Heineken bremst Expansion in Deutschland

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Heineken bremst Expansion in Deutschland Happy End

Heineken bremst Expansion in Deutschland

 
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Der niederländische Brauereikonzern Heineken hat im vergangenen Jahr bei Umsatz und Gewinn zugelegt und die Erwartungen der Analysten erfüllt. Auch beim Ausblick machte das Unternehmen keine Abstriche.

Der niederländische Bierkonzern Heineken hat Kaufpläne in Deutschland zurückgestellt: "Die Preise in Deutschland sind derzeit verdorben. Wir warten ab, bis sich das wieder beruhigt hat. Derzeit stehen wir vor keiner Kaufentscheidung", sagte der designierte neue Vorstandschef Anthony Ruys der Financial Times Deutschland am Mittwoch in Amsterdam am Rande der Jahrespressekonferenz. Ruys wird Ende April Karel Vuursteen ablösen, der nach rund elf Jahren an der Spitze in den Ruhestand geht.

Damit nimmt Europas zweitgrößter Bierkonzern hinter der belgischen Interbrew (Stella Artois, Beck’s) das Tempo aus der Konzentration auf dem deutschen Brauereimarkt. Bisheriger Höhepunkt: Der Kauf der Bremer Beck-Brauerei durch Interbrew für umgerechnet knapp 1,8 Mrd. Euro. Seitdem denke jeder deutscher Brauer, er sei Milliardär und verlange entsprechend hohe Preise, sagte Ruys.

Übernahmepreise zu hoch

Pikanterweise hatte 2001 gerade Heineken den deutschen Markt aufgewirbelt. Die Niederländer stiegen in das Biergeschäft des Münchner Unternehmers Stefan Schörghuber ein und halten seither knapp unter 50 Prozent an der Brau Holding International mit den Marken Kulmbacher und Paulaner. Zwar ist Deutschland der umsatzstärkste Markt in Europa. Die Zersplitterung in rund 1300 Brauereien und viele regional starke Marken schreckten jedoch lange Zeit die internationalen Bier-Multis ab.

Seit dem Einstieg Heinekens sind jedoch die europäischen Konkurrenten aufgewacht: Interbrew sicherte sich neben Beck’s noch die Altbiermarke Diebels. Auch South African Breweries (Pilsner Urquell) und Scottish & Newcastle (Kronenbourg) beobachten den Markt.

Asien und Russland haben Priorität

Auch Schörghuber war im Vorjahr nach dem Schulterschluss mit Heineken in die Offensive gegangen und hatte mehrfach von aussichtsreichen Gesprächen berichtet. Nach Ruys’ Aussage müssen die Münchner nun in Deutschland das Tempo voraussichtlich erst einmal zurücknehmen. "Für die Entwicklung unseres Geschäfts in Deutschland werden wir uns viel Zeit nehmen", sagt Ruys.

Statt in Deutschland will der kommende Vorstandschef des niederländischen Vorzeigekonzerns in Südamerika, Asien und Russland auf Einkaufstour gehen. "Dort liegen unsere Prioritäten. Wir wollen dazu kaufen. Denn das sind die Wachstumsmärkte der Zukunft", sagte Ruys am Mittwoch. Nach einer Studie der Investmentbanker von ABN Amro wird der Bierkonsum in diesen Regionen bis 2004 zum Teil deutlich zunehmen - in Indonesien etwa um knapp zehn Prozent. In Westeuropa dagegen stagniert der Markt.

Zukäufe in Südamerika, Asien und Russland geplant

Der designierte neue Vorstandschef ist unter Druck, neue Zukäufe zu präsentieren. Sein Vorgänger Karel Vuursteen hat Investoren dank zahlreicher Zukäufe mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten verwöhnt. Knapp die Hälfte des Umsatzsprungs in 2001 von 13 Prozent auf knapp 9,2 Mrd. Euro stammt aus Akquisitionen. Für das Plus im operativen Gewinn von 22 Prozent auf gut 1,1 Mrd. Euro haben Zukäufe "eine wichtige Rolle gespielt", sagte Ruys am Mittwoch. Mit einer Umsatzrendite von 12,3 Prozent ist Heineken so profitabel wie nur wenige andere Nahrungsmittelhersteller. Für 2002 kündigte Ruys steigende Gewinne an. "Wenn ein Brauer jährlich zweistellige Zuwachsraten im Gewinn präsentieren will, muss das herangeschafft werden", sagt Paul Hofman, Analyst bei F. van Lanschot.

Allerdings droht ausgerechnet im wachstumsstarken Südamerika Stillstand. Um im wichtigen brasilianischen Markt stärker Fuß zu fassen, möchte Ruys bei der zweitgrößten einheimischen Brauerei Kaiser den Heineken-Anteil von 14 Prozent zu einer Mehrheit ausbauen. Die Eigner, eine Gruppe von Coca-Cola-Abfüllern, sträuben sich jedoch. Wie es heißt, soll ihnen ein Angebot der Niederländer über 750 Mio. $ nicht ausgereicht haben. "Wenn wir bis Mitte des Jahres keine Entscheidung haben, werden wir die Sache beenden", sagte Ruys. Die Aktie von Heineken fiel in Amsterdam am Mittwoch nach 47,07 Euro bei Eröffnung bis zum Abend auf 46,65 Euro



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