OT Syrien
Die VSA können nun machen, was sie wollen, sie machen es falsch.
Greifen sie in den Konflikt ein, dann heißt es wieder, hier seien Kriegstreiber zu Gunsten der eigenen Wirtschaft und Finanzökonomie am Werke, Machtversessenheit einer 'Weltpolizei'. Nur ihr eigenes Interesse, Syrien vom Einfluß Rußlands oder Irans zu befreien. Es sei ein Vorspiel vor dem eigentlichen Ziel: Iran.
Greifen Sie nicht ein, so setzten sie sich nicht für die Demokratie in Syrien ein, werden unglaubürdig (sog. rote Linie), die Opfer des Giftgaseinsatzes wären ihnen egal (wie vorher die 100.000 Toten ebenso). Auch würden sie dann biligend einen Machtzuwachs der Fundamentalisten in Kauf nehmen.
Wenn ich daran denke, wie das in Syrien in Folge des arabischen Frühlings begann, als einige wenige mehr Demokratie forderten. Und was ist daraus erwachsen? Aus einem lokalen innenpolitischen Konflikt droht - wieder einmal - ein Flächenbrand zu werden. Fast schon unüberschaubar, wer bereits (in Vorwegnahme eines mögl. Angriffs) alles involviert ist. Gibt ja nun kaum mehr ein Land im Nahen Osten, welches nicht in den Konflikt verwickelt ist.
Während in Tunesien und Ägypten die Bevölkerung aus eigener Kraft mit zweifelhafen Erfolg Änderungen herbeigeführt hat, brauchte es in Libyen schon einen internationalen Einsatz mit verheerenden Folgen u. a. für Mali und Signalen ('alles wegen des Öls'). Also, bereits genug Material für Herrn Assad, daß er weiß, wie es anderen Despoten wie Herrn Ghaddafi oder Herrn Mubarak ergeht und der 'Westen' auch durchaus wie in Libyen vorgehen kann.
Vielleicht ist es allein der Rückendeckung durch Rußland und den jüngsten militärischen Erfolgen seiner Truppen, daß er Herrn Obamas 'rote Linie' überschritten hat, um den Bürgerkrieg die entscheidende Richtung zu geben. Es ist zweifellos schwieriger für seine zersplitterten Widersacher, neue Kämpfer zu finden, wenn sich diese einer unsichtbaren Waffe ausgesetzt fühlen müssen.
Der Plan, daß irgendeine Gruppierung der Opposition diese Giftgasanschläge verübt hat, um diese dann dem Regime in die Schuhe zu schieben, wäre an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten. Nicht nur, daß es sich hierbei um eine Lüge - aber die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst - handeln würden, nein, die Opfer wären aus den eigenen Reihen in nicht unerheblicher Zahl. Sollte nämlich die jeweilige Führung der Gruppierung, die den Anschlag zu verantworten hätte, an die Regierung kommen und sollte dies herauskommen, hätten sie ein Problem.
Es ist zudem ein Witz, daß die UN-Inspektoren lediglich das 'ob', aber nicht das 'wer' untersuchen sollten. Und es ist ein schlechter Scherz, daß wir in letzter Zeit erfahren müssen, wie sehr Geheimdienste Informationen sammeln, aber wenn es darauf ankommt, die Geheimdienste ihrer eigentlichen Aufgabe nicht nachkommen können, nämlich der jeweiligen Regierung stichhaltige und eindeutige Beweise zu liefern, wenn diese es nötig hat.
Es gibt inzwischen so viele Interessen in Syrien, die jede nachfolgende Regierung in arge Schwierigkeiten bringt. Die Libanonisierung des Nahen Ostens geht weiter.