Wieso XRP Bitcoin nicht vom Thron stürzt – und Ripple trotzdem Bestand haben kann

Montag, 20.05.2019 13:30 von BTC-Echo - Aufrufe: 213

Als drittgrößte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung phantasiert die XRP-Armee gerne über die Entthronung König Bitcoins. Wieso das nie geschehen wird – und Ripple trotzdem seine Berechtigung hat.

Der Krypto-Markt ist ein Schlachtfeld der Narrative. Als Beispiel offenbart sich dies im Streit zwischen Bitcoin (BTC) und Bitcoin Cash (BCH): Die einen sagen, BTC muss als Sound Money allen voran seine Eignung als Store of Value, also seine Wertspeicherfunktion optimieren. Die anderen halten den Einsatz im e-Commerce für den prominentesten Use Case für Kryptowährungen – und bauen BCH folglich so, dass der Coin mithilfe geringer Transaktionsgebühren auf selbigen optimiert. Die Narrative sind inkompatibel und so sprengt der Streit mithin die Grenzen des guten Geschmacks.

In ähnlichem Verhältnis zueinander stehen Bitcoin und Ripple. Wieso die beiden Top-Kryptowährungen völlig verschiedene Probleme lösen und eine Koexistenz trotzdem möglich ist.

Ripple CEO tritt vor Carstens & Co. auf

„Wir verkaufen unser Produkt an Banken und lösen damit das Problem grenzüberschreitender Zahlungsströme“, fasst Ripple-CEO Brad Garlinghouse die Value Proposition des kalifornischen Unternehmens zusammen. Bei seinem Auftritt auf der 9th High-Level Conference on the International Monetary System vor dekoriertem Publikum – unter anderem waren IWF-Chefökonomin Christin Lagarde und Chairman der Internationalen Bank für Zahlungsausgleich zugegen – preist Garlinghouse die Verheißungen einer Integration von Ripple-Produkten in das internationale Finanzsystem an.

Mit Ripple, so der Tonus, wären Zahlungsströme von Bank zu Bank „bis zu 1.000 mal günstiger und 1.000 mal schneller als mit SWIFT.“ XCurrent, Ripples Messaging-Dienst, sei SWIFT 2.0, so Garlinghouse.


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Das Produkt eines profitorientierten Unternehmens also, dass in Konkurrenz zu SWIFT treten will. So weit, so gut. Konkurrenz belebt den Markt und wer je versucht hat, eine Standardüberweisung durchzuführen, die die europäischen Grenzen passieren soll, der weiß um die Notwendigkeit eines Updates. Wenn Ripple die Verheißungen seiner Produktlinien xCurrent und xRapid einzuhalten vermag, könnten grenzüberschreitende Zahlungen alsbald günstiger werden. So weit keine Einwände.

Ripple ist nicht dezentral

Ab dann beginnt das Narrativ zu bröckeln. Denn Ripple versucht, mithilfe von XRP zu suggerieren, dass es ein dezentrales Produkt aufgesetzt hat, das in Konkurrenz zu Bitcoin steht. Doch XRP ist weder dezentral, noch löst es dasselbe Problem wie Bitcoin. Denn xCurrent funktioniert gänzlich ohne Token – für Interbanken-Payments braucht es kein XRP. Lediglich bei xRapid kommt der Token ins Spiel, doch der wird kaum genutzt. Zwar konnte das US-Unternehmen bereits eine Reihe namhafter Geldhäuser an Bord holen. Allerdings spielt XRP bei keiner der Partnerschaften eine Rolle.

Hier offenbart sich das Problem: Der Wert des Token ist fundamental mit der Unternehmensperformance verknüpft. Je mehr Partner Ripple an Land zieht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass XRP eines Tages einen Nutzen hat. Das hat mit Dezentralität nichts mehr zu tun. Ferner fungiert Ripple mit der Unique Node List (UNL) immer als Kontrollinstanz im Netzwerk und bestimmt die Konsensregeln.

Bitcoin verfügt über keinen CEO, der vor versammelter Banken-Elite die Vorzüge einer Kryptowährung darlegt. Und trotzdem ist der Vorsprung beträchtlich. BTCs Marktkapitalisierung ist mit 140 Milliarden US-Dollar etwa neunmal höher als die von XRP.

XRP ist kein Geld

XRP ist an einen ganz bestimmten Nutzen geknüpft: grenzüberschreitende Geldsendungen möglichst günstig durchzuführen. Bitcoin hingegen ist nichts Geringeres als das größte makroökonomische Experiment der Menschheitsgeschichte. Es ist der Versuch, ein apolitisches, universelles Geldmittel zu etablieren, dass unabhängig von jedweder zentralisierten Instanz funktioniert. Nie hatte privates Geld eine derart große Chance auf eine Durchsetzung wie jetzt.

Die Transparenz und Dezentralität des Netzwerks führt dazu, dass Menschen Bitcoin mit der Zeit als Wertspeicher mehr Vertrauen schenken als etablierten Fiatwährungen. Das Vertrauen entsteht einzig durch die Kernattribute, die Bitcoin ausmachen: Dezentralität, Unverletzlichkeit der Blockchain und der fixen Inflationsrate. Insbesondere Letzteres betrachten viele als Bitcoins zentrales Wertversprechen.

XRP-Transaktionen mögen schneller vonstatten gehen als Bitcoin-Transaktionen. Es reicht aber nicht aus, ein Attribut herauszunehmen, dieses zu optimieren und damit BTC vom Thron zu stoßen.

Aussagen wie die von Garlinghouse, dass XRP als „Antwort auf die Unzulänglichkeiten im Hinblick auf die Skalierbarkeit gebaut wurde“, entbehrt jeglichen Verständnisses von dem, was Bitcoin ist. Denn BTC ist kein technologisches, sondern ein monetäres Phänomen.

Bitcoin optimiert nicht auf Geschwindigkeit, weil es das noch nicht muss. BTC optimiert auf Sicherheit, auf die Unveränderlichkeit der Blockchain und auf Dezentralität. Während Ripple mit SWIFT in Konkurrenz tritt, tritt Bitcoin mit nichts Geringerem als einem Paradigma in Konkurrenz: nämlich der Mär, dass nur staatliche Währungen gutes Geld sein können.

Fazit

Als Alternative zum angestaubten Zahlungsnetzwerk SWIFT hat Ripple seine Berechtigung. Ob und wie der XRP-Token in dem Ökosystem Bestand haben wird, hängt aber einzig vom Unternehmen selbst ab.

Als Alternative zum Fiatgeldsystem optimiert Bitcoin jedoch auf die großen Implikationen: Nullzinspolitik, Inflation, Währungspluralismus und den Machtüberhang des US-Dollars. Mit alldem tritt BTC in Konkurrenz. Die Frage, worauf sich die Krypto-Gemeinde in dieser frühen Phase konzentrieren sollte, erübrigt sich damit.

 
Source: BTC-ECHO

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