Nun gibt es ja zahlreiche Erklärungsversuche, warum die Aktienmärkte bis zum heutigen Zeitpunkt massiv angestiegen sind. Einerseits aus fundamentalen und andererseits aus psychologischen Gründen. Daneben sind da noch die angeblich nicht vorhandenen Anlagealternativen zu nennen. Hierbei ist selbtsverständlich bei einer Geldanlage das Risikoprofil im Verhältnis zu der erzielenden Rendite zu erwähnen.
Gebe ich mich mit einer sicheren und soliden Unternehmensanleihe mit einer Rendite zwischen 3 - 8% p.a. bzw. mit einer Festgeldanlage von zur Zeit 1 - 3% zufrieden oder gehe ich das Risiko mit einer wesentlich höheren zu erzielenden Rendite ein und spekuliere mit Derivaten bzw. mit Aktien.
Die erwartenden Kursziele der Analysten werden zur Zeit fast täglich nach oben revidiert. Ein ähnliches Szenario, aber in die andere Richtung, dürfte hier noch Anfang des Jahres 2009 jedem in Erinnerung sein. Sicherlich leben wir in einer schnelllebigen Zeit, aber die Gewinnerwartungen der Analysten für die aktiennotierten Unternehmen wird m.E. künstlich niedrig gehalten, um dann die Marktteilnehmer positiv überraschen zu können.
Bis zum Daxstand von 6000 sind es nur noch ca. 380 Punkte. Bis zum S&P-Stand 1200 fehlen nur noch ca. 150 Punkte.
Im Februar 2009 wurden die Kursziele ständig nach unten revidiert und Dax-Kursziele von schlimmstenfalls 3000 Punkten genannt. Über zwei Drittel der Marktteilnehmer war bärisch gestimmt und dann passierte der massive Move der Aktienmärkte ab März 2009 nach oben.
Nun sind über zwei Drittel der Anleger bzw. Analysten bullisch gestimmt und diese Sachlage im Vergleich mit der entgegengesetzten Stimmung vom Winter 2009 sollte m.E. der Anleger, der zu diesen Kursen weiterhin investieren möchte, nicht außer Acht lassen.
Fazit: Die Stimmung wird von den Analysten, Wirtschaftsinstituten und Zentralbanken bewußt gesteuert. Gewinnerwartungen und die wirtschaftliche Entwicklung werden mit dem Bewußtsein vorhersehbar niedrig gehalten, um den Anlegern bzw. Märkten weiterhin bei positiver Nachrichtenlage den Treibstoff für steigende Aktiennotierungen zu liefern.
KGV, KBV usw. scheinen bei den Analysten in ihrer Bewertung keine Rolle mehr zu spielen. Es sind größtenteils die Erwartungen, weil angeblich die Wirtschaft stärker wächst als bisher prognostiziert. Die Gefahr von Rückschlägen und die Chance für weiter steigende Kurse stehen somit 50/50.
Wie sich die Aktienmärkte zukünftig weiter entwickeln werden, ist m.E. noch schwieriger zu prognostizieren, als im Winter 2009.
Daher sind die hier genannten Kursziele in beide Richtungen doch eher eine Wette und im Verhältnis zu der wirtschaftlichen Situation der Welt im Sommer 2008 eine klare psychologische Stimmungsmache.
Zur Zeit nährt die Angst die Hausse. Angst etwas zu verpassen. Und genau deshalb werden die prognostizierten Kursziele höchstwahrscheinlich bis spätestens zum Ende des Jahres erreicht. Aufgrund der künstlich niedrig gehaltenen Erwartungen wird es daher keine negative Überraschung mehr geben, sondern im Gegenteil nur positive.
Wünsche daher allen weiterhin viel Glück und Erfolg bei den Anlageentscheidungen.