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Viele Singles und Umzügler - Berlins Zeitungen kämpfen um Leser

Donnerstag, 27.10.2016 14:21 von

BERLIN (dpa-AFX) - Es ist der bunteste Medienmarkt der Republik - und wohl der komplizierteste: Jeden Tag erscheinen in Berlin fünf Lokalblätter - Boulevard und Abozeitungen. Auch die Überregionalen, einige mit eigenem Berlin-Teil, buhlen um die Gunst der Leser. Und mit "Bild" hat außerdem die auflagenstärkste Zeitung Deutschlands ihren Hauptsitz in der Stadt.

Doch die Berliner Zeitungslandschaft ist mitten in einem dramatischen Wandel. Das Medienhaus DuMont ("Kölner Stadt-Anzeiger" ) hat jetzt angekündigt, dass es die Redaktionen von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" zusammenzulegen wird. Eine Abo-Zeitung und ein Boulevardblatt werden dann in einem gemeinsamen Newsroom produziert.

Vor zwei Jahren hatte Axel Springer (Axel Springer Aktie) im Zuge der Trennung von ihren Regionalblättern die "Berliner Morgenpost" an die Funke-Mediengruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") verkauft. Funke erhielt so ein festes Standbein in der deutschen Hauptstadt. Die "Morgenpost" soll in wenigen Tagen auch in einer Kompaktausgabe erscheinen.

Doch mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Vereinigung verläuft durch Berlin weiter eine publizistische Mauer. Bei den Abo-Zeitungen ist der Markt weitgehend festgezurrt. Die "Berliner Zeitung" (Auflage: 96 692 von Montag bis Samstag nach IVW für das dritte Quartal 2016) wird vor allem im Osten gelesen, im Westen sind nach wie vor die "Morgenpost" (82 931/Mo-Sa) und Holtzbrincks "Tagesspiegel" (108 364 von Montag bis Sonntag) eher gefragt. Zwei Blätter teilen sich den Boulevardmarkt: Springers "B.Z" (104 641/Mo-Sa) und der "Berliner Kurier" (82 143/Mo-Sa).

Aber das Umfeld wird schwieriger. Wie der Branchendienst "Meedia" unter Berufung auf die IVW-Verkaufszahlen berichtet, wurden 2010 in Berlin werktags 758 000 Zeitungen abgesetzt, 2016 sind es im Schnitt noch 506 000. Im Verhältnis von Auflage zur Einwohnerzahl stehe Berlin unter den 50 größten Städten nur auf Platz 41.

Immer mehr Single-Haushalte und die hohe Zahl der Umzügler schwächen die Leser-Blatt-Bindung - anders als in kleineren Städten und auf dem Land. Dass Berlin "arm, aber sexy" ist, können die Verlage bestätigen, die mit teuren Werbeaktionen Neuabonnenten locken müssen.

Versuche, durch Kooperationen und Übernahmen der Entwicklung zu trotzen, sind bisher gescheitert. 2002 und 2004 stoppte das Kartellamt den Erwerb des Berliner Verlags durch Holtzbrinck ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Der Zusammenschluss würde Holtzbrinck eine marktbeherrschende Stellung verschaffen, hieß es. Daraufhin übernahm DuMont den Verlag am Alexanderplatz.

Die Bundesregierung will angesichts des Rückgangs der Anzeigen- und Werbeerlöse Absprachen erleichtern. Kartellamtschef Andreas Mundt hat in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" aber schon gewarnt, dass er die Novelle "nicht überzeugend" findet.

Fachleute sehen die Zeitungsvielfalt in Berlin einerseits positiv, warnen aber auch, dass es auf dem Markt immer enger wird. Eine Chance sehen sie in einer stärkeren Ausrichtung auf einzelne Lesergruppen, etwa auf die der "Entscheider" aus Politik und Wirtschaft, wie es der "Tagesspiegel" versucht. Oder auf die Berichterstattung aus den Kiezen.

Grund zum Optimismus gibt es dennoch. Die "tageszeitung" ("taz") baut gerade ein neues Verlagshaus im alten Berliner Zeitungsviertel, Springer errichtet eine Zentrale für ihre digitalen Aktivitäten. Und die Branche hat in der Hauptstadt eine lange Tradition: Der Presseball steht in diesem Jahr unter dem Motto: "400 Jahre Zeitungsstadt Berlin"./ee/DP/fbr