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ROUNDUP 2/Eurozone: Wirtschaftsstimmung immer besser - Boom oder Überhitzung?

Donnerstag, 23.11.2017 14:04 von dpa-AFX

LONDON (dpa-AFX) - Die Stimmung der Unternehmen im Euroraum hat sich im November überraschend und deutlich verbessert. Der Einkaufsmangerindex für die Gesamtwirtschaft erhöhte sich um 1,5 Punkte auf 57,5 Zähler, wie das Institut IHS Markit am Donnerstag in London mitteilte. Das ist der höchste Stand seit rund sechseinhalb Jahren. Die Stimmung in der Industrie stieg sogar auf den höchsten Wert seit mehr als 17 Jahren. Einige Volkswirte warnen bereits vor einer wirtschaftlichen Überhitzung.

Analysten wurden von den Umfrageergebnissen überrascht. Sie hatten mit einer Stagnation des Stimmungsindikators gerechnet. Werte oberhalb von 50 Punkten deuten auf Wirtschaftswachstum hin, Werte darunter auf wirtschaftliche Schrumpfung. Aktuell liegen sämtliche Indikatoren deutlich über der Wachstumsmarke.

Sowohl die Stimmung in der Industrie als auch in den Dienstleistungsunternehmen hellte sich spürbar auf. In den beiden größten Volkswirtschaften des Währungsraums, Deutschland und Frankreich, stiegen die Frühindikatoren durchweg an. In Frankreich fiel die Verbesserung besonders stark aus. "Die Party für die Privatwirtschaft in Frankreich geht weiter", kommentierte Markit-Experte Alex Gill.

Für die gesamte Eurozone sprach Markit-Chefökonom Chris Williamson gar von einem Boom. Die Botschaft der jüngsten Unternehmensumfrage sei eindeutig: "Die Wirtschaft boomt." Der Aufschwung habe sich sogar noch einmal beschleunigt. Williamson hob den starken Beschäftigungsaufbau hervor, der so kräftig sei wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr.

Bankvolkswirte interpretierten die Zahlen grundsätzlich positiv, es wurden aber auch warnende Stimmen laut. Die Umfragewerte legten nahe, dass die Euroraum-Konjunktur sehr stark wachse, hieß es vom britischen Analysehaus Capital Economics. "Wir bezweifeln, dass die politische Unsicherheit in Deutschland daran etwas ändern wird", ergänzten die Analysten mit Blick auf die stockende Regierungsbildung. Die Volkswirte der italienischen Großbank Unicredit schrieben: "Die Euroraum-Wirtschaft boomt."

Warnende Worte kamen dagegen von Andreas Scheuerle, Ökonom der Dekabank. "Die Industrieindikatoren deuten auf eine Überhitzung in Deutschland hin, und auch die Eurolandkonjunktur als Ganzes scheint heiß zu laufen." In Deutschland zeichneten sich Lieferengpässe ab, die Kapazitäten seien stark ausgelastet. "Noch versuchen die Unternehmen, dies mit einer Ausweitung der Beschäftigung zu kompensieren, doch das wird angesichts knapper Fachkräfte immer schwieriger."

Kritiker des aktuellen Konjunkturaufschwungs sehen diesen vor allem durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) angefacht. Sie befürchten, dass die wirtschaftliche Entwicklung durch die Nullzinspolitik künstlich aufgebläht wird. Mitunter wird davor gewarnt, dass sich der Wirtschaftsboom in rasch steigenden Inflationsraten entlädt und die EZB auf diese Entwicklung zu spät reagiere. Gegner dieser Sichtweise argumentieren, dass die freien wirtschaftlichen Kapazitäten im Euroraum, insbesondere die immer noch hohe Arbeitslosigkeit, einer Überhitzung entgegen stünden.

^Region/Index November Prognose Vormonat

EURORAUM

Gesamt 57,5 56,0 56,0

Verarb. Gew. 60,0 58,2 58,5

Dienste 56,2 55,2 55,0

DEUTSCHLAND

Verarb. Gew. 62,5 60,4 60,6

Dienste 54,9 55,0 54,7

FRANKREICH

Verarb. Gew. 57,5 55,9 56,1

Dienste 60,2 57,0 57,3°

(in Punkten)

/bgf/jsl/oca