Natürlich wollen die Amis nicht, dass die Börsen fallen. Zurzeit trübt sich jedoch in USA auf breiter Front das Makroumfeld ein. Die Fed droht nicht ohne Grund mit QE2. Wäre alles in Butter, würde sie stattdessen mit ersten Zinserhöhungen "drohen".
Einige Aktien wie Intel und Adobe haben nach Gewinnwarnungen und Ausblickseintrübungen bereits deutlich nachgaben (Adobe um 20 % overnight). HP ist ebenfalls im Keller, denn der PC-Branche wird Absatzschwund vorhergesagt. Der Halbleiter-Index SOX, der die Tendenz für den Nasdaq angibt, ist angeschlagen (unten). Korrespondierend zeigt der Banken-Index BKX eklatante Schwäche. So wie der Nasdaq sich nicht ohne Halbleiter erholen kann, kann sich auch der SP-500 nicht ohne die Finanzwerte erholen.
Man sollte daher mit weiteren Gewinnwarnungen, Ausblickseintrübungen und Enttäuschungen rechnen. Diese sind an den US-Börsen, die wie üblich "mit dem besten rechnen", in keinster Weise eingepreist sind. Adobes 20 % Rutsch overnight zeigt, wie heftig ein im Vorfeld falsch positionierter Markt reagieren kann.
Die Fed "steht zwar bereit", doch QE1 ist - entgegen ihren Vorankündigungen - weitgehend wirkungslos verpufft. Sonst wäre jetzt ja nicht QE2 erforderlich. USA ächzt weiterhin unter struktureller Massenarbeitslosigkeit - die U6-Quote liegt bei 16,7 % - und entsprechenden Rückgängen des Steueraufkommens. Wie sollen da ein weitere Steuersenkungen finanziert werden? Die Abstimmung ist nicht ohne Grund auf die Zeit nach den Zwischenwahlen im Nov. verschoben worden..
Last not least preist der Bond-Markt nach wie vor Deflation ein. Die fallenden Zinsrenditen waren in der Vergangenheit ein recht zuverlässiger Vorlaufindikator für fallende Aktienkurse.
Die Fed weiß das und sieht die Probleme. Aber sie wähnt, mit ihren QE2-Päppeleien "nun wirklich" die Wende herbeidrucken zu können. Wie aber soll das funktionieren, wenn QE1 wirkungslos verpufft ist und die Solidität der US-Staatsfinanzen immer prekärer wird? Stimu-Maßnahmen sind nur dann legitimierbar, wenn sie eine akute Notlage überbrücken, der dann ein selbsttragender Aufschwung folgt, in dem die Stimuli idealerweise (Keynes) zurückgezahlt werden. Statt dessen richtet sich USA nun aber auf Dauergepäppel ein. Die US-Wirtschaft ähnelt mehr und mehr einem Koma-Patienten auf der Intensivstation, der halbtot am QE-Tropf hängt.
Hier zwei Metaphern zur Beschreibung der aktuellen Lage:
1. Man könnte die Lage mit einem Haus vergleichen, in dem man einen Schwelbrand riecht, aber noch keinen Rauch sieht. Die Fed stellt schon mal vorsorglich mehrere Wassereimer (QE2) bereit. Sobald offene Flammen schlagen, will die Fed die Eimer über ihnen auskippen. Wohlwollend ließe sich sagen, dass die Lage zwar nicht rosig, aber unter Kontrolle ist (Börsen steigen, weil die Fed "bereit steht"). Ebensogut aber könnte man sagen, dass es buchstäblich "qualmt" im Fundament - und die Fed ihr Wasser bereits bei QE1 weitgehend vergossen hat, so dass ein erneuter ernsterer Brand (Doppel-Dip-Rezession) sich ähnlich ausweiten könnte wie die Waldbrände in Kalifornien oder Russland.
2. Man könnte die Lage auch noch blumiger mit einem Großraum-Jet vergleichen, bei dem auf einem Transatlantik-Flug eine der beiden Turbinen ausgefallen ist (Herbst 2008 Crash). Der Jet setzt den Flug in leichter Schieflage fort. Die Stewardessen servieren mühsam lächelnd Tomatensaft und Diet Coke und verbreiten ebenso mühsam Zuversicht (sie entsprechen den Bubblevision-V-Erholungs-"Einsagern"). Flugkapitän Bernanke betreibt die zweite Turbine nun im Turbo-Modus (Fed-Geldspritzen): Sie muss fast doppelt so viel leisten, weil sie ja die andere defekte ersetzen muss. Deshalb fängt sie nach einer Weile ebenfalls an zu qualmen (Arbeitsmarkt erholt sich nicht). Flugkapitän Bernanke versichert, dass das bei der Überlastung normal ist, und dass er nun noch höher fliegen will (QE2), um die Luftreibung weiter zu reduzieren. Sein Bordcomputer (US-Statistiker) hat errechnet, dass die Überlastung der Turbine (ausufernde Staatsverschuldung) noch drei Stunden schadlos fortgesetzt werden kann, so dass der nächste Flughafen auf dem Festland (selbsttragender Aufschwung) "sicher" erreicht werden könne.
Die Passagiere (US-Mittelklasse) blicken derweil voller Angst aus dem Fenster und stellen fest, dass die Jet-Spitze sich bereits gefährlich weit nach unten geneigt hat.
(Verkleinert auf 80%)

