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Frankenkurs von 1,20 ist kein Grund für Zinserhöhungen

Mittwoch, 23.05.2018 10:44 von GodmodeTrader

Basel (GodmodeTrader.de) - Der Franken hat erst vor kurzem wieder bei 1,20 EUR/CHF gehandelt und war in realer Rechnung auch handelsgewichtet wieder dort, wo ihn die Nationalbank bis zur Aufgabe der Untergrenze gehalten hat. An den Finanzmärkten hatte die jüngste Abwertung von kumuliert fünf Prozent gegenüber Vorjahr zusammen mit der letzten Inflationsprognose der SNB von immerhin zwei Prozent bis Mitte 2020 zu Zinserhöhungsphantasien geführt. Mittels inländisch generierten Preissteigerungen wäre eine Inflationsrate von über zwei Prozent illusorisch. Es bedürfe einer kräftigen Abwertung des Franken, um Inflationsraten über ein Prozent zu generieren, wie Junius Karsten, Chefökonom bei der Bank J. Safra Sarasin, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Importierte Güter hätten ein Gewicht von 25,3 Prozent am Warenkorb, der der Inflationsberechnung zu Grunde liege. Eine vierprozentige Abwertung würde für sich genommen das Preisniveau um einen Prozentpunkt anheben können, wenn die Abwertung voll auf die Schweizer Konsumenten umgewälzt würde. In der Regel sei das nicht ganz der Fall. Typischerweise dauere es rund sechs bis neun Monate bis Wechselkursveränderungen sich in höheren Preisen niederschlügen. Das bedeute aber auch, dass ein großer Teil der bisherigen Abwertung bereits in den aktuellen Preisen enthalten sei. So seien die Importgüter in den zwölf Monaten bis März dieses Jahres bereits um 1,6 Prozentpunkte stärker gestiegen als die Inlandsgüter. Nur so konnte die Inflationsrate überhaupt die aktuellen 0,8 Prozent gegenüber Vorjahr erreichen, heißt es weiter.

„Ein schwacher Franken mag die Schweizer Exportwirtschaft beflügeln und die Inflation ankurbeln. Er hat dazu geführt, dass der Franken inzwischen wieder fair bewertet ist. Über das Inflationsziel der SNB hinausschießende Inflationsraten bedürften einer noch stärkeren Abwertung des Franken. Die Modelle der SNB legen dies offensichtlich nahe“, so Karsten.

„Wir sind vorsichtiger, da die Anpassungsanstrengungen nach dem Wechselkursschock auch bedeuten, dass die schweizerische Wirtschaft inzwischen auch bei einem höheren Wechselkurs wettbewerbsfähig ist. Ohne zusätzliche Abwertung gehen wir davon aus, dass sich die Inflationsrate zwischen 1,0 Prozent und knapp 1,5 Prozent einpendelt. Dies wären durchaus Niveaus, bei denen die Geldpolitik normalisiert werden könnte. Es besteht allerdings keine Eile, dies vor der EZB zu tun. Aktuell gehen wir von einer ersten Zinserhöhung im Euroraum im zweiten Quartal 2019 aus. Dies ist an den Geldmärkten auch eingepreist“, so Karsten.

Die weniger guten ökonomischen Daten der vergangenen acht Wochen und die sofortige Reaktion der EZB auf ihrer jüngsten Pressekonferenz zeigten aber auch, dass die Konjunktureuphorie schnell wieder in Skepsis umschlagen könne. In trockenen Tüchern sei die Zinswende der EZB deshalb noch nicht. Es wäre daher riskant für die SNB den ohnehin geringen Zinsabstand zum Eurowährungsraum durch eine vorschnelle Zinserhöhung zu reduzieren. Zu schnell könnte dies wieder zu einem stärkeren Franken führen und die Anpassungserfolge der vergangenen Quartale zunichtemachen. Einmal mehr dürfte Geduld angemessen sein. Der eingeschlagene Weg sei richtig, bis zu einer wirklichen Normalisierung der Geldpolitik sei er aber auch noch ziemlich lang, heißt es abschließend.