Spende an Klitschko: Entscheidung über Abberufung des EWE-Chefs naht

Sonntag, 19.02.2017 14:45 von dpa-AFX - Aufrufe: 237

Mann mit Smartphone und Tablet (Symbolbild).
Mann mit Smartphone und Tablet (Symbolbild).
© metamorworks / iStock / Getty Images Plus / Gett.

OLDENBURG (dpa-AFX) - Eine eigenmächtig erteilte Spende von 253 000 Euro an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko hat für den Vorstandsvorsitzenden des Oldenburger Energieanbieters EWE, Matthias Brückmann, schwerwiegende Folgen. Vor knapp zwei Wochen empfahl das Präsidium des Aufsichtsrats, Brückmann abzuberufen, nun ist das gesamte Gremium am Zug. Am kommenden Mittwoch trifft sich der Aufsichtsrat und es wird erwartet, dass er der Empfehlung seiner Spitze folgt und das Ende für Brückmanns EWE-Karriere beschließt.

Doch der Aufsichtsrat wird sich auch noch mit einem ebenso unerfreulichen Thema beschäftigen: Am Freitag waren Korruptionsvorwürfe gegen andere Manager der EWE-Tochter EWE Netz bekannt gewordenen. Die Konzernrevision prüft den Verdacht, dass mehrere Führungskräfte für Aufträge an fremde Unternehmen Gegenleistungen von diesen forderten und auch erhielten. Das "Handelsblatt" schrieb unter Berufung auf interne Unterlagen, Manager hätten Schmiergeldzahlungen eingefordert und erhalten.

Aufsichtsratsvorsitzende Stephan-Andreas Kaulvers hatte angekündigt, alle Vorgänge sauber aufzuklären. Zunächst müsse aber das Prüfergebnis abgewartet werden. "Erst dann kann ich über Konsequenzen nachdenken." Wann ein Ergebnis vorliegen wird, ist noch unklar. Das Unternehmen, das zu den größten Stromversorgern Deutschlands gehört, kommt somit seit Bekanntwerden der Spenden-Affäre nicht mehr raus aus den Turbulenzen.

In der Sitzung am Mittwoch werden den Mitgliedern des Aufsichtsrats wahrscheinlich zwei Dokumente vorliegen: Der Abschlussbericht einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die verschiedene Vorwürfe gegen Brückmann analysierte, und eine schriftliche Stellungnahme des bisherigen EWE-Chefs. "Das sind die Entscheidungsgrundlagen", sagte Präsidiumsmitglied Heiner Schönecke.

Die Fronten sind verhärtet: Warum ließ der EWE-Chef im vergangenen Jahr 253 000 Euro an eine Stiftung von Klitschko nach Kiew überweisen, ohne den Finanz- und Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates zu informieren? Das Kontrollgremium hätte zustimmen müssen, wie ein EWE-Sprecher sagte. Brückmanns Anwalt wies dies dagegen zurück: Die Zahlung sei rechtlich nicht zu beanstanden.

Inzwischen hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Wegen des Anfangsverdachts der Untreue ermittelt die Behörde gegen Brückmann und EWE-Vorstandsmitglied Michael Heidkamp, der bei der Spende die zweite Unterschrift gegeben haben soll. Und im Korruptionsfall prüft sie einen Anfangsverdacht.

Neben dem Beschluss des Aufsichtsrats über Brückmanns EWE-Zukunft sollen in der Sitzung weitere Personalien besprochen werden. Außer dem von Brückmann sind zwei weitere Vorstandsposten derzeit neu zu besetzten. Nach Spitzelvorwürfen hatte im September Personalvorstand Nikolaus Behr das Unternehmen verlassen, Ende des Jahres ging EWE-Technikvorstandsfrau Ines Kolmsee. Im Gespräch für die Neubesetzung sollen der Vorstand der EWE-Tochter Stadtwerke Bremen, Timo Poppe, und der Geschäftsführer von EWE Netz, Torsten Maus, sein. EWE Netz ist die EWE-Tochter, gegen die es nun die schwerwiegenden Korruptionsvorwürfe gibt./hho/jbi/DP/edh


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