terroranschlägen erschüttert. Ein russisches Verkehrsflugzeug ist auf dem Weg von Israel abgeschossen worden. Wissen Sie, von wem?

Peres: Die Umstände des Flugzeugabsturzes müssen erst noch geklärt werden.

BamS: Was sind die Wurzeln des Terrors?


Noch immer hält Israels Armee Teile des Gaza-Streifens mit Soldaten und Panzern besetzt  
Peres: Fanatismus – nicht der Islam. Armut, Krankheiten, Unbildung. Wir müssen den Menschen helfen. Sie von Humanität, Freiheit und Demokratie überzeugen. Sonst haben die Fanatiker leichtes Spiel.

BamS: Das heißt?

Peres: Die Terroristen haben nur Macht über uns, wenn wir vor ihnen Angst haben. Sobald wir ihnen entschlossen gegenübertreten, werden sie den Kampf über kurz oder lang verlieren.

BamS: Nach den Terroranschlägen schmieden die USA eine Allianz mit islamischen Staaten. Ihr Regierungschef fürchtet, die USA vernachlässigen dafür die Treue zu Israel. Hat er Recht?




Peres: Das sehe ich nicht so! Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Wir sollten es nicht gefährden. Selbstverständlich gibt es auch unter Freunden Meinungsverschiedenheiten, doch das sollte man nicht dramatisieren.

BamS: Washington hat Israels Angebot, sich an der Anti-Terror-Koalition zu beteiligen, zurückgewiesen . . .

Peres: Wir müssen hier zwei Dinge auseinander halten. Die USA haben ein kurzfristiges Ziel, Osama bin Laden der Gerechtigkeit zu überführen. Zu diesem Zweck haben die Amerikaner eine zeitlich befristete Koalition geschlossen, bei der wir nicht dabei sein können. Und es gibt eine langfristige Koalition der demokratischen Staaten gegen die Plage des internationalen Terrors, und da ist das demokratische Israel selbstverständlich dabei.

BamS: Wie muss nach Ihrer Meinung der Terror bekämpft werden?

Peres: Der Kampf gegen den Terror ist ein langer und totaler Krieg. Mit dem Terror darf es keine Kompromisse geben. Das muss man verstehen. So lange der Terror nicht endgültig geschlagen ist, wird es nirgends auf der Welt Sicherheit geben – keine sicheren Flüge, kein sicheres Wohnen, keine Massenveranstaltungen, ja nicht einmal genießbares Trinkwasser. Wir müssen die Welt von diesen Verrückten, Fanatikern und Rauschgifthändlern befreien.

BamS: Gibt es noch eine Bedrohung durch den Irak?

Peres: Ja, durch den Irak und den Iran. Beides sind Schwindlerstaaten, die sich nicht an Abrüstungsabkommen halten. Sie entwickeln Massenvernichtungswaffen und Raketen und sind auch bereit, diese gegen Israel einzusetzen.

BamS: Herr Peres, Sie sind Friedensnobelpreisträger, waren mehrmals Ministerpräsident, lange Jahre Vorsitzender der Arbeiterpartei. Sie sind 78 Jahre alt. Wieso nehmen Sie die Mühsal des politischen Alltags noch auf sich?

Peres: Ich fühle, ich habe die Pflicht, meinem Land und dem Frieden zu dienen. Und ich will alles tun, meine Erfahrungen einzubringen. Mein Verantwortungsgefühl ist größer als mein Bedürfnis nach Ruhe.



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