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ROUNDUP: Zahlreiche Tuifly-Flüge gestrichen - auch Air Berlin betroffen

Montag, 03.10.2016 17:08 von

BERLIN/HANNOVER (dpa-AFX) - Die Fluggesellschaften Air Berlin (Air Berlin Aktie) und Tuifly müssen im Zuge ihrer Neuordnung zahlreiche Probleme lösen. Am Montag kam neuer Ärger hinzu: Wegen "Crewengpässen" hoben zahlreiche Tuifly-Ferienflieger gar nicht oder verspätet ab. Auch Air Berlin-Flüge waren betroffen. Es sei vereinzelt zu Beeinträchtigungen im Flugbetrieb gekommen, sagte ein Tuifly-Sprecher. Weitere Angaben zu den Hintergründen sowie zur Zahl der betroffenen Reisenden und Flüge machte er nicht. Es seien verschiedene Maßnahmen ergriffen worden, um die Passagiere an ihre Reiseziele zu bringen.

"Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Ersatzflugzeuge bereitzustellen", sagte eine Air Berlin-Sprecherin. Air Berlin hat mehrere Flugzeuge von Tuifly gemietet. Der Leasing-Vertrag umfasst nicht nur die Flugzeuge, sondern auch Wartung, Versicherung und Besatzung.

Air Berlin hatte am Donnerstag einen tiefgreifenden Umbau und den Abbau von 1200 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Neuordnung bringt auch bei der Tuifly Veränderungen mit sich. Am Freitag war bekanntgeworden, dass der Ferienflieger in eine neue Dachholding mit Air Berlin-Großaktionär Etihad integriert werden soll. Ein Beschluss wurde am Freitag aber noch nicht gefasst. Arbeitnehmervertreter laufen nach Informationen der "Bild am Sonntag" gegen die Pläne Sturm und befürchten Stellenkürzungen.

Air Berlin hat indes einen Dauerkonflikt mit der Gewerkschaft Verdi beigelegt. Beide Seiten hätten sich auf einen einheitlichen Manteltarifvertrag für alle Kabinen-Beschäftigten verständigt, der ab 1. November gelten soll, teilte Air Berlin am Samstag mit. Damit werden alle Tarifverträge, die aus der Vergangenheit der verschiedenen eingegliederten Unternehmen wie LTU stammen, zusammengefasst. Für viele Beschäftigte bringe die Vereinbarung bessere Arbeitsbedingungen mit kürzeren Arbeitszeiten und längeren Pausen, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Doch es droht neuer Ärger. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo prüft eine Klage gegen den neuen Tarifvertrag. "Die anderen Gewerkschaften im Konzern - und damit auch wir - hätten über die Aufnahme und den Fortschritt der Gespräche informiert werden müssen", sagte Ufo-Vorstandsmitglied Nicoley Baublies der "Rheinischen Post" (Montag). "Wir werden deshalb in der Tarifabteilung diese Woche beraten und werden dabei auch prüfen, ob wir gegen das rechtswidrige Zustandekommen dieses Tarifvertrags rechtliche Schritte einleiten."

Ufo und Verdi konkurrieren seit vielen Jahren bei der Vertretung von Mitarbeiterinteressen. Dies könnte auch bei Eurowings für Unruhe sorgen. 40 der derzeit 144 Air Berlin-Maschinen gehen im Zuge des Umbaus an die Lufthansa (Lufthansa Aktie), die diese samt Besatzung vor allem für ihre Billigtochter Eurowings mietet. "Bei Air Berlin gibt es ein deutlich besseres Lohnniveau als bei Eurowings", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Behle der "Welt am Sonntag". Für die Tarifgespräche bei Eurowings könne die Eingliederung der Air-Berlin-Flugzeuge deshalb nur positive Effekte haben. "Der Air-Berlin-Tarifvertrag ist richtig gut, auch aus Sicht der Piloten." Ufo-Vorstandsmitglied Baublies sagt der Zeitung: "Wir schauen Verdi genau auf die Finger."

Air Berlin-Chef Pichler hatte am Samstag mitgeteilt, es würden Gespräche mit Betriebsräten und Gewerkschaften geführt, um zu ausgewogenen Lösungen zu kommen. Mit den Piloten gibt es noch keine Tarifeinigung. "Mit der Vereinigung Cockpit befinden wir uns in konstruktiven Gesprächen und sind zuversichtlich, gemeinsam zu einem für beide Seiten akzeptablen Abschluss zu gelangen", teilte Pichler mit. Der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Markus Wahl, sagte: "Wir begleiten den Umbau kritisch. Die Gespräche laufen."/sba/DP/he