Für mich wäre bei einem China-Thread unklar, ob er bullisch, bärisch oder neutral orientiert sein sollte. So wie Lifeguard die Dinge sieht, würde es wohl eher ein Bullenthread.
Damit hätte ich Probleme: In China wird Vieles buchstäblich verdunkelt, u. a. das Schattenbanksystem, in dem sich faule Kredite häufen. Die KP-Führung ist stets hedonistisch positiv, will und hofft das Beste. Die "Zahlen" werden im Ausland oft nicht geglaubt. So gab es früher z. B. angeblich starkes Wachstum, obwohl landesweit der Stromverbrauch stark zurückging. Inzwischen haben die dortigen Statistiker und Datenerfasser dazugelernt und liefern "konsistentere" Datensätze - ohne dass z. B. bei mir die Glaubwürdigkeit dadurch sonderlich gestiegen wäre.
China möchte als Marktwirtschaft anerkannt werden, weist aber immer noch große Züge einer Planwirtschaft auf. Fast alle Firmen sind staatseigen. Wo sie nicht staatseigen sind (Schattenbankensystem), herrscht ein spekulatives Eldorado mit Wucherzinsen und frühkapitalistischen Zockermanieren.
Die Ausgangslage für eine Planwirtschaft ist in China ungünstiger als z. B. in Russland, das auf Unmengen an Bodenschätzen sitzt (Öl, Gas, Metalle), die es auch mit ineffektiver Verwaltung (staatlich) noch profitabel verkaufen kann. Russland will auf seinen weiten Flächen jetzt auch den Weizenanbau massiv ausweiten (Ziel: größter Weizenlieferant der Welt).
Ich habe gestern zu Chinas zweifelhaftem Planwirtschafts-System, das zu erheblichen Teilen aus faulen Krediten aus dem Schattenbank-Sektor finanziert wird, in # 726 eine Art Allegorie geschrieben, die ohne Reaktion blieb - entweder weil sie nicht verstanden wurde oder weil sie unzutreffend ist ;-)
Als Gegenargument könnte man einwänden: Modernisierung ist nicht zwingend mit "Löcher graben und wieder zuschaufeln" gleichsetzbar. Wenn dreckschleudernde Industrieanlagen, die lange in Betrieb waren, aber ihre Gestehungskosten amortisiert haben, durch neue umweltfreundliche ersetzt werden, die sicherlich auch noch effektiver arbeiten, dann ist das obige Argument, dass die Kredite nach dem "Löcher graben und wieder füllen" stehen bleiben, hinfällig. Die Kredite wären dann mit dem Cash-Flow aus der langen Betriebsdauer wieder eingespielt.
Richtig pervers aber wäre es z. B., wenn Chinas seit vielen Jahren unbewohnte 15 Geisterstädte abgerissen und mit energieeffizienteren und qualititativ hochwertigeren Häusern (die Bausubstanz ist in China oft marode) wieder neu aufgebaut würden. Auch so etwas traue ich den Chinesen zu. Dann hätten die Geisterstädte in der Zeit, in der sie leer rumstanden, keinen Cash-Flow aus Mieteinnahmen erzeugt (nur spekulativen Cash-Flow von den vielen blind-gierigen privaten Immobilienkäufern, die in Betongold geradezu vernarrt sind).
In letzterem Beispiel träfe meine "Löcher graben und wieder zuschütten"-Kritik, gepaart mit Kreditakkumulation und zunehmenden faulen Krediten, auf den Punkt.