ROUNDUP: Bayer ringt bei Monsanto-Übernahme weiter mit Kapitalmarkt-Skepsis

Mittwoch, 16.11.2016 11:53 von

LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Die geplante Monsanto-Übernahme für rund 66 Milliarden Dollar (Dollarkurs) durch Bayer (Bayer Aktie) kommt am Kapitalmarkt weiter nicht gut an. Nachdem sich der Aktienkurs in den vergangenen Wochen etwas von den Rückschlägen infolge der Rekordübernahme erholt hatte, kam er am Mittwoch nach der Platzierung einer Pflichtwandelanleihe über vier Milliarden Euro - einem ersten Baustein der Umschuldung des Kaufpreises - unter die Räder. Da Pflichtwandelanleihen später in Aktien des Pharma- und Pflanzenschutzkonzern getauscht werden, spricht man auch von einer Kapitalerhöhung mit Verzögerung.

Und auch wenn der Schritt bereits seit längerem erwartet wurde, kam er am Aktienmarkt nicht gut an. Der Börsenwert von Bayer stürzte um rund fünf Prozent oder fast vier Milliarden Euro auf etwas mehr 75 Milliarden Euro ab. Vor den ersten Spekulationen über einen Kauf von Monsanto im Frühjahr kam Bayer noch auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 90 Milliarden Euro. Zu diesem Zeitpunkt war Bayer auch noch das teuerste börsennotierte deutsche Unternehmen - inzwischen wurden die Leverkusener von SAP (SAP Aktie) und Siemens (Siemens Aktie) überholt.

Viele Investoren stehen dem geplanten Zukauf US-Saatgutspezialisten Monsanto wegen des Kaufpreises und der vielen anderen Risiken kritisch gegenüber. Dieser Effekt dürfte sich in den vergangenen Tagen verstärkt haben, da die Kapitalmarktzinsen nach dem überrraschenden Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen zuletzt wieder deutlich angezogen haben. Damit ist auch das Umfeld für den Verkauf von Anleihen durch Unternehmen generell wieder etwas schwieriger geworden. Die Eigenkapitalmaßnahme kann sich später aber bei der Aufnahme von Anleihen auch positiv bei den Finanzierungsbedingungen bemerkbar machen.

UNGÜNSTIGE KONDITIONEN BEI PFLICHTWANDELANLEIHE

Dies hat Bayer bei der Platzierung seiner Pflichtwandelanleihe zu spüren bekommen. Das Papier war zwar nach Unternehmensdarstellung mehrfach überzeichnet - doch das ist bei solchen Transaktionen üblich. Beim Zins und der Wandlungsprämie musste der Konzern allerdings die für ihn ungünstigsten Konditionen der angekündigten Spannen hinnehmen. So liegt die Verzinsung des Papiers mit 5,625 Prozent pro Jahr nach Angaben vom Mittwoch am oberen Rand der vorher angepeilten Bandbreite. Der Zinskupon ist zudem für eine Pflichtwandelanleihe ungewöhnlich hoch.

Damit fallen die jährlichen Zinsausgaben für diesen Finanzteil der Monsanto-Übernahme mit 225 Millionen Euro rund 20 Millionen Euro höher aus als im günstigsten Fall erhofft. Und auch bei der Wandlungsprämie, die den Preis des festverzinslichen Papiers in Aktien des Unternehmens festlegt, musste Bayer an die für das Unternehmen ungünstige untere Ende der anvisierten Schwankungsbreite gehen. Die Spanne des Wandlungspreises wurde auf 90 Euro bis 108 Euro festgelegt.

Damit liege die maximale Wandlungsprämie bei 20 Prozent über dem Referenzpreis von 90 Euro, hieß es. Anvisiert hatte Bayer eine Prämie von 20 bis 25 Prozent. Bei dieser Kennziffer ist ein höherer Wert für das Unternehmen besser, da es bei der Wandlung dann weniger Aktien zum Umtausch anbieten muss. Umgekehrt bedeutet es für die Investoren, dass der Kurs der Aktie nicht so stark steigen muss, damit sich die Wandlung für sie rentiert.

AKTIENAUSGABE SPÄTESTENS IM NOVEMBER 2019

Die untere Spanne des Wandlungspreises lag sogar unter dem aktuellen Kurs der Bayer-Anteile zum Xetra-Schluss vom Dienstag - auch das ist für eine Pflichtwandelanleihe eher ungewöhnlich. Mit dem Kursrutsch vom Mittwoch ist die Aktie allerdings auf das Niveau der unteren Spanne des Wandlungspreises gefallen. Die am Anfang der Woche angekündigte Pflichtwandelanleihe hat eine Laufzeit bis zum 22. November 2019. Die Anleihebedingungen räumen sowohl den Käufern des Papiers sowie Bayer aber Wandlungsrechte vor dem Fälligkeitszeitpunkt ein.

Wie viele neue Anteile die Leverkusener ausgeben müssen, ist noch offen. Je stärker der Kurs steigt, desto günstiger ist es für den Konzern, da dann weniger Aktien ausgegeben werden müssen. Bayer profitiert dabei von Kurssteigerungen bis zu 108 Euro - dem maximalen Wandlungskurs. Sollte die Aktie stärker steigen, würden die Anleiheinvestoren profitieren. Diese tragen allerdings auch das Risiko von Kursen unterhalb von 90 Euro - dem minimalen Wandlungskurs. Bei Kursen dazwischen teilen sich Bayer und die Anleihe-Zeichner Chancen und Risiken.

PFLICHTWANDELANLEIHE IST ERSTER REFINANZIERUNGSSCHRITT

Bayer-Chef Werner Baumann hatte sich im September nach langem Gefeilsche mit Monsanto auf eine Übernahme geeinigt. Der Preis lag am Ende vieler Verhandlungsrunden bei rund 66 Milliarden US-Dollar (derzeit knapp 62 Mrd Euro). Bayer hat sich dafür bei Banken Kredite über rund 57 Milliarden Dollar gesichert. Die Schulden will Baumann durch Eigenkapital um etwa ein Drittel auf 38 Milliarden Dollar senken - die nachrangige Pflichtwandelanleihe ist ein erster Schritt davon. Weitere Details des Eigenkapitalanteil-Aufbaus sind ebenso wie die langfristige Finanzierung des Schuldenbergs noch offen. Ohnehin müssen aber auch noch die Monsanto-Aktionäre und die Behörden rund um den Globus dem Deal zustimmen. Mit einem Abschluss wird erst Ende 2017 gerechnet./zb/jha/fbr