Das starke Gewinnwachstum der SP-500 Firmen seit 2009 resultiert im Wesentlichen aus den Massenentlassungen während der Lehman-Krise. (Das US-Arbeitslosen-Heer ist seitdem riesig und bis heute Besorgnis erregend hoch.). Nach den Massenentlassungen waren die US-Firmen "lean to the bone" (verschlankt bis auf die Knochen). Entsprechend stieg die Arbeitsproduktivität, und die Lohnstückkosten sanken.
Hier wurde in der Tat Arbeit substituiert, wie Permanent oben schreibt. Und zwar ganz einfach dadurch, dass vorhandene Arbeit auf weniger Köpfe verteilt wurde. Die restlichen Köpfe wurden in die AL entlassen. Effizienzsteigerungen in der Krise erfolgen nicht durch Investitionen, sondern durch gezielte Einsparungen (hier: Löhne).
Als es dann wieder besser lief, haben US-Unternehmen neue Jobs vor allem in China und anderen Billiglohnländern geschaffen. Caterpillar hat dort seitdem ganze Werke aus dem Boden gestampft. Auch Apple lässt ausschließlich in China fertigen.
In USA wurde derweil die Massennachfrage künstlich hoch gehalten. Dies geschah u. a. durch Transferzahlungen (darunter zig AL-Geld-Verlängerungen und Steuersenkungen). Das Geld dafür stammt aus massiver - und langfristig unhaltbarer - Neuverschuldung in Höhe von 10-BIP-Prozent (Jahr für Jahr seit 2009). Diese Neuverschuldung wurde größtenteils aus QE refinanziert, weil Ausländer (China) an US-Staatsanleihen seit der Krise deutlich weniger Interesse zeigen.
Für die US-Firmen war dies die beste aller Welten: Sie konnten zu einem immer größeren Anteil zu China-Löhnen produzieren und derweil die Produkte zu gewohnt hohen Ami-Preisen verkaufen (siehe Apple/Foxconn), da der Konsum nicht zurückging.
Die hohe AL, die US-Firmen mit den Massenentlassungen verursacht hatten, wurde derweil zur Staatssache deklariert ("die Fed soll mit QE Arbeitsplätze schaffen", LOL). Dies ist auch eine Art "Sozialisierung von Verlusten" - hier in der Weise, dass die sozialen Folgekosten von Maßnahmen (Entlassungen), die zur Gewinnmaximierung führten, an den Staat weitergereicht wurden.
Dass Du, Fillorkill, diese hochkomplizierte Gemengelage allein durch die Sentiment-Brille siehst und interpretierst, zeugt von der reduktionistischen AZ-Weltsicht. Wenn man nichts hat als einen Hammer, sieht die ganze Welt halt wie ein Nagel aus ;-)
Man muss hier klar unterscheiden zwischen den "Begründungen", die Bernanke und Geithner liefern, und der oben beschriebenen Realität. Obama kann ja schlecht öffentlich erklären, dass die hohe US-Staatsverschuldung vor allem dazu dient, den in China produzierenden US-Firmen weiterhin einen lukrativen heimischen Absatzmarkt zu bieten.
Das Sentiment-Argument, wonach steigende Aktien und Assets die Stimmung heben und den Konsum fördern - man hört es auch laufend von Bernanke - ist schon allein deshalb sehr zweifelhaft, weil nur die oberen 20 % der Amis nennenswert Aktien besitzen. Die aber konsumieren sowieso. Die restlichen 80 % der Amis halten ganze 10 % aller Aktien.
Dass der US-Konsum nicht abreißt, liegt nicht an den steigenden Aktien (die vor allem den Reichen nützen), sondern an Geithners Transferzahlungen und neuen fragwürdigen Kreditkonstuktionen (Subprime-Automarkt).
QE hat in dem Kontext eine Doppelfunktion: Es treibt stimmungsmäßig Aktien hoch (was den Reichen nützt), und refinanziert Geithners Transferzahlungen (was den Konsum hoch hält). Die Kosten zahlen letztlich die US-Gläubiger (China), die sich in der Vergangenheit mit US-Staatsanleihen vollgesogen haben. Grund: QE entwertet den Dollar und damit die von diesen Ländern als "Staats-Ersparnisse" erworbenen US-Staatsanleihen. Amerika ist der weltweit größte Schuldner und missbraucht mit QE ziemlich frech die Leitwährungsfunktion des US-Dollars.
QE wird auch künftig Kapital künstlich verbilligen. Wenn US-Firmen vor der Entscheidung stehen, einen Arbeitsplatz zu schaffen oder stattdessen eine Maschine zu kaufen (sprich: Arbeit durch Maschinen zu substituieren), so werden sie angesichts des billigen Kapitals auch weiterhin der Maschine den Vorzug geben (dort wo es geht). Ich stimme somit Permanents Argument zu, dass QE letztlich Arbeitsplätze VERNICHTET.
Man sollte zudem im Auge halten, dass die Gewinnmargen der US-Firmen zurzeit auf dem höchsten Stand seit 60 Jahren sind (Quelle: Doug Kass). Es besteht erhöhte Gefahr eines "reversal to the mean". Kass hält die 120 Dollar, die der "Konsens" dem SP-500-Gewinn für 2013 zubilligt, für deutlich überhöht. Die zurzeit rekordhohen Margen und Gewinne der SP-500-Firmen könnten sich daher demnächst als "Gewinnblase" entpuppen. Es wäre nicht die erste Blase in USA.