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Wahrheitsministerium Google

Montag, 17.10.2016 15:20 von

Mit einer zusätzlichen Funktion will es Google (Alphabet A Aktie) seinen Nutzern ermöglichen, Nachrichten einem Faktencheck zu unterziehen. So sollen falsche Behauptungen und Lügen entlarvt werden. Doch die Idee birgt große Gefahren.

Wir leben im postfaktischen Medienzeitalter. Nicht überprüfbare Informationen und auf Daten basierende Analysen sind immer weniger der entscheidende Parameter für die politische Meinungsbildung in einer Gesellschaft, sondern Gerüchte, Vermutungen, Verschwörungstheorien und sogar Lügen im Netz. Sie schaffen die emotionale Grundlage für immer neue Erregungswellen, auf denen Populisten erfolgreich surfen können. Der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien wie der Front National in Frankreich, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich und Orbans Fidesz in Ungarn sind nicht vorstellbar ohne das postfaktische Internet.

Nun bekommen die vereinigten Populisten aller Länder Gegenwind – ausgerechnet vom Internetgiganten Google. Der wertvollste Konzern der Welt wird erst einmal in den USA und Großbritannien eine neue Zusatzfunktion namens „Fact Check“ einführen. Der Faktencheck mit entsprechenden Links wird unter der Schlagzeile eingeblendet. Der Riese aus dem kalifornischen Mountain View will damit gegen Falschmeldungen und Lügen im Netz vorgehen. Das Hauptziel liegt auf der Hand: Es ist die Gerüchteküche der sozialen Medien. Facebook (Facebook Aktie) & Co. sind immer häufiger von kruden Verschwörungstheorien verseucht, deren politische Absicht häufig auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist.

Eine schöne, praktische Idee von Google, um den grassierenden Populismus und seine Protagonisten als non-faktischen Popanz zu entlarven? Der Internetgigant will aber nur auf Faktenchecks verlinken, die die vom Konzern „allgemein akzeptierten Kriterien“ erfüllen. Die Entscheidung, zu wem verlinkt wird, liegt ausgerechnet bei Google, das ohnehin weltweit die Internetsuche dominiert.

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