AKTIE IM FOKUS 2: Übernahmephantasie treibt Osram-Aktien auf Rekordhoch

Donnerstag, 06.10.2016 18:33 von

(neu: Schlusskurse.)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Neue Übernahmegerüchte um Osram haben die Anleger des Lichtkonzerns einmal mehr strahlen lassen. Am Donnerstag schnellten die Aktien um 10,38 Prozent auf 59,95 Euro in die Höhe und waren damit der beste Wert im kaum veränderten Index der mittelgroßen Werte MDax. Bei 61,75 Euro hatten die Papiere im frühen Handel sogar ein Rekordhoch erreicht.

Grund für den Freudensprung war ein Bericht der "Wirtschaftswoche". Demzufolge zeichnet sich nun ein konkretes Übernahmeangebot für den Lichtkonzern ab. Wie das Magazin unter Berufung auf Verhandlungskreise schrieb, will der chinesische Halbleiterkonzern San'an Optoelectronics etwa 70 Euro je Osram-Aktie bieten. Osram wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren.

HÄNDLER: 'ÜBERNAHME SEHR WAHRSCHEINLICH'

Börsianern zufolge heizte der Artikel die bereits seit Wochen kursierenden Gerüchte rund um Osram noch einmal deutlich an. Eine Übernahme des Lichtkonzerns sei sehr wahrscheinlich, sagte ein Händler.

Bereits im September hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg gemeldet, der chinesische Investor GSR Go Scale Capital sei an dem Siemens-Anteil an Osram interessiert. Seither haben die Aktien mittlerweile gut ein Drittel an Wert gewonnen.

ANALYST: ÜBERNAHMEPOKER ERSCHEINT MÖGLICH

Analyst Sebastian Growe von der Commerzbank (Commerzbank Aktie) erinnerte derweil daran, dass GSR Go Scale Capital zuvor mit seinen Übernahmeplänen für die Philips-Sparte Lumileds an den US-Behörden gescheitert war. Vor diesem Hintergrund habe er bereits den chinesischen Investor als wahrscheinlichen Bieter für Osram erachtet.

Sollte also San'an sein Interesse an den Deutschen bestätigen, könnte es Growe zufolge zwischen den beiden Unternehmen um einen Bieterkampf um den Lichtkonzern kommen. Sowohl GSR Go Scale Capital als auch San'an seien stark an Osram interessiert und zudem nicht gerade dafür bekannt, besonders deutlich auf den Preis zu schauen.

EXPERTE ERWARTET KEINEN GEGENWIND VON DER POLITIK

Gegenwind von Seiten der Politik erwartet der Commerzbank-Experte derweil eher nicht, zumal Osram bereits Erfahrungen mit chinesischen Investoren gemacht hat: Ende Juli verkündete das Unternehmen den Verkauf seiner Lampensparte Ledvance mit noch gut 9000 Beschäftigten an ein Konsortium um den chinesischen LED-Spezialisten MLS. Laut der "Wirtschaftswoche" wird sich daher die deutsche Politik anders als beispielsweise bei dem Roboterbauer Kuka auch zurückhalten mit Kritik.

Der Elektrokonzern Siemens (Siemens Aktie) hatte vor drei Jahren die Tochter Osram über die Börse abgespalten und hält noch gut 17 Prozent an dem Lichtspezialisten. Beobachter fragen sich schon länger, wann das restliche Paket versilbert wird, zumal die Münchener die Beteiligung nicht als Kerngeschäft ansehen. Ein Rekordpreis von rund 70 Euro je Osram-Aktie wäre nun "ein gutes Angebot, das Siemens und wohl die meisten anderen Aktionäre nicht ausschlagen dürften", sagte ein Händler.

KURSSTURZ VOM NOVEMBER BEREITS MEHR ALS WETTGEMACHT

Für Anleger der ersten Stunde hat sich ein Investment in Osram durchaus gelohnt: Seitdem die Papiere Anfang Juli 2013 mit einem Kurs von 24,00 Euro an der Börse gestartet waren, steht ein Gewinn von rund 150 Prozent zu Buche. Auch die bisherige Jahresbilanz kann sich mit einem Plus von gut 50 Prozent mehr als sehen lassen.

Nahezu vergessen scheint damit der drastische Kurssturz um mehr als 28 Prozent am 11. November letzten Jahres, als die neue Wachstumsstrategie von Osram die Anleger wie ein Schlag getroffen hatte. In Folge dessen waren die Anteilsscheine Mitte Januar bis auf 34,25 Euro abgesackt. Seitdem haben sich die Papiere im Kurs fast verdoppelt./la/stb/men