ROUNDUP 2: Bahn und EVG kommen voran - aber Tarif-Einigung noch nicht in Sicht

Mittwoch, 23.11.2016 20:26 von

BERLIN (dpa-AFX) - In die Tarifrunde bei der Deutschen Bahn ist Bewegung gekommen. Der Konzern legte am Mittwoch in Berlin zur dritten Verhandlungsrunde der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ein Gesamtangebot vor, dass wichtige EVG-Forderungen aufgreift. Demnach ist die DB ist grundsätzlich bereit, ein Wahlmodell zur Arbeitszeit einzuführen. Auch ein Angebot zur Gehaltserhöhung kam auf den Tisch. Die EVG betonte allerdings, es müsse noch "deutlich nachgebessert" werden. Beide Seiten vertagten sich auf den 8. Dezember. In den Verhandlungen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer noch keine Annäherung in Sicht.

"Wir wollen noch vor Weihnachten einen für alle Mitglieder einheitlichen Tarifvertrag abschließen, ansonsten werden wir eine härtere Gangart einschlagen", sagte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Die Gewerkschaft fordert für rund 150 000 Bahn-Beschäftigte in Deutschland 4,5 Prozent mehr Geld - plus 2,5 Prozent, die die Arbeitnehmer auch gegen sechs Tage mehr Urlaub oder eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit eintauschen können.

Die Bahn erklärte sich grundsätzlich bereit, sich auf ein solches Wahlmodell im Wert von 2,5 Prozent einzulassen. Zudem bot sie 1,5 Prozent mehr Geld plus 0,2 Prozent für höheren Zusatzurlaub für Nachtarbeiter sowie einmalig 375 Euro - bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von 27 Monaten. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sprach von einem "Riesenschritt Richtung Zielgerade".

Die EVG war zurückhaltender. Die Bahn habe zwar zu allen Forderungen verhandlungsfähige Angebote vorgelegt, gestand Rusch-Ziemba zu. Es gebe aber noch gravierende Unterschiede zu den Forderungen. Die angebotene Lohnerhöhung gelte nicht für alle Beschäftigten gleichermaßen. Statt sechs Tagen mehr Urlaub würden sechs arbeitsfreie Tage zusätzlich angeboten.

Die Gewerkschaft werde keine Ungleichbehandlung akzeptieren, stellte die Verhandlungsführerin klar. Auch das Lohnangebot sei inakzeptabel. Rusch-Ziemba drohte mit Warnstreiks. "Wenn wir das am Verhandlungstisch nicht hinkriegen, dann gehen wir gemeinsam auf die Straße."

Bahn-Vorstand Weber bekräftigte: "Wir wollen im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiter einen schnellen Abschluss." Mit der GDL gehen die Gespräche für rund 35 000 Beschäftigte des Zugpersonals am Montag weiter. "Bisher sind wir da substanziell noch nicht weitergekommen", sagte Weber. Bisher habe die GDL das Bahnangebot nur pauschal kritisiert, aber nicht im Detail bewertet.

In der letzten Tarifrunde hatten ihre Mitglieder neun Mal die Arbeit niedergelegt. Anschließend wurde vereinbart, dass es künftig vor einem Streik einen Schlichtungsversuch geben muss./bf/DP/fbr